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Ein Ballabend so bunt wie seine Gäste

in Allgemein/VIERTEL(ER)LEBEN von

Wie das Thema Inklusion in der Menschenrechtsstadt Graz immer häufiger seinen Platz findet und für heiteres Miteinander sorgt.

Wer am 24. Mai 2024 an den Türen der Grazer Kammersäle vorbeikam, wurde von heiterer Musik und dem rhythmischen Rascheln von Cheerleader-Pompons begrüßt. Denn dieser Freitagabend stand unter dem Motto ,,Vergnügen und Vielfalt“. Der vom Verein „Soziale Projekte Steiermark“ organisierte Ball der Vielfalt jährte sich heuer zum siebten Mal. Doch springt der Funke auch über oder wird nur ein Haken auf dem Veranstaltungskalender der Annenpost gesetzt?

Wirrwarr und Lebensfreude

Die Teilnehmer:innen des Balls machen seinem Namen alle Ehre. Bereits im Foyer fallen pompöse Gewänder, die an die alte Regency-Ära erinnern, sowie ausladende Federkleider ins Auge. Doch auch ohne auffallende Kostüme gibt das Publikum ein interessantes Bild ab. „Es kommt nicht häufig vor, dass mehrere soziale Minderheiten auf einem Event so stark repräsentiert werden“, bemerkt eine junge Dame. Von Jung bis Alt, von Gästen in steirischer Tracht bis zu Drag Queens, alle freuen sich sichtlich auf die Eröffnung des Balls. Als von der Bühne die ersten Töne des „WIST- Haufen“ erklingen, steht ein junger Mann bereits in den Startlöchern. Mit einem breiten Grinsen eröffnet er allein die Tanzfläche, scheinbar ungeachtet des großen Publikums.

Schon bald schließt sich ein weiterer Gast an und die Stimmung steigt. Ein Gefühl von purer Lebensfreude macht sich in einem breit, denn die Besucher versuchen weder jedes kleinste Detail mit dem Handy zu filmen, noch interessiert es sie, welche Figur sie auf der Tanzfläche machen. Die Rolle als Interviewer:in fällt einem auch absolut nicht schwer, denn man kommt ohne große Fragerunden schnell ins Gespräch.

Applaus für den "WIST-Haufen" -Foto:Clara Stubenrauch
Applaus für den „WIST-Haufen“ -Foto:Clara Stubenrauch

Tanzen vereint

Die klassisch schwarz-weiße Polonaise, unter der Leitung der Tanzschule „Conny & Dado“, glänzt durch ihre Vielfalt. Unter den Tänzer:innen befinden sich auch zwei Special-Olympics-Athletinnen, die bereits eine Goldmedaille abstauben durften. Der Aufbau des Abends ist sehr ausgewogen gestaltet. Acts wie die Red Hots Cheerleaders und Tanzeinlagen von Tanzlehrerin Viola Stingl lassen keine Langeweile aufkommen. Sie zeigen, dass der Ball nicht nur ein Fest der Diversität, sondern vielmehr ein Fest des Miteinanders, und der Begegnung ist.

Denn neben zahlreichen Menschen mit Behinderungen sowie Angehörigen der LGBTQ- und Drag-Community, tanzen auch viele Gäste über die Tanzfläche, die sich keiner Minderheit zuordnen lassen und dort einfach nur Spaß haben wollen. Trotzdem steigert ein solches Event auch das Bewusstsein darüber, wie viele Menschen eingeschränkt durchs Leben gehen. „Die Barrierefreiheit hier ist leider immer noch nicht vollständig gegeben“, erzählt eine Besucherin. Gäste im Rollstuhl haben bis zu einer halben Stunde gebraucht, um über den einzigen Lift in den Ballsaal zu gelangen. Und dies bei einem speziell auf jene Besucher:innen ausgelegten Event. 

Polonaise in Schwarz und Weiß.- Foto: Clara Stubenrauch

Abstand halten, Nähe bewahren!

Mit Luftballons, Sonnenbrille und Kopfhörern bekleidet will Daniela Janisch auf ihr Projekt „AUT 4 INC“ aufmerksam machen. Ihr Outfit weist auf die veränderte Wahrnehmung von Sinneseindrücken hin, die Menschen mit Autismus erleben. Zu viel Nähe, Licht und Geräusche können da oft irritierend wirken. Trotzdem lassen es sich die davon betroffenen Gäste nicht nehmen, zur heiteren Musik das ein oder andere Tänzchen zu wagen.  Also ja  – der Funke an diesem Abend springt definitiv über.

Daniela Janisch. – Foto: Clara Stubenrauch

Weitere Eindrücke des Abends:

Titelbild: Eröffnung der Tanzfläche. -Foto: Clara Stubenrauch

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