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Welt-Hebammentag: Situation im Annenviertel unter der Lupe

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Wie geht es den Hebammen im Annenviertel? Von der Versorgung durch Kassenleistungen über zusätzliches Angebot und Ausbildung. Am Welthebammentag ist es Zeit, die Hebammenarbeit in 8020 in den Mittelpunkt zu stellen.

Seit 1991 gibt es den 5. Mai als „Internationalen Tag der Hebammen“, um das Bewusstsein für diesen Beruf zu stärken. Doch welche Kompetenzen bringen Hebammen abseits der Geburtshilfe mit? Was ist mit dem lang diskutierten Hebammenmangel der vergangenen Jahre? Das österreichische Hebammengremium hat sich erfolgreich für eine Erhöhung des Studienangebotes eingesetzt, doch das Problem ist damit noch nicht vollständig gelöst. Welche Auswirkungen haben diese Faktoren konkret auf die Hebammen im Annenviertel?

Gesundheitszentren als Anlaufstellen

Ob ein Mangel an Hebammen vorliegt, hängt stark von den einzelnen Kliniken ab. Was die Versorgung in Graz betrifft, so sei diese durch Kassenhebammen und ein gutes Angebot an Wahlhebammen gewährleistet, schreibt das Hebammengremium auf Anfrage.  In Graz besteht daher kein akuter Mangel. Dennoch ist es wichtig, dass Frauen wissen, wo sie Unterstützung erhalten können. Als gute Anlaufstellen bieten sich die Grazer Gesundheitszentren an. Im Annenviertel sind das beispielsweise das Hebammenzentrum Graz und das Gesundheitszentrum Reininghaus.

Susanne Maurer, seit 2021 als Hebamme tätig, arbeitet in beiden Einrichtungen. Im Hebammenzentrum Graz bietet sie unter anderem Nachbetreuung, Schwangerschaftsgymnastik oder Geburtsvorbereitungskurse als Wahlleistungen an. Insgesamt arbeiten dort etwa zehn Hebammen, die ein breites Spektrum an Kursen, Gewichts- oder Bilirubin-Kontrollen* sowie Akupunktur oder Yoga anbieten. Susanne Maurer ist auch für die organisatorische Auskunft im Zentrum und für die Hebammenvermittlung zuständig. Aufgrund guter Vernetzung sei es laut Maurer derzeit möglich, für jede Frau, die möchte, eine Hebamme zu finden: „Wir sind auch mit den anderen Hebammen in Graz, die nicht Teil des Hebammenzentrums sind, gut verknüpft.“ Nur in den Urlaubszeiten sei dies etwas schwieriger, da weniger Personal zur Verfügung stehe. Im Gesundheitszentrum Reininghaus können Vor- und Nachsorge sowie Beratungsgespräche als Kassenleistung abgedeckt werden.

Das Hebammenzentrum Graz befindet sich neben dem Citypark und bietet dort diverse Kurse und Behandlungen an. – Fotos: Larissa Buchriegler
Das Hebammenzentrum Graz befindet sich neben dem Citypark und bietet dort diverse Kurse und Behandlungen an. – Fotos: Larissa Buchriegler

Hebammen sind mehr als Geburtshelfer:innen

In Österreich ist die Anwesenheit einer Hebamme bei der Geburt Pflicht. Das sei vielen allerdings nicht bewusst, wie Susanne Maurer meint: „Manche kommen zufällig drauf oder sagen in der Nachbetreuung, sie hätten gar nicht gewusst, dass so viel Unterstützung möglich ist.” Darüber hinaus sei es wichtig, über die gesamten Kompetenzen von Hebammen zu informieren. Genau das möchte auch das österreichische Hebammengremium mit einer neuen Videokampagne, die Anfang April 2024 auf Social Media gestartet hat. Denn abseits der Geburtshilfe erfüllen Hebammen auch wichtige Funktionen in der Vorsorge. Durch diverse Kurse oder Workshops leisten sie rund um die Geburt eine gute Unterstützung. Bei einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsverlust können Hebammen ebenfalls eine gute Betreuung bieten. Das gestaltet sich jedoch schwieriger, da Hebammen meist nicht sofort ab Schwangerschaftsbeginn involviert sind. Um dem Problem entgegenzuwirken, wurde der Verein „12 Wochen“ gegründet, der genau in solchen Situationen Frauen in ganz Österreich Unterstützung anbietet.

Akademisierung wirkt sich positiv aus

Mit dem Jahr 2020 war Deutschland das letzte Land der Europäischen Union, das den Hebammenberuf akademisiert hat. In Österreich ist dieser Prozess schon seit längerem abgeschlossen und wird allgemein als positiv gesehen, wie Susanne Maurer bestätigt: „Als Hebammen müssen wir wissenschaftlich fundiert arbeiten können.“ Nina Schneck, die das Hebammen-Studium an der FH JOANNEUM in Graz absolviert, sieht  die Akademisierung ebenfalls positiv: „Wir brauchen viel Wissen, das auf der neuesten Forschung basiert, um sich im Beruf gut anpassen zu können.“ Laut der Studentin bereitet der vielfältige Aufbau des Studiums gut auf den Beruf vor. Neben den grundlegenden Schwerpunkten wie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett beschäftigen sich die Student:innen auch beispielsweise mit Anatomie oder Physiologie. Mit insgesamt 56 Wochen Praktikumszeit wird auch großen Wert auf erste Berufserfahrungen gelegt. „Wir haben viel Praxis, die wir aber auch brauchen, um uns sicher zu fühlen“, meint Nina Schneck.

Die Studentin Nina Schneck freut sich auf ihre Rolle als zukünftige Hebamme. – Foto: Larissa Buchriegler
Die Studentin Nina Schneck freut sich auf ihre Rolle als zukünftige Hebamme. – Foto: Larissa Buchriegler

Fortschritte passieren langsam

Es ist schwierig einzuschätzen, was die Zukunft für Hebammen bringen wird. Generell entwickle sich die Branche aber positiv weiter, wenn auch in kleinen Schritten, wie Susanne Maurer meint: „Es passieren immer wieder Änderungen, die gut sind, aber es könnte schneller und in größeren Schritten vorangehen. Wenn etwas angedacht ist, dauert es ewig, bis es realisiert wird.” Laut ihr sollten mehr Angebote von Hebammen durch Kassenleistung abgedeckt werden, damit diese für alle Frauen leistbar sind. Sie hofft, dass die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass Hebammen ihren Beruf weiterhin gerne ausüben. Wie wichtig die Freude am Beruf ist, erzählt auch Nina Schneck: „Ich weiß, dass ich mit diesem Beruf nicht reich werde, aber ich sehe mich absolut in dieser Rolle.“

Infobox

Weitere Informationen/Kontakt:

Hebammenzentrum Graz
Lazarettgürtel 55, 2. Stock im Gesundheitszentrum Citypark, 8020 Graz
+43 677 63704320
https://www.hebammenzentrum-graz.at/

Gesundheitszentrum Reininghaus
Am Steinfeld 8, 8020 Graz
+43 316 292731
https://www.gz-reininghaus.at/

Mehr Videos der Kampagne des österreichischen Hebammengremiums: https://hebammen.at/videos/

*Bilirubin Kontrollen untersuchen den Gelbsuchtwert beim Kind durch einen Fersenstich.

 

Titelbild: Susanne Maurer bietet unter anderem auch Beckenbodenkurse an und erklärt den Teilnehmenden den Aufbau des Beckens. – Foto: Larissa Buchriegler

 

Geboren 2004, aufgewachsen in Niederösterreich. Matura im Jahr 2023 an der HLW Amstetten und seit Oktober 2023 an der FH JOANNEUM „Journalismus und PR“-Studentin.

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