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Wie Narine in Eggenberg die EU kennenlernt

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Narine Harutyunyan aus Armenien engagiert sich ein ganzes Jahr lang freiwillig im Stadtteilbüro EggenLend. Was sie nach Graz geführt und was sie hier gelernt hat erzählt sie uns in einem Interview.

Zwischen Graz und Gjumri liegen rund 2.300 Kilometer Luftlinie. Gjumri ist die Heimatstadt der 24-jährigen Narine Harutyunyan (armenisch: Նարինե Հարությունյան), die seit Juni letzten Jahres in Graz wohnt und arbeitet. Ihre Arbeit ist für sie eine neue und besondere, denn sie arbeitet im Stadtteilbüro „EggenLend“. Nach Graz kam die Marketing-Studentin im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres, das vom „European Solidarity Corps“, einem Sozialprojekt der Europäischen Union organisiert wird. „Ich habe dieses Programm auf Facebook gesehen und mich dann auch gleich mal beworben”, erzählt sie bei unserem Treffen im Stadtteilbüro in der Alten Poststraße 118.

Ihre Arbeit – Նրա աշխատանքը

Dort gehört es zu Narines Aufgaben, den Besucherinnen und Besuchern bei den unterschiedlichsten Anliegen behilflich zu sein. Sie hilft bei Spieletreffs aus oder beim Ausfüllen von Heizkostenzuschussanträgen. Außerdem ist sie für den Social-Media-Auftritt sowie das Designen von Ankündigungsplakaten verantwortlich. Und sie wirkt an den Nachbarschaftsfesten mit, die es immer wieder schaffen, die verschiedensten Leute aus dem Viertel zusammenzubringen. Aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit hilft sie auch Frauen aus Syrien beim Deutschlernen. Narine spricht nämlich neben ihrer Muttersprache auch noch Russisch und Englisch, da dies an vielen armenischen Grundschulen gelehrt wird. Französisch kann sie, da sie ihren Bachelor in Marketing an der „Université française en Arménie“ gemacht hat.

Narine präsentiert die Öffnungszeiten. Kommt gerne vorbei! – Foto: Johannes Scheucher
Narine präsentiert die Öffnungszeiten. Kommt gerne vorbei! – Foto: Johannes Scheucher

Wenn sie einmal nicht arbeitet, zieht es sie hinaus aus Graz. Auf Reisen durch Österreich und in die angrenzenden acht Nachbarländer und das bevorzugt mit dem Zug. Prag hat es ihr besonders angetan. Aber ihr Lieblingsplatz ist das Schloss Eggenberg. Dort genießt sie die Pracht der historischen Anlage, schlendert gerne durch den weitläufigen Park und genießt mit den Pfauen die Ruhe abseits des Stadttrubels. “Gerade an den sonnigen Wochenenden ist die Anlage bei meiner Freundesgruppe und mir besonders beliebt”, meint sie. 

Ihre Meinung zum FSJ – Նրա կարծիքը FSJ-ի վերաբերյալ

Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland könne sie jedem jungen Menschen nur ans Herz legen, sagt Narine abschließend. Man bekomme dadurch eine komplett neue Perspektive auf die Welt und auch auf das eigene Heimatland. Das Anwenden einer neuen Sprache und das Kennenlernen anderer Kulturen sind weitere positive Aspekte. Darüber hinaus entschleunige es auch und man gewinne Zeit, um seine Zukunft zu planen. Da man auch ständig neue Leute kennenlernt, lässt sich einfach ein soziales Netzwerk aufbauen. “Ich habe auch andere Armenier kennengelernt, die einen kleinen Einkaufsladen besitzen. Dort kann ich auch in meiner Muttersprache kommunizieren“, sagt sie. 

Manchmal macht ihr Heimweh zu schaffen. Doch dank Videotelefonie und diverser sozialer Medien ist dieses Gefühl nie allzu stark. Nach ihrem FSJ möchte Narine entweder eine Ausbildung beginnen oder weiter studieren. Wo genau, ist noch offen, aber dank ihrer nun gefestigten Deutschkenntnisse stehen ihr mehr Türen offen als noch vor einem Jahr. Damit erfüllt das „European Solidarity Corps“ seine Mission: Europäische Gemeinschaft auch außerhalb der EU zu fördern, indem es jungen Menschen die Möglichkeit bietet, sich bei der Arbeit an Solidaritätsprojekten ein Netzwerk in der Europäischen Union aufzubauen.

Die geographische Infobox zur Republik Armenien:

Einwohner:innen: rund 3 Millionen

Lage: im Südkaukasus

Höchste Erhebung: Der erloschene Schichtvulkan Aragaz (4090 Meter)

Hauptstadt: Jerewan

Sprache: Armenisch (Eigenbezeichnung: Hajeren), Russisch und Englisch haben einen hohen Stellenwert

   

 

Titelbild: Narine auf ihrem Lieblingssessel im Stadtteilbüro „EggenLend“. – Foto: Johannes Scheucher

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