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Gries: Mehr als nur Verkehr?

in POLITIK & WIRTSCHAFT von

Als Naherholungsgebiet ist der Griesplatz den wenigsten bekannt. Mehrere Buslinien passieren den Verkehrsknotenpunkt im Minutentakt und lärmende Autos stauen sich an den Ampeln. Doch muss das so sein?

Treffpunkt Griesplatz. Es ist ein heißer Tag, eine Linde wirft Schatten auf den sonnenüberströmten Platz, unter ihr versammeln sich einige Personen. Beim Spaziergang ,,Verkehr im Griesviertel – Hölle und Potenzial’’ haben heute alle ein gemeinsames Ziel: Das Besprechen von neuen Ideen für das Griesviertel und Verkehrsmaßnahmen, um dieses zu entlasten. Allen voran dabei sind Remko Berkhout, Maria Reiner und Maria ‘’Mimi’’ Nievoll vom Projekt ,,Verweile doch und mach es schön’’. Außerdem nehmen der Umweltsystemwissenschaftler Christian Kozina und Simone Reis von der Stadtbaudirektion teil.

Kozina sieht Potenzial

Um das Verkehrsproblem im Großraum Graz zu lösen, hat Christian Kozina in Eigeninitiative mit Unterstützung von Radlobby ARGUS und Fahrgast Steiermark ein Mobilitätskonzept mit 18 Punkten entwickelt. Laut Kozina wird fast die Hälfte aller Wege in Graz mit dem Auto zurückgelegt. Schuld seien mangelnde Alternativen, denn die Verkehrspolitik der letzten Jahre konnte das Auto als schnellere und flexiblere Variante nicht ablösen. Ideen wie Fahrverbote, eine Murgondel und die City-Maut würden am eigentlichen Problem vorbeigehen. ,,Ich bin kein Fan der City-Maut. Die trifft besonders diejenigen, die es sich nicht leisten können’’, meint Kozina. Reis erwidert: ,,Ich finde die City-Maut nicht schlecht, aber parallel dazu müssten Angebote geschaffen werden, beispielsweise Park & Ride-Plätze’’.

Geht es nach Kozina, soll die Griesgasse zu einer Fußgängerzone werden – Foto: Julian Strassegger

Kozina will das Autofahren nicht verbieten oder unleistbar machen, sondern Anreize schaffen, damit Menschen umweltfreundlichere Alternativen nutzen. Seine konkreten Vorschläge für Gries: Überall dort, wo es viel Fußverkehr gibt, möchte er Fußgängerzonen einrichten. Die Griesgasse soll zukünftig ausschließlich Fußgängern zur Verfügung stehen, die Elisabethinergasse, Lazarettgasse und Rösselmühlgasse nur mehr Fußgängern, Radfahrern und öffentlichen Verkehrsmitteln. Den Durchzugsverkehr am Griesplatz will Kozina gänzlich verschwinden lassen, dafür wünscht er sich einen Radweg in beide Richtungen. Autos würden einspurig am westlichen Rand des Platzes Richtung Süden passieren, für den öffentlichen Verkehr könnte je eine Spur pro Richtung entstehen. Durch die neuen Fußgängerzonen würde das Gehen attraktiver werden und AnrainerInnen könnten von Lärm und Feinstaub entlastet werden. Weiters soll die Hauptstraße zwischen Lend- und Grieskai künftig eine Nebenstraße sein, die für Autos nicht oder nicht durchgehend befahrbar ist.

Kozina hat sein Mobilitätskonzept an Zuständige aus Stadt und Land weitergeleitet – ob und wie Vorschläge letztendlich umgesetzt werden, ist noch unklar.

Verweilen statt durcheilen

Ideen, die aus dem Griesplatz mehr als nur einen Verkehrsknotenpunkt machen wollen, gab es in den vergangenen Jahren viele: Im Herbst 2015 startete eine Initiative für mehr Bürgerbeteiligung, die unter der Leitung von Simone Reis durchgeführt wurde und unter anderem Workshops und Begehungen für interessierte Personen anbot. So veranstalteten die Initiatoren beispielsweise einen Bauernmarkt und ,,Social Safaris’’, bei denen Personen aus unterschiedlichen Zielgruppen das Viertel erkunden und über Probleme diskutieren konnten. Außerdem entstand ein kleines Stadtteilbüro in der Griesgasse, das die Beteiligungsprojekte begleitet.

Immer wieder wird der Wunsch nach einem Naschmarkt am Griesplatz, wie es ihn etwa in Wien gibt, laut. Das Ziel sei momentan aber eher, bereits bestehende, lokale Gastronomen zu stärken, sagt Reis. Der ehemalige Bezirksvorsteher von Gries, Johann Haidinger, verfolgt die Idee eines Naschmarktes bereits seit den 90er Jahren. Alle Jahre wieder wird erneut über die Umsetzung diskutiert, eine Situation, an der sich allem Anschein nach auch in absehbarer Zeit nichts ändern wird. ,,Es gibt weder ein fixes Ja, noch ein fixes Nein’’, erklärt Reis.

Der Themengarten am Griesplatz – Foto: Julian Strassegger

Ein Projekt, das tatsächlich umgesetzt wurde, ist Gries grünt: Die Organisatorinnen Tatjana Petrovic und Marie-Thérèse Fallast haben es sich – gemeinsam mit einer Gruppe von Ehrenamtlichen – zur Aufgabe gemacht, einen Garten rund um die Mariensäule entstehen zu lassen. Die geschaffene Grünfläche wird am 28. Juni um 17 Uhr eröffnet und bietet PassantInnen die Möglichkeit, sich auf Holzmöbeln zwischen blühenden Pflanzen zu entspannen – umgeben von dröhnendem Motorenlärm. ,,Man muss schon ein großer Optimist sein, um hier zu sitzen und zu sagen: ‚Das hat Potenzial’’’, meint Maria Reiner.

*Titelbild: Prontolux

Eine zumindest am Wochenende gut geölte Maschine mit Herz, Leidenschaft und maßlosen Übertreibungen. Hat immer tausende Ideen, manchmal auch gute. Stolzer Wahl-Annenviertler.

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