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Galerie gegen Sexismus: „Die betroffene Person ist nicht schuld“

in LENDWIRBEL von

Mit der Galerie gegen Sexismus macht die Initiative Catcalls of Graz auf sexuelle Belästigung aufmerksam. Betroffene haben einen großen Beitrag zur Ausstellung geleistet, die im Zuge des Lendwirbels präsentiert wird.

„Du darfst mich nicht abweisen, du hast einen Rock an!“ Diese Worte dringen aus den Lautsprechern im Raum. Gedämpftes Licht fällt auf eine Schaufensterpuppe, die ein schlichtes schwarzes Shirt und eine violette Jogginghose mit bunten Glitzersteinen trägt. „In dieser Hose wurde ich gecatcallt“, sagt Sarah Kampitsch. Sie ist die Initiatorin von Catcalls of Graz. Im Rahmen des Lendwirbels hat sie zusammen mit ihren Kolleginnen Anna Majcan und Stefanie Rauch die Galerie gegen Sexismus in der Josefigasse organisiert.

Catcalls sind verbale sexuelle Belästigungen wie anzügliche Kommentare, die zumeist Männer Frauen an öffentlichen Orten nachrufen. Catcalls of Graz hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Catcalls mit farbiger Kreide auf die Grazer Straßen zu schreiben und somit auf Belästigung aufmerksam zu machen, wie die Annenpost bereits berichtet hat. Dabei ließ sich Kampitsch von Catcalls of New York inspirieren, die diese Idee ins Leben gerufen haben. Mittlerweile sind Catcall-Initiativen über den gesamten Globus verstreut. „Drei von vier Frauen werden mindestens einmal in ihrem Leben sexuell belästigt“, betont Kampitsch, die mit ihren Kolleginnen eine Petition ins Leben gerufen hat, um Catcalling gesetzlich strafbar zu machen.

 Ausstellungsstücke aus der Community

„Wir wollten schon länger eine Ausstellung machen und freuen uns sehr, dass wir diese beim Lendwirbel umsetzen konnten“, so Kampitsch. Nur zwei Wochen blieben für die Vorbereitungen, als die Gruppe erfahren hatte, dass sie die Räumlichkeiten von Pilates im Lend nutzen können. Dementsprechend schnell musste die Ausstellung auf die Beine gestellt werden, wobei das Team auch seine breite Social-Media-Basis nutzte. Nach einem Aufruf sendeten Betroffene Fotos von ihren Outfits, in denen sie verbale sexuelle Belästigung erfahren haben. Diese hängen nun an einer weißen Wand des Ausstellungsraumes. Darunter befinden sich eine Person im grünen Abendkleid sowie eine in einem Sportoutfit mit langer schwarzer Hose. Eine weitere trägt eine beige Hose und ein weißes Top. Kampitsch sagt zur Intention hinter dieser Collage: „Die betroffene Person und deren Outfit ist nicht schuld. Die Verantwortung für eine solche Konfrontation tragen die Täter*innen.“

In unterschiedlichster Kleidung wurden Betroffene gecatcallt. -Foto: Julia Schöttel

Ebenfalls zu sehen gibt es zwei Kurzdokumentationen, die sich mit Catcalls im Alltag und im Internet befassen, gefilmt von Studierenden der FH Joanneum. Die Ausstellung setzt sich zum größten Teil aus Erfahrungen und Geschichten Betroffener oder der Initiatorinnen selbst zusammen. Auf einer Tafel können die Besucher*innen ihre selbst erlebten Catcalls aufschreiben. Zudem hängen Fotos von Aktionen der Catcall-Initiative an den Wänden.

Durch Reflexion Veränderungen erzielen

Das Ziel von Catcalls of Graz ist Bewusstseinsbildung. Durch die Ausstellung soll es gelingen, auch ältere Menschen oder Familien zu erreichen. „Catcalls werden kleingeredet, weil diese eben nur als loses Gerede abgetan werden. Aber im Endeffekt sieht man hier ja, wie sich das schon anfühlt und zu welcher Gesellschaft das alles führt – bis hin zu Femiziden und Frauenhass“, verweist Kampitsch auf die Aktualität der Problematik. Ein Teil der Ausstellung ist der sogenannte Beichtstuhl. Hier können Besucher*innen reflektieren, wann sie selbst sexistisch gehandelt haben und dies anonym niederschreiben. Auch Kampitsch will hier keine Ausnahme sein: „Wir alle sind irgendwo sexistisch, weil wir in einer solchen Gesellschaft aufgewachsen sind. Ich habe genauso schon sexistisch gehandelt, weil ich es quasi von klein auf gelernt habe. Aber es ist wichtig, darüber nachzudenken, wie ich das zukünftig ändern kann.“

Auf einer Tafel können Besucher*innen ihre eigenen Catcall-Erfahrungen sichtbar machen.
-Foto: Julia Schöttel

„Es ist ein heftiges Thema“

Die Reaktionen auf die zu sehenden Inhalte sind je nach Geschlecht unterschiedlich, wie Stephanie Gaberle von Catcalls of Leoben feststellt, die an diesem Tag ihre Kolleg*innen in Graz unterstützt: „Frauen sind schon betroffen, haben das aber alle schon einmal erlebt. Männer hingegen sind meistens schwer schockiert und glauben gar nicht, dass sowas vorkommt.“ Kampitsch sieht ein, dass die Ausstellung einen harten Sachverhalt bearbeitet, betont aber die Absicht dahinter: „Es soll schon so ankommen, dass es ein heftiges Thema ist.“ Nicht umsonst hängen Triggerwarnungen am Türrahmen des Ausstellungsraumes.

Titelbild: Sarah Kampitsch (rechts) und Stephanie Gaberle vor der Galerie gegen Sexismus -Foto: Julia Schöttel

Infobox

Die Galerie gegen Sexismus von Catcalls of Graz befindet sich in der Josefigasse 1, 8020 Graz.
Die Ausstellung kann noch bis 30. Mai besucht werden.

Öffnungszeiten:
Mittwoch-Freitag: 16:00 – 20:00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag 12:00 – 20:00 Uhr

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