Franco Albanese - Talianu
Lesezeit: 2 Minuten, 32 Sekunden

Wieviel Italien steckt im Lend?

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Rund um die Piazza Lend bieten Lokale italienisches Essen und Flair in überraschender Vielfalt an. Aber nicht überall, wo Italien drauf steht, ist auch „echtes” Italien drin. Auch nicht schlecht!

Von: Johanna Egger, Elena Barnard und Matteo Eichhorn

Pasta, Pizza und Gelati scheinen die kollektiven Lieblingsgerichte der Grazer zu sein. Italienische Begriffe lassen sich an jeder Ecke des Annenviertels über Restaurants und Cafes finden. Santa Lucia, Luis, Palermo, Capperi, Don Camillo – allein die Namen der zahlreichen Lokale verbreiten Sehnsucht nach mediterraner Küche. Wieviel Belpaese steckt wirklich im Viertel?

Sizilien am Lend

„Die Entscheidung, unser Lokal hier zu eröffnen, war keine zufällige. Der Lendplatz ist eine Insel, um auszuspannen und zu genießen – das hat schon etwas von einer Piazza“, erzählt Carmelo Faranda, der Grazer mit sizilianischen Wurzeln. Der Duft nach frisch gemahlenem Kaffee und mediterranen Köstlichkeiten schwebt durch das Lokal, begleitet von den Akkorden italienischer Popmusik. Carmelo konnte sich im September mit der Eröffnung des sizilianisch-traditionellen Bistros Talianu seinen Lebenstraum erfüllen: ausgewählte italienische Produkte, vor Ort von einem sizilianischen Koch verarbeitet.

Die Kellnerin des Talianu am Lend
Kellnerin Elda im Talianu – Foto: Matteo Eichhorn

Typisch sizilianische Snacks wie Arancini und Caponata sowie die von Kennern geliebten Cannoli (frittierte Teigrollen mit süß-cremiger Ricottafüllung) wecken Erinnerungen an Urlaub, Strand und Sonne. „Natürlich wird der Lend nie Italien sein, aber dank unserer Produkte, unserer Umgangsformen und Traditionen soll es hier mehr italienisches Lebensgefühl geben!”, hofft Kellnerin Elda aus Apulien. So pur und kulturell unverfälscht, dass selbst der aus Palermo eingewanderte regelmäßige Besucher Franco Albanese (siehe Titelbild) hier ein Stück seiner Heimat findet, wie er vor seinem Espresso sitzend erzählt: „Hier kann ich sogar mit meinen Landsleuten Sizilianisch sprechen und jeder versteht mich!”

Anderes Italien

Italien zieht einfach in Graz. Auch viele Nicht-Italiener setzen daher auf die Marke „Made in Italy”. Das steht nicht nur für „gemacht in Italien”, sondern stellvertretend für Dolce Vita, Lifestyle und gute Qualität.

Ein Verkäufer Café Luis am Lend
Ein Verkäufer im portugiesisch geführten „original italienischen” Café Luis – Foto: Matteo Eichhorn

Nur wenige Meter vom Talianu entfernt bestätigt der mazedonische Besitzer des Eiscafe Palermo die internationale Attraktivität italienischer Kultur: „Ich kann doch meinen Stand nicht „Balkan-Eis” nennen!” Dieser Meinung schließt sich ein Mitarbeiter des Cafés Luis, unter portugiesisch-italienischer Geschäftsleitung am Südtiroler Platz, an: „Wir haben bereits versucht, ein paar portugiesische Spezialitäten in den Filialen anzubieten. Sie sind allerdings nicht annähernd so bekannt wie ihre italienischen Verwandten und ließen sich nur mäßig verkaufen.“

Sehnsucht nach dem südländischen Lebensgefühl

„Im Herzen bin ich Italiener, aber eigentlich komme ich aus Fürstenfeld”, sagt Thomas Lunacek, ein Mann, der sich seines Restaurants mit ganzem Herzen annimmt, ein Chef, der auch regelmäßig selbst mitarbeitet und dabei erlebt, wie die südländische Stimmung in seinen Lokalen hochlebt. Sogar viele Italiener zählen zu seinen Stammgästen.

Thomas Lunacek in seinem Lokal am Lend
Thomas Lunacek in Aktion – Foto: Matteo Eichhorn

Der Besitzer des the Italian am Europaplatz schätzt die italienische Kultur und den kommunikativen Austausch, der schon beim morgendlichen Espresso beginnt. Für die Italiener sei „das Heute entscheidend” und dafür nehmen sie sich Zeit. Sie legen das Augenmerk auf das Wesentliche: Familie, Freunde und gutes Essen – diese Philosophie schätzen Touristen in Italien und spüren Grazer in einheimischen italienischen Lokalen. „Man kann auch als Österreicher italienisches Flair verbreiten, wenn man Leidenschaft dafür hat und weiß wie.”

INFOBOX
Seit dem 16. Jahrhundert kommen italienische Einwanderer im Zuge des Lebensmitteltransportes, als Arbeiter oder Architekten nach Graz. Eindrucksvolle Orte, wie die Welsche Kirche oder der Jakominiplatz, welcher nach dem Italiener Kaspar Andreas Ritter von Jacomini benannt ist, zeigen die ständige Anwesenheit Italiens in Graz auf. Die Pizzeria Lechner im Eisernen Haus, dem Vorläufer des Kunsthauses, war die erste Pizzeria in Graz.

 

Ist gierig nach Höhenluft und verliert sich regelmäßig im eigenen Kopf. Suspekt sind ihr nur Menschen, die ihren Hausarzt mit Vornamen nennen – alles andere ist Inspiration.

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