Vorbildlicher Eingang
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Von breiten Eingängen und schiefen Gehsteigen

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Die Annenstraße wird gerade um viel Geld neu gestaltet. Wird sie dadurch auch barrierefrei? Die Annenpost hat sich gemeinsam mit der Rollstuhlfahrerin Eva Hauer umgesehen. Im Zuge der Neugestaltung der Annenstraße wurde der Aspekt der Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und ältere Menschen als wichtiger Punkt festgelegt. Grund genug für die Annenpost, sich mal ein Bild von der derzeitigen Situation zwischen Bahnhofsgürtel und Südtiroler Platz zu machen.

Dem ungeschulten Beobachter fallenkeine großen Hindernisse auf, wenn man durch die Annstraße spaziert, die an vielen Orten noch immer mehr Baustelle als Flaniermeile ist: Die Gehsteige sind breit genug für einen Rollstuhl, bei Zebrastreifen und Übergängen sind die Randsteine abgeschrägt, sodass Rollstuhlfahrer problemlos auf den Gehsteig rauf- und runterrollen können.

Die Gehsteige sind breit genug
Die Gehsteige sind breit genug

Am Roseggerhaus treffen wir Eva Hauer, die selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist. Mit dem jetzigen Zustand ist Frau Hauer nicht sehr zufrieden: „Überall dort, wo Stufen sind, komme ich nicht hinein. Im Sommer ist es leichter, denn da kann ich beim Eingang von den Geschäften stehen bleiben und hineinrufen, was ich brauche, im Winter ist es schwerer.“ Diese Stufen an den Eingängen von Trafiken oder Supermärkten stellen für gehbehinderte Personen eine große Barriere dar. Die Inhaber sind in den meisten Fällen jedoch nicht bereit, etwas zu ändern, wie sie uns auf Anfrage wissen ließen.

Obwohl es sich dabei nicht um Angelegenheiten der Stadt handelt und diese auch keinen Einfluss darauf hat, hat man hier seitens der Stadtbaudirektion bereits Maßnahmen getroffen und die Gehsteige an die Zugänge angeglichen, betont Oskar Kalamidas vom Referat für Barrierefreies Bauen.

Hohe Stufen an vielen Eingängen
Hohe Stufen an vielen Eingängen

Natürlich gebe es auch Geschäfte, in die Rollstuhlfahrer ohne Probleme hineinkommen, aber die Zahl derer sei überschaubar. Das Modehaus C&A ist ein positives Beispiel, wie ein Eingangsbereich barrierefrei gestaltet werden kann: Es gibt weder Stufen, noch sonstige Hindernisse, dafür breite Türen und Gänge, in denen man sich auch im Rollstuhl einwandfrei bewegen kann.

Vorbildlicher Eingang
Vorbildlicher Eingang

Trotzdem findet Eva Hauer, dass „die Annenstraße und Graz als Ganzes ganz schlecht für uns Rollstuhlfahrer sind. Hier in der Annenstraße ist zwar alles neu, aber nicht gut, das ist das Problem! Graz ist vielleicht ,menschengerecht´, aber es ist ganz bestimmt nicht Rollstuhl-gerecht!“ Hauer spielt damit auf die Homepage der Stadtentwicklung Graz an, auf der es heißt, dass der Stadt Graz ein menschengerechter Lebensraum ein besonderes Anliegen ist. Oskar Kalamidas weist darauf hin, dass mit „menschengerecht“ vor allem die Rechte der Menschen im Sinne von Gleichheit gemeint sind und weniger die Barrierefreiheit.

Als konkrete Kritikpunkte nennt Hauer die Gehwege, die schief sind, „da muss ich mit einer Hand arbeiten, damit ich geradeaus fahren kann“, erklärt die gebürtige Wienerin, die sich oft in Graz aufhält, und muss sich dabei sichtlich bemühen, den Rollstuhl auf dem unebenen Untergrund unter Kontrolle zu halten. Kalamidas erklärt dazu: „Das Gefälle der Gehsteige beträgt bei den bereits erneuerten zwei Prozent, wenn also ein Gehsteig drei Meter breit ist, so ist er auf der einen Seite um sechs Zentimeter höher als auf der anderen Seite. Diese Vorkehrung musste so getroffen werden, um das Wasser von den Hausmauern wegzuleiten.“

Die Rollstuhlfahrerin Eva Hauer
Die Rollstuhlfahrerin Eva Hauer

Eva Hauer wünscht sich, dass behinderte Menschen mehr berücksichtigt werden, wenn gebaut wird und betont, dass es zwar eigene Vereine von und für Rollstuhlfahrer gäbe, die sich für deren Anliegen einsetzen, diese würden aber nicht gehört. Diesen Vorwurf weist Kalamidas entschieden zurück: „Es gab im Vorfeld einen Sensibilisierungsworkshop und wir haben auch ein Team, das sich aus einigen Vereinen zusammensetzt und Rahmenbedingungen festlegt.“ So wurde bei den Straßenbelägen beispielsweise statt Kleinsteinpflaster Großsteinpflaster eingesetzt, um die Fortbewegung mit Rollstuhl zu erleichtern.

Warum sie aber trotz der vielen Umstände so häufig nach Graz kommt, beantwortet Hauer mit einem Lächeln im Gesicht: „Weil es hier so viele nette Menschen gibt, die mir helfen.“

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Raphaela Oßberger aus Stainach studiert Journalismus und PR in Graz. Auf den Geschmack gebracht hat sie der ORF. Eine Reportage über die „Junior Company“ in ihrem Gymnasium begeisterte sie so sehr, dass sie den Entschluss gefasst hat, nach Graz zu kommen. Wie es sich für eine Ennstalerin gehört, liebt die 19-jährige den Schnee. Egal ob Skifahren oder Skitouren - sie ist dabei. Die Ausbildung zur Skilehrerin hat sie deswegen auch schon mit 17 Jahren gemacht. Ihre Ferien im Winter verbringt sie deswegen mit Kindern zwischen 3 und 6, denen sie das Skifahren beibringt. Wen wundert es da, dass es sie für ein Auslandssemester in den hohen Norden zieht.

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