Daniel Hofer vor Auslage mit Kunstwerken von Asylsuchenden.
Lesezeit: 2 Minuten, 47 Sekunden

Kunst von Asylsuchenden im Museum Lend

in LENDWIRBEL von

Von Bombenangriffen in Damaskus zur Malerei in Österreich. Seit 2015 malt Daniel Hofer mit Asylsuchenden und präsentiert nun gemeinsame Kunst in den Schaufenstern der Mariahilferstraße, dem Museum Lend.

Panische Gesichter, suchende Blicke. Im Vordergrund Menschen, die sich durch die Trümmer kämpfen, im Hintergrund ausgebrannte Häuser, aus denen es noch heftig qualmt. Auf dem Stück seltsam heilen blauen Himmel steht mit Bleistift „Damaskus Syria 24th Feb. 2016” geschrieben. Es ist ein gemeinsames Bild dreier Künstler von einem der verheerendsten Bombenangriffen auf Damaskus.

Grenzenlos Kreativ

Daniel Hofer trifft sich mit einem der Organisator*innen des Lendwirbels 2021, um Auslagen von Geschäften und Lokalen im Lend anzuschauen. Das Bild vom Bombenangriff hat er auch dabei. Der Plan ist, Schaufenster zwischen Lend- und Südtirolerplatz durch Kunstinstallationen im gesamten Mai zu Ausstellungsräumen zu gestalten. Am Streifzug durch die Mariahilferstraße erzählt Hofer, wie er zum Malen mit Asylwerber*innen gekommen ist. Anlass für sein Engagement war die Flüchtlingswelle 2015, die 144 Asylsuchende in seine Heimatgemeinde Köflach brachte. Spontan besorgte er Material und ging damit ins Jugend- und Kommunikationszentrum. Üblicherweise gab es dort Deutschunterricht für Flüchtlinge, aber Hofer versuchte sprachliche Barrieren mit Kunst zu überwinden. Erst malte er alleine am Tisch, aber bald wurden auch andere neugierig. „Das war fast ein magischer Moment, als ich es geschafft habe, andere durch Gestikulieren zum Mitmachen einzuladen”, sagt der 47-Jährige.

Malerei des Bombenangriffs auf Damaskus 2016.
Bereit zum Aufhängen: Bombenangriff auf Damaskus 2016 – Foto: Fanny Gasser

Einer der Künstler*innen des damals unter dem Namen Grenzenlos Kreativ entstandenen Projekts ist Nasim Alizadeh. Geflüchtet aus Afghanistan, konnte er anfangs keinen hinreichenden Fluchtgrund nachweisen. Da er aber in seinem Heimatland für die Malerei verfolgt worden wäre, sicherte sie ihm das Bleiberecht in Österreich. „Die Kunst hat ihm mehr oder weniger das Leben gerettet”, meint Hofer. Das lange Warten auf seinen Asylbescheid, den er erst vor zwei oder drei Monaten bekam, drückt Alizadeh mit einem seiner Bilder aus: „Ein Mädchen mit einem Hund am See. Sie ist am Warten, wie ich, als ich auf meinen Bescheid fast fünf Jahre gewartet habe.“

Aus taktischen Gründen meldete Hofer das Kunstprojekt auch als Verein an. So bekamen sie nicht nur Subventionen, sondern konnten auch Einnahmen, die sie durch den Verkauf ihrer Kunst erhielten, deponieren. Da Asylsuchende nicht über 110€ monatlich ohne Kürzung der Grundversorgung einnehmen dürfen, konnte so das verdiente Geld nach und nach vom Verein ausgezahlt werden. Grenzenlos Kreativ wurde als Verein zwar mittlerweile aufgelöst, die Zusammenarbeit besteht nach fünf Jahren aber weiterhin.

Narben von Schusswunden und Messerstichen

Zusammen an der Malerei und eigenen Ausstellungen zu arbeiten bietet den Künstler*innen Perspektiven und Halt. „Ich war anfangs sehr alleine und habe mich einsam gefühlt, da war die Malerei die einzige Hoffnung für mich”, erzählt Alizadeh. Die Herkunftsländer der Künstler*innen sind sehr verschieden, von Bangladesh über Syrien bis Kongo sind alle Nationen vertreten. Da Viele traumatisiert nach Österreich gekommen sind oder aufgrund ihrer Hautfarbe ausgegrenzt werden, ist Hofer auch um psychologische Betreuung bemüht. „Manche haben mir Narben von Messerstichen und Schusswunden gezeigt”, meint er. Am Lendwirbel soll Grenzenlos Kreativ Passant*innen Themen wie Asyl und Migration durch Kunst näherbringen.

Nasim Alizadeh mit einem seiner Werke.
Nasim Alizadeh mit einem seiner Werke – Foto: Nasim Alizadeh

Museum Lend

Mit dem Lend als Stadtteil haben die beiden Maler nicht so viel am Hut, auch wenn Hofer während des Studiums in der Gegend lebte. Den Lendwirbel haben sie bisher nie besucht und waren auch noch nie künstlerisch involviert. Entstanden ist die Schaufensterausstellung durch eine Facebook-Freundschaft mit einem Organisator, gefolgt von einem zufälligen Treffen vor dem Lendwirbel-Büro beim Himal Hemp. Im Gespräch ergab sich die Idee, die schon im nächsten Netzwerktreffen konkretisiert wurde.

Seit 3. Mai sind ihre Kunstwerke in mehreren Geschäften der Mariahilferstraße, wie beispielsweise dem Juwelier Grabner oder dem Zerum, aufgebaut. Das Museum Lend soll den öffentlichen Raum auf eine coronakonforme Art und Weise mit Kunst bespielen. Geplant sind unter anderem Auslagen mit Bildern zur Verkehrswende von MoveIt, Plüschvulven und Blumenstatuen zur Aufklärung von Mafalda und Ausstellungen einzelner kreativer Köpfe wie Yannick Steinkellner vom Slam Kollektiv Graz.

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