Am 18. 3. öffnete die Bar „Der weisse Elephant“ in der Annenstraße 16 ihre Türen. Sie will Menschen aus unterschiedlichen Kulturen einen Raum für Austausch und Kreativität bieten. Ziel ist es, einen lebendigen Ort des Miteinanders in der Annenstraße zu etablieren.
„Jeder ist willkommen und soll sich zeigen“, sagt Muazan Hassan, der Inhaber der Bar, während er durch die Räumlichkeiten führt. Gemütlichkeit, Spaß und das gegenseitige Voneinander-Lernen sollen im Vordergrund stehen. Das würde auch der Seele guttun, meint er. Die Farbgestaltung ist diesem Grundgedanken angepasst. Der dunklen Flächen an einigen Wänden stehen für Schwierigkeiten, denen wir alle in unserem Leben begegnen. Doch es komme immer wieder Licht – dafür steht die goldene Farbe, erklärt Muazan. Er lebt seit elf Jahren in Österreich und hat in der Vergangenheit Soziologie in Damaskus studiert. Einen Platz der Begegnung und des Austauschs zu schaffen, ist ihm eine Herzensangelegenheit.
Ein Ort der Begegnung und des Austauschs
In der Vergangenheit wurde die Bar unter anderem unter dem Namen „Alibaba“ als syrisches Restaurant geführt. Der Fokus liegt fortan nicht mehr auf orientalischen Speisen. Besonders Künstler:innen, Lyriker:innen und Musiker:innen will der Inhaber ansprechen und in sein „orientalisches Wohnzimmer“ holen. Auch eine Comedy-One-Man-Show ist für ihn denkbar. Seine Ideen möchte er vor allem an Wochenenden mit Veranstaltungen umsetzen. Er wünscht sich zudem Kooperationen mit jungen Musikstudent:innen, die sich einbringen wollen.
Musik aus aller Welt
Auch Jam-Sessions werden regelmäßig angeboten. Am Eröffnungsabend fanden sich Musiker:innen unterschiedlicher Nationen ein. Über ihnen projizierte ein Bildschirm brennendes Kaminfeuer, was für Wohlfühlatmosphäre sorgen sollte. Nicht nur orientalische Lieder werden gespielt, auch andere Musikrichtungen wie Jazz sowie Musik aus Südamerika, Kuba und Griechenland finden ihren Platz. Am Kontrabass spielte Juan Pablo, er kommt aus Mexiko. Der Klarinettist stammt aus der Türkei. An der Gitarre spielte Juan Carlos Sungurlian aus Uruguay und die typisch orientalische Flöte, genannt „Ney“, spielt Hamzeh Hasan. Die Flöte wird traditionell aus Bambus oder Schilfrohr hergestellt und wurde schon im Orient vor rund 4000 Jahren überwiegend bei religiösen Ritualen eingesetzt.

Die Idee zur Namensgebung
„Der weisse Elephant” ist kein reiner Fantasiename sondern nimmt Bezug auf die Eigenschaften der besonderen Tiere, erklärt Muazan. Weiße Elefanten gelten als sehr soziale und emotional intelligente Tiere. Sie zeigen Mitgefühl, eine außergewöhnliche Kooperationsbereitschaft innerhalb der Herde und haben eine bemerkenswerte Problemlösungskompetenz. Weiße Elefanten sind sehr selten und leben in Thailand, Myanmar und Burma. Sie gelten in buddhistischen Ländern als heilig und versprechen Glück und Wohlergehen. Von gewöhnlichen Elefanten unterscheiden sie sich durch körperliche Merkmale wie eine hellrosa-braune oder hellrosa Haut, helle Haare sowie hellblaue Augen.
Für Muazan steht das gewählte Logo für Familiensinn, Empathie und ausgeprägtes Sozialverhalten. Diese Werte werden auch im neuen Konzept der Bar großgeschrieben. Das Boot mit Musikanten am Rücken des Tieres erinnert an die Arche Noah. Für ihn symbolisiert es die ältere Generation, in der Menschen noch persönlich in Kontakt traten, miteinander kommunizierten und persönliche Treffen einen hohen Stellenwert hatten – fernab von Digitalisierung. „Heute werden persönliche Treffen weniger, Interaktionen verlaufen verstärkt über digitale Medien“, sagt Muazan.
Multikulturalität in der Annenstraße
Die Straße wieder lebendiger zu machen, ist dem Inhaber ein großes Anliegen. Steigende Mietpreise in der Straße hätten dazu geführt, dass viele Geschäfte schließen mussten. Aber auch der Trend des Online-Handels und die Verlagerung einzelner Läden in große Einkaufszentren seien Aspekte, die diese Entwicklung vorantreiben. Dabei ist die Vielfalt der Kulturen ein großer Vorteil, sagt Muazan. Jeder habe seine eigene Geschichte und daher eine andere Art des Bewusstseins. Sich zu integrieren und voneinander zu lernen – egal welcher Herkunft – ist die Grundidee, die ihn antreibt. Für die Zukunft wünscht er sich, dass sein Konzept gut angenommen wird und viele Menschen anzieht.
Titelbild: Juan Pablo (1.v.l), Gökhan Aslan, Juan Carlos Sungurlian, Hamzeh Hasan – Foto: Iris Stark
Artikel wurde am 12. April im zweiten Absatz korrigiert.
