Tauschen statt Kaufen – Kleidung bekommt ein zweites Leben

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Zwischen vollen Kleiderständern und bunten Stoffbergen wird gestöbert und anprobiert, während laute Musik durch die Hornig Skatehalle dröhnt. Hier konnten Menschen ihre Kleidung tauschen, statt Neues zu kaufen. Was sie verbindet: der Wunsch, Mode länger im Umlauf zu halten.

Autorinnen: Saskia Meißner und Alina Dorn

Am 28. März verwandelte sich die Hornig Skatehalle in der Waagner-Biro-Straße 39, in einen Ort, an dem Kleidungsstücke eine zweite Chance bekamen. Besucher:innen konnten ihre alten Stücke tauschen oder einfach mitnehmen, was ihnen gefiel, ganz ohne Anmeldung und ohne Kosten. Die Auswahl reichte von Schuhen, Jacken und Hauben bis hin zu Jeans, Kleidern und T-Shirts. 

Vom Kleiderständer zur Skate-Rampe

Wer jedoch glaubt, beim Kleidertausch ging es nur um das Gewand, liegt falsch. Beim Betreten des Gebäudes hörte man sofort die mitreißenden Beats des DJs, die die Halle erfüllten. Im Raum vor der Skatehalle befindet sich eine Bar, in der Getränke gegen eine freiwillige Spende angeboten wurden, sowie eine große Fläche mit mehreren Tischen und Sitzmöglichkeiten. Diese sollen einen gemütlichen Ort für den Austausch zwischen den Gästen der Halle bieten. In der Skatehalle selbst nutzten viele Skater:innen die aufgebauten Rampen und Hindernisse, um ihre Tricks zu üben. Daneben durchstöbern die Besucher:innen des Kleidertauschs die Kisten, Tische und Kleiderstangen nach möglichen neuen Klamotten. Regeln gab es dabei keine: Wenn Kleidungsstücke passten und gefielen, durften sie in den eigenen Kleiderschrank nach Hause gebracht werden. Zusätzlich gab es Spielmöglichkeiten für Kinder sowie einen Tätowierer, der Anwesenden bei Bedarf Tattoos stach.

Viele Menschen stehen in der Skatehalle vor Kleiderstangen und Skate-Hindernissen, die als Ablage für Kleidungsstücke verwendet werden. An der weißen Wand hängen mehrere bunte Skateboards und viele Poster und gerahmte Bilder.
Der Kleidertausch und die Ausstellung – Foto: Saskia Meißner

Community, Kreativität und ein guter Zweck

Hinter der Event-Organisation steckt Sandra Spechtl, die selbst regelmäßig in der Halle skatet. Bereits mit 16 Jahren organisierte sie ihren ersten Kleidertausch. In Zusammenarbeit mit einigen anderen Skater:innen verwirklichte sie schließlich den ersten Tausch in der Skatehalle. Das gesamte Engagement erfolgte ehrenamtlich und wurde hauptsächlich durch freiwillige Spenden der Besucher:innen finanziert. Zusätzlich bemühen sich die Beteiligten aktuell um mögliche Förderungen, die ein dauerhaftes Budget garantieren würden. „Es wäre mein Wunsch, dass die Leute die Halle und ihr ganzes Potenzial sehen“ , berichtet Spechtl. Dem Team hinter der Veranstaltung ist es zusätzlich ein großes Anliegen, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, weshalb verbliebene Kleidungsstücke im Anschluss an den Kostnix-Laden verschenkt wurden. Dieser gibt sie dann unentgeltlich an bedürftige Menschen weiter.

Darüber hinaus ist die Skatehalle ein genereller Ort des Zusammentreffens verschiedener Persönlichkeiten. Das bekräftigen auch Kathi Veit und Iris Resch, zwei Mitglieder der Flinta-Skate-Community in Graz: Es ist ein konsumfreier Gemeinschafts-Ort und Treffpunkt, wo einfach jeder kommen kann, so wie er oder sie ist.” Besonders im März standen durch die Mitglieder der Flinta-Skate-Community viele weitere Veranstaltungen auf dem Programm der Skatehalle. Sie sorgten beispielsweise im Zuge des „FrauenMärz2026” für einige Kreativ-Workshops zum Thema Linoldruck, Graffiti und Upcycling von alten Skateboard-Decks aus Holz. Daraus entstanden neben Schmuck auch Protestschilder, die bei der Grazer Frauendemo am 7. März zum Einsatz kamen. Die Besucher:innen des Kleidertauschs konnten einige Fotos und Ergebnisse dieser Events in Form einer kleinen Ausstellung begutachten. 

Skater und Skaterinnen fahren auf dem Skateboard in der Skatehalle. Rote und goldene Girlanden sind aufgehängt. Mehrere Hindernisse stehen im Raum. Die Wände sind mit buntem Graffiti dekoriert. Ansonsten ist die Halle weiß.
Die Skater:innen in Action – Foto: Saskia Meißner

Kleidertausch als nachhaltige Option

„Hell yes – fuck Fast Fashion! Wir leben in einem Zeitalter, in dem Konsum extrem in unsere Köpfe eingebrannt ist. Ich habe mir deshalb eine Regel gesetzt: Bevor ich mir etwas Neues kaufe, gebe ich ein Kleidungsstück weiter. Kleidertausch ist dafür ideal“, meint Cooky, Besucherin des Kleidertauschs, auf die Frage, ob Tauschen eine echte Alternative zu Fast Fashion bietet. Mit dieser Haltung ist Cooky nicht allein: Viele der Anwesenden sehen im Tauschen eine bewusste Alternative zum Neukauf. Dennoch brauche es auch die dafür notwendige Motivation bei den Menschen, bevor sie diese Variante in Erwägung ziehen, erklärt Spechtl. Da viele Leute bereits vermehrt auf Nachhaltigkeit achten, entwickelten sich solche Events zu einem echten Trend. Auch Spechtl erzählt: „Ich habe 2016 den ersten Kleidertausch organisiert und damals war dieser fast der Einzige in Graz. Jetzt merke ich, dass es auch schon viele andere Leute machen.” Nach dem Erfolg am 28. März kann sie sich gut vorstellen, zukünftig erneut einen Kleidertausch in der Skatehalle auf die Beine zu stellen. Die Halle sei für Veranstaltungen perfekt geeignet. Es befinden sich bereits weitere Events in Planung. 

 

Titelbild: Veranstalterinnen und Skaterinnen der Halle – Foto: Alina Dorn

Infobox
Die Hornig Skatehalle:

Adresse: Waagner-Biro-Straße 39

Instagram: @skatehalle.graz

Skate-Verein Graz, weitere Infos auf der Website

Flinta-Skate-Community auf Instagram: @qrewgraz

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