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Wie das Annenviertel die Welt retten will

in SOZIALES von

Viele AnnenviertlerInnen, ein Ziel: Die Welt ein Stück zu verbessern. So die Idee des Büros zur Rettung der Welt. Doch im September lief der Zwischennutzungsvertrag aus. Was nun?

Ein leerstehendes Geschäftslokal in der Annenstraße. Die Tür fest verschlossen, dahinter Dunkelheit. Statisch, fast trostlos stehen zwei unauffällige Ausstellungsstücke in den beiden Schaufenstern. Die abstrakten Werke versuchen, die Leere hinter den Glasfronten zu füllen. Zumindest so lange, bis die dazugehörigen Räumlichkeiten erneut zum Leben erwachen. Kaum zu glauben, dass dieser verlassene Laden vor nicht allzu langer Zeit lebendiger war denn je zuvor.

Ein Projekt, viele Ideen

Hier in der Annenstraße 20 befand sich vom 1. April bis zum 30. September 2019 das Annenviertler Büro zur Rettung der Welt. Maria Reiner, die Gründerin des Projekts, erwarb die Räumlichkeiten als Leerstands-Zwischennutzung. Diese lagen nämlich seit der Schließung des bekannten Schaumstoffgeschäfts Gummi Neger im Jahr 2018 brach. Ziel des Büros war es, Weltrettungsideen von AnnenviertlerInnen in Form von Projekten und Veranstaltungen zu sammeln und die Menschen dabei zu unterstützen, diese selbst umzusetzen. So entstanden unter anderem Workshops zur Selbstverteidigung für Frauen oder zum Bau von Insektenhotels. Ein Sprachcafé als eine weitere Aktion bot Raum für Kommunikation in unterschiedlichen Sprachen. Bei Sing Alongs stand vor allem das gemeinsame Singen von Widerstands-, Revolutions- und Friedensliedern im Mittelpunkt.

Gründerin Maria Reiner vor dem ehemaligen Büro zur Rettung der Welt. – Foto: annenviertlerbuerozurrettungderwelt.at/fotos/

Zusammenarbeit als Ziel

Das Annenviertler Büro zur Rettung der Welt ist eine Initiative des Vereins Stadtteilprojekt Annenviertel. Dieser bezahlte die Leerstands-Zwischennutzungsgebühr mit einem Teil seines Jahresbudgets. Die finanziellen Mittel des Vereins setzen sich aus einer Jahresbasisförderung der Stadt Graz und aus Mitgliedsbeiträgen zusammen. Die AnnenviertlerInnen selbst konnten die Flächen für ihre Projekte kostenlos nutzen. Mit dem Büro zur Rettung der Welt wollte der Verein vor allem ein Zentrum und einen Treffpunkt für engagierte AnnenviertlerInnen schaffen.

„Es soll ein Ort sein, an dem Gutes passiert und Austausch, Zusammenarbeit, Vernetzung und gegenseitiges Informieren im Mittelpunkt stehen. Endlich tun. Selber tun. Aktiv werden“, sagt Maria Reiner. Für die Geschäftsführerin des Vereins steht der Name des Projekts besonders für „Gutes tun“. Ihr Ziel war es, möglichst viele AnnenviertlerInnen aus unterschiedlichen Bereichen dazu zu bewegen, sich gemeinsam an der Rettung der Welt zu beteiligen. Maria Reiner und Mitarbeiterin Alia Bandhauer übernahmen dabei die Koordination der Raumnutzung, die Abwicklung der Anfragen und eine Art Overhead-Funktion.

Das frühere Annenviertler Büro zur Rettung der Welt. – Foto: annenviertlerbuerozurrettungderwelt.at/fotos/

Doch seit Ende September des letzten Jahres ist das Büro zur Rettung der Welt nicht mehr in der Annenstraße 20 zu finden. Die Leerstands-Zwischennutzungsvereinbarung mit der Bürgerspitalstiftung, welche die Fläche zur Verfügung stellte, hatte nämlich ein Ablaufdatum. „Der Vertrag war befristet. Das war so ausgemacht und da kann ich mich gar nicht beschweren. Dennoch wäre es so wichtig, die Räumlichkeiten als Stadtteilzentrum weiterverwenden zu können“, so Maria Reiner.

Gibt es eine Chance für das Büro zur Rettung der Welt?

Noch ist unklar, wie es mit dem Büro zur Rettung der Welt weitergeht. Mittlerweile haben in dem leerstehenden Geschäftslokal die Sanierungsarbeiten begonnen. „Es sind einige Umbauten notwendig, weil die Räumlichkeiten nicht mehr den Standards entsprechen“, so Pia Paierl von der Stadt Graz. In dieser Geschäftsfläche der Bürgerspitalstiftung brauche dabei besonderes die Elektrik eine Erneuerung. Die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten ist für Sommer 2020 geplant, danach sollen die Räume wieder kommerziell vermietet werden.

Das Projekt Büro zur Rettung der Welt liegt somit erstmal auf Eis. „Es ist ein bisschen in der Schwebe. Wir warten noch ab“, so Maria Reiner. Nach sonstigen Räumlichkeiten sucht sie momentan nicht. Die anderen Leerstände in der Annenstraße seien nämlich nicht so gut sichtbar. Als nächsten Schritt wird Maria Reiner bei der Stadt Graz um eine Förderung für das Projekt Büro zur Rettung der Welt ansuchen. Nach der Sanierung möchte sie sich dann um eine erneute Nutzung der Flächen in der Annenstraße 20 bemühen. Die Gründerin gibt die Hoffnung nicht auf, das einstige Büro nach den Umbauten wieder beziehen zu können: „Wichtig wäre, dass sie es nicht so umbauen, dass es zu teuer ist. Das Projekt ist für mich noch nicht abgeschlossen.“

(Fast) immer fröhliche Optimistin, die Entscheidungen meidet, wo immer es geht. Mag ihre Kater, Kaffee und ihr geordnetes Chaos. Neigt zum Perfektionismus und hat gerne das letzte Wort.

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