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Lokal-Porträt: Von Kräutern, Kichererbsen und Kürbissen

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Die „Ur-Grazerin“ Waltraud Kleindl kocht in Reininghaus mit viel Löffel.Liebe auf. Warum sie konsequent auf gesunde Küche setzt und die Gastroszene auch kritisch sieht.

 Durch die große Fensterfront fallen Sonnenstrahlen auf die Pflanzen, die im Restaurant verteilt stehen. Dazwischen sitzen sich Gäste an einer langen Tafel gegenüber und unterhalten sich angeregt  – Mittagspausentratsch. Aus der offenen Küche strömt der süße Duft von Apfelstrudel.

Dass Waltraud Kleindl mit ihrem Lokal im Juni letzten Jahres hier gelandet ist, war großes Glück. Sie wollte sich einen Lebenstraum erfüllen und war eineinhalb Jahre auf der Suche nach einem geeigneten Ort. Wäre sie nicht in letzter Minute auf die Reininghausstraße 13a gestoßen, wäre sie wohl in Pension gegangen, erzählt sie bei unserem Besuch. Aber die Location war perfekt, und dann auch noch ganz in der Nähe ihres Wohnortes. „Das war wirklich ein riesengroßer Zufall”, meint sie glücklich.

Ein Traum wird wahr

Seit Juni 2023 betreibt sie nun ihr kleines Restaurant mit dem Namen Löffel.Liebe – Die Manufaktur für Besser.Esser. Das Besondere daran? Waltraud und ihre „Mannschaft“, wie sie ihre Mitarbeiter nennt, servieren nur Gerichte, die ohne die meisten unverträglichkeits- und allergieauslösenden Stoffe auskommen. Außerdem verzichten sie vollständig auf Soja, laktosehaltige Lebensmittel, Weizen und Nüsse. „Die Speisen sind traditionell, aber simpel. Es gibt immer ein Fleischgericht und ein vegetarisches, das einfach in ein veganes umgewandelt werden kann. Dazu gibt’s noch eine hausgemachte Suppe, frische Salate und Mehlspeisen. So decken wir alle ab”, sagt Waltraud. Auf dem Speiseplan ist von Pasta-Klassikern bis zu ausgefalleneren Eintöpfen alles dabei. Besonderen Wert legt sie auf Regionalität, die Kräuter kommen aus dem eigenen Kräutergarten, der für das Restaurant angelegt wurde.

Selbst kocht sie nicht mehr, kümmert sich vor allem um das Geschäftliche. Nur das Kosten lässt sie sich nicht nehmen: „Mein Lieblingsessen ist Linsen Dal mit Reis und Joghurt. Das ist auch das Gericht, das am häufigsten bei uns verkauft wird.” Auch Catering bietet Waltraud an. Besonders mag sie daran, dass sie dadurch eine persönliche Beziehung zu ihren Stammkunden aufbaut. Im letzten Jahr erhielt sie beispielsweise ihre erste Anfrage für ein Totenmahl. Am Ende saß sie gemeinsam mit den Angehörigen in der Wohnung der Verstorbenen beim Erdäpfelgulasch. Aber es muss nicht immer Catering sein. Wenn jemand krank ist oder vor einer Operation steht, ist Waltraud mit ihrem Wissen zur Stelle und gibt Ernährungstipps.

Innenraum des Löffel.Liebe Restaurants in Graz Reininghaus
Waltraud Kleindl in Action in ihrem Restaurant. – Foto: Lena Battyan

 

Gesundheit first

Dass das Essen gesund ist, ist ihr besonders wichtig. 2009 machte Waltraud eine Ausbildung zur diplomierten Ernährungstrainerin, obwohl sie damals eigentlich in der Versicherungsbranche tätig war. Schon in der Kindheit war sie viel in der Natur, besonders im Gemüse- und Obstgarten ihrer Großeltern. Später entwickelten Waltraud und ihre drei Kinder Unverträglichkeiten, deshalb beschäftigte sie sich noch intensiver mit gesunder Ernährung. „Kürbis und Kuchen” hieß ihr erstes Unternehmen, mit dem sie neun Kindergärten und bis zu 400 Personen täglich versorgte. „Wir wurden einfach überrollt”, erzählt Waltraud. Durch die Corona-Pandemie fehlten dann allerdings die Kunden, weshalb sie ihr Unternehmen aufgab.

Der Gastronomiebranche insgesamt steht Waltraud Kleindl sehr kritisch gegenüber. Das vegetarische Angebot in vielen Lokalen sei zu klein, meint sie, viele würden ungesunde Produkte verwenden. Kritisch sieht sie außerdem Lokale, die nur deshalb auf vegan und bio setzen, weil es im Trend ist. „Diese Typen sind nicht authentisch!”

Reininghaus – ein Zwiespalt

Seit vierzig Jahren wohnt Waltraud im Viertel und hat die Entwicklung des heutigen Reininghaus-Viertels hautnah miterlebt. „Früher gab es hier nur Äcker und Wiesen, Hasen und Fasane, sogar einen Ententeich!”, sagt sie. Aber man müsse die Veränderungen auch positiv sehen, denn der Westen von Graz werde dadurch attraktiver und moderner. Einige Probleme sieht sie dennoch: „Das Viertel ist nicht für Unternehmer gemacht, weil das Verkehrskonzept so unbrauchbar ist.” Trotzdem ist sie sich sicher, dass es „bestimmt toll” wird, und freut sich schon, wenn Reininghaus immer mehr Gestalt annimmt.

Obwohl Waltraud ja eigentlich schon ihre Pension genießen könnte, hat sie für das neue Jahr wieder viel geplant. So will sie bei Lieferservices einsteigen und noch mehr „Essen im Glas” produzieren. „Ich bin einfach quirlig. In meinem Kopf rattern ständig neue Ideen und ich muss mich selbst bremsen, weil ich sonst alle Menschen mit meinen Ideen überfordere.”

 

Titelbild: Waltraud Kleindl in ihrem neuen Restaurant in Reininghaus. – Foto: Lena Battyan

Born and raised in Graz, 2023 Matura gemacht und dann direkt weiter an die FH JOANNEUM. Meine Freizeit verbringe ich mit Freunden, Ultimate Frisbee spielen und Kaffeetschi trinken.

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