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Die Reininghaus-Pioniere ziehen weiter

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Demnächst ist Baustart für das Quartier 5 auf den Reininghausgründen. Andreas Goritschnig, Besitzer des open.lab, und Samy D, der hier eine Skatehalle geschaffen hat, müssen weichen. Das lässt sie kalt.

Von: Anna Dunst, Christian Esterl, Rebecca Gahr 

Selbstgebaute Rampen, Graffiti an den Wänden, aber auch Polstermöbel und ein Klavier –  die DIY-Skatehalle am Reininghausgelände ist mehr als ein bloßer Spielplatz für Skater. Und genau das soll sie sein. Samy D, der bei seinem Künstlernamen genannt werden will, ist die treibende Kraft hinter diesem Projekt. Der junge Mann engagiert sich schon seit ungefähr einem Jahr im open.lab Reininghaus und ist dort meist hinter dem Herd oder auf dem Skateboard anzutreffen. 

Die Halle wurde von den Skatern selbst eingerichtet – Foto: Anna Dunst

Bauen um des Bauens willen

Samy D spricht von der Skatehalle als einem Raum, der selbstfinanziert und selbstbestimmt von und für die Gemeinschaft errichtet wurde. In acht Monaten hat sich eine leerstehende Lagerhalle zum Kulturpool für verschiedenste Szenen entwickelt. Doch länger wird dieser nicht bestehen können. Ende Oktober muss die Skatehalle dem Stadtentwicklungsprojekt Reininghaus weichen. Dann beginnt das Österreichische Siedlungswerk, das Quartier 5 des Areals zum “Parkquartier” zu entwickeln.

Samy sieht dem gelassen entgegen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es sich um einen temporären Raum handle. Als solcher sei er auch verwendet worden. Künstler nutzen den Raum, um Experimente zu wagen und gemeinsam etwas zu schaffen. „Man kann bauen um des Bauens willen. Das ist oft besser als einfach rumzuhängen!“ Schön wäre es, auch künftig einen Platz für Skater im neuen Reininghaus zu integrieren, meint Samy D. So will er das Viertel beleben und schwungvoller gestalten.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Genau wie für die Skater ist auch für Andreas Goritschnig bald Schluss mit seinem open.lab, das er dort vor genau drei Jahren bezogen hat. Die gemütliche Atmosphäre, die es bei unserem Besuch ausstrahlt, wird von dem Duft frischer Wiesenblumen und hausgemachter Tomatensauce geprägt. Die Zutaten dafür kommen aus dem eigenen Garten. Das Lab ist ein Ort, an dem sich unterschiedlichste Menschen einfinden um gemeinsam zu kochen, zu tanzen, zu diskutieren. Manchmal kommen sie auch einfach um des Zusammenseins willen. Das gesamte Areal des open.lab besteht aus recycelten Materialien. Ob Bauschutt oder aussortierte Möbel, alles findet eine Verwendung.

Andreas Goritschnig ist optimistisch gestimmt – Foto: Alexander Gaal

Ein Jahr noch könne er in einem anderen Teil des jetzigen Gebäudes bleiben, sagt Goritschnig. Danach beginnen auch dort Bauarbeiten. Ziel ist es, später aus dem Abbruchmaterial ein neues, modulares Gebäude zu bauen, das seinen Standort vorerst am Gelände des geplanten Reininghausparks haben soll.

Obwohl mit dem Abriss die Grenzen des vorübergehenden Projekts hart aufgezeigt werden, bleibt die Motivation bei Andreas Goritschnig, Samy D und ihren Verbündeten bestehen. „Wir genießen den letzten Monat im Loft dreifach und leben im Jetzt”, sagt Samy. “Leben ist schließlich immer nur genau jetzt.“

Chaotisches Landkind mit Faible für Disneyfilme und Lippenstifte. Würde sich als Tier- und Pflanzenliebhaber bezeichnen, ihre Topfflanze Evi würde ihr da aber widersprechen. Ganz nett, wenn man tut, was sie will.

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