Der diesjährige Lendwirbel bietet ein besonderes Schauspiel: Am zweiten Tag des Straßenfests wird um 17 Uhr das Musical „Das Wunder der Technik” aufgeführt. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, was dieses Gemeinschaftsprojekt antreibt.
Autorinnen: Elisabeth Umbauer, Matilda Royer
„Ursprünglich wollten wir einfach irgendwas am Lendwirbel machen“, lacht der Filmemacher Dominik Huter. Gemeinsam mit Tamara Ussner von Radio Helsinki und der JPR-Studentin Lola-Pamina Pllana hat er das Musical geschrieben. Wir sitzen auf dem Balkon, die Sonne scheint und die Stimmung ist gelassen. Zwar findet die Aufführung des gemeinsamen Projekts schon in zwei Tagen statt, gestresst wirken die drei aber nicht.
Von Dosenbier zur „professionellen Zeitreise“
Ursprung ist das Musical, das 2018 ebenfalls während des Lendwirbel-Festivals auf der Murinsel aufgeführt wurde. Die damalige Handlung war die allgemeine Unzufriedenheit mit der Welt und der Drang, etwas zu verändern. Wie das konkret aussah? „Wir gründen eine Rockband und trinken Dosenbier“, erinnert sich Dominik schmunzelnd. Tamara war auch beim Musical dabei und erzählt, dass es gar keine Generalprobe gab. „Das war dann quasi die Aufführung – unser Gag am Ende war: Danke für die Probe!“. Acht Jahre später ist die Herangehensweise professioneller und strukturierter. Neben Dominiks Band Magogo, die mit Psychedelic- und Stoner-Rock für den Sound sorgt, wirkt diesmal auch ein Tanzteam der Dust City Dancers aus Graz mit. Die Songs der Band wurden für „Das Wunder der Technik” eigens gekürzt und umgeschrieben, damit die Storyline im Vordergrund steht.
Ein partizipativer Ansatz ohne Hierarchien
Wie viele Personen genau mitspielen, wissen die drei nicht so genau. Insgesamt schätzt das Team das Ensemble auf 35 bis 40 Personen. „Ehrlich gesagt ist das schwierig zu sagen; wir hatten noch gar keine große Probe“, schmunzelt Tamara. Bisher hätten sie in Kleingruppen geprobt, doch genau das mache den besonderen Reiz aus. Die Vorbereitungen laufen seit Februar; das Drehbuch entstand bereits im Winter. Bei der Produktion sind alle willkommen: Auch sieben junge Schauspieler:innen zwischen elf und dreizehn Jahren wirken mit. Das Team arbeitet dabei ohne feste Regeln oder Hierarchien. Jede Gruppe gestaltet ihre Szene eigenverantwortlich und am Ende wird das Musical wie ein Puzzlespiel zusammengefügt.

Ausgelassene Stimmung beim Lendwirbel Musical 2018. – Foto: Lendwirbel
„Jeder und jede kann den Teil zur Produktion beitragen, den er oder sie möchte. Das ist eine tolle Möglichkeit für Amateurschauspieler:innen“, erzählt Lola. Als Mitglied des Lendwirbel-Ressorts der Annenpost ist sie durch ihre Recherche auf das Projekt gestoßen. Als langjährige Schauspielerin beim Theater am Ortweinplatz wirkt sie nun als Co-Produzentin und Darstellerin mit. Dominik und Tamara kennen sich schon seit der Studienzeit. Zu dritt bilden sie nun das Kernteam des heurigen Musicals.
Zwischen Urzeit-Alexa und „Brainrot“
Über den Inhalt will das Team noch nicht zu viel verraten, freuen darf man sich aber auf ein gesellschaftskritisches Stück mit viel Sarkasmus, Musik und Tanz. „Das Wunder der Technik“ ist als eine humorvolle Zeitreise inszeniert. „Es beginnt in der Urgeschichte, in der Urmenschen einen technischen Gegenstand finden“, verrät das Team.
Die Reise führt über die Millennials, die ständig am Computer „reinhackeln“, bis hin zur Gen Z, die mit Themen wie „Brainrot“, exzessiver Bildschirmzeit und Social-Media-Abhängigkeit kämpft. Auch aktuelle Krisen und Debatten wie der Klimawandel oder technologische Lösungsansätze wie der „Carbon Capture“ werden satirisch aufgegriffen. Trotz des Humors schwingt eine deutliche Kritik an künstlicher Intelligenz und den Folgen digitaler Entfremdung mit. „KI ist kein unendlicher Wissenspool. Sie ist darauf trainiert, uns zu bestätigen – aber menschliche Beziehungen sind viel komplexer“, meint Tamara überzeugt.
Zwei zentrale Fragen, die das Musical aufwirft: „Was mache ich da eigentlich?“ und „Um was geht es hier eigentlich überhaupt?“ Wer die Antworten darauf suchen möchte, sollte sich den 1. Mai vormerken.
Lendwirbel-Programm: https://lendwirbel.at/programm/
Instagram-Account der Band Magogo: https://www.instagram.com/magogo_band?igsh=MTBoeGl2cXNxdGQ4dA==
Artikel zum Beinahe-Aus des Lendwirbel: https://www.annenpost.at/2025/11/24/der-lendwirbel-lebt/
Titelbild: Im Gespräch mit den drei Produzent:innen Lola-Pamina Pllana, Dominik Huter und Tamara Ussner – Foto: Matilda Royer
