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Dogdays of Summer: Vintage im Annenviertel

in POLITIK & WIRTSCHAFT von

Am 5. Mai eröffnete „Dogdays of Summer“ im Annenviertel. Der Vintage-Store ist kein „Fetzengeschäft“, sondern ein ganz besonderer Shop in Graz.

Schauraum des Geschäftslokals
Seit 5. Mai in der Josefigasse zu kaufen: Ausgewählte Kleidung, die älter als 20 Jahre ist. Foto: Dogdays Of Summer

Der Dogdays Of Summer-Vintage-Shop zog mit Anfang Mai in das Annenviertel. „So etwas fehlt hier in Graz“, sagt Diana Ranegger, Mitgründerin von Dogdays Of Summer, in ihrem oststeirischen Dialekt. Gemeinsam mit Freundin Clarissa Kober ist ihr dieser Gedanke bei einem Berlin-Trip gekommen. Dort gibt es, wie in den meisten europäischen Metropolen, massenhaft Vintage-Stores. Die beiden waren bereits damals – 2013 – leidenschaftliche Vintage-Trägerinnen.

Was anfangs nur eine Träumerei war, wurde vor zweieinhalb Jahren schließlich in die Tat umgesetzt. Den Beginn des Vorhabens stellte der Onlineshop dar, den Ranegger im Rahmen ihres Informations- und Kommunikationsdesignstudiums programmiert hatte. Über diesen wurden seit September 2014 Blusen, Jacken, Schuhe und Accessoires verkauft, hauptsächlich an GrazerInnen, die sich die Ware dann selbst vor Ort abgeholt haben. Bestellungen gingen aber auch in den Rest Österreichs sowie nach Deutschland, Großbritannien und Skandinavien.

Mode zum Anfassen
Nun gibt es die Gelegenheit, ihre Mode auf 50 Quadratmetern anzusehen, deren Stoffe anzufassen, sie zu probieren und natürlich auch zu kaufen. In der Josefigasse 3 gelegen, ist der Standort in der Nähe des Kunsthauses Graz – ein Kriterium, das den Frauen besonders wichtig war. „Dass das jetzt wirklich geklappt hat, war eine Chance, die wir einfach ergreifen mussten.“ Inzwischen sind sie zu dritt, neben Ranegger und Kober gehört auch Johanna Kohlenberger zum Team.

Ranegger erklärt, wie die Arbeitsteilung bis dato aussieht: „Clarissa und ich kümmern uns um Homepage, Social Media und Fotos. Da wir noch studieren, wird hauptsächlich Johanna im Shop stehen. Die Arbeit wird auf alle drei aufgeteilt werden.“ Die gesamte Arbeit rund um ihr Unternehmen nimmt laut der Jungunternehmerin sehr viel Zeit in Anspruch − man dürfe gar nicht nachrechnen, lacht sie. „Aber wenn es uns keinen Spaß machen würde, dann hätten wir schon aufgehört.“

Denn was für manche alt und längst reif für den Müllbeutel ist, zieht die drei jungen Damen an. Die Kleidung, die sie verkaufen, beziehen sie von überall her − nur nicht aus gewöhnlichen Modegeschäften. Liebevoll „Schatzsuche“ genannt, besuchen sie sowohl Flohmärkte und Antiquitätenläden, als auch Menschen (die sich des Öfteren bei ihnen melden) zuhause, um sich durch alte Kleidungsstücke zu wühlen und ausgewählte Teile mit nach Hause zu nehmen.

Auch auf Reisen halten sie ihre Augen und die halbvoll gepackten Reisetaschen stets nach passender Mode offen. Mit dem neu eröffneten Geschäftslokal wird es nun auch möglich, dass man seine alten Klamotten direkt dorthin bringt.

Die Gründerinnen des Store Dogdays Of Summer
Clarissa Kober, Johanna Kohlenberger und Diana Ranegger stehen hinter Dogdays of Summer. Foto: Dogdays Of Summer

Alt, ausgewählt und alles andere als „out“
Ausgesucht werden die einzelnen Teile nach einem gewissen Stil, den Ranegger den 70er-, 80er- und 90er-Jahren zuordnet. Auch wird versucht, sich in die KundInnen hineinzuversetzen und diesen zu bieten, was sie sich wünschen. Primär hat die Kleidung also alt zu sein − weiters schließt sie nicht aus, dass auch der eigene Geschmack ein bisschen in dem Ganzen mitschwingt.

Das Besondere an ihrem Shop ist, dass jedes Kleidungsstück, das sie anbieten, quasi ein Einzelstück ist. Auf die Frage, wieso Vintage (wieder) so modern ist, meint sie, dass das „Unique-Sein“, das Prägen des eigenen Stils mit Sicherheit einer der wichtigsten Gründe dafür sei. Für viele sei aber auch der Gedanke an die Umwelt relevant.

Daher wird bei Dogdays Of Summer ein ganz besonders großes Augenmerk auf den Umweltschutz gelegt. Es geht den drei Frauen darum, dem aktuellen Fast-Fashion-Trend ein bisschen entgegenzuwirken − auf ihrer Homepage ist zu lesen: „Kleidung, die bereits da ist, muss nicht mehr produziert werden.“ Dadurch müsse nicht noch mehr Kleidung hergestellt werden, was folglich weniger Energie und Wasser benötigen und den Einsatz von Pestiziden und Chemikalien einschränken würde.

„Kleidung, die bereits da ist, muss nicht mehr produziert werden.“

„Das hebt uns von den übrigen Vintage- und Secondhandshops ab − uns ist dieser Umweltgedanke sehr wichtig“, antwortet die Geschäftsinhaberin. „Beim Kauf von etwas Gebrauchtem zeigst du, dass du diese billige Produktion von billiger Kleidung durch unterbezahlte ArbeiterInnen nicht unterstützt.“

Mit dem Namen Dogdays of Summer wollten die reiselustigen Frauen das „Roadtrip-Feeling“, das viele in der heißen Jahreszeit suchen und finden, in die Köpfe ihrer KundInnen transportieren. Als „Dogdays“ oder eben „Dogdays of Summer“ werden im Englischen die heißen Tage des Sommers bezeichnet.

 

[infobox icon=“info-circle“]Was Vintage eigentlich ist: Dabei handelt es sich vorrangig um Secondhandkleidung, die 20 Jahre oder älter ist. Die Kleidungsstücke sind meist Einzelstücke, die heutzutage kaum noch in Geschäften zu finden sind. Laut Ranegger seien momentag besonders Mom-Jeans, Bomber- und Jeansjacken im Trend.

Dem Vintage-Leitmotiv „aus alt mach neu“ hat sich auch Möbelgestalterin Sarah Essl von Oh it’s Lovely Design Graz in der Annenstraße verschrieben. [/infobox]

Von den Höhen der Karnischen Alpen herabgestiegen ist sie stets auf der Suche nach interessanten Gesprächen, gutem Essen und neuem Wissen. Sie liebt es zu lachen, ist offen für die Welt und spricht unheimlich gerne Fremdsprachen.

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