Posiumsdiskussion
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„Wir haben Graz viel zu geben.“

in KULTUR von

13 Künstlerinnen werfen in der Ausstellung „Shifting Constellations“ im Kulturzentrum bei den Minoriten einen „fremden“ Blick auf Graz und den Prozess des „Ansiedelns“. Wir waren bei einer Podiumsdiskussion zur Ausstellung.

BE ONE
Klanginstallation von Clara Oppel im Gang West

Sterne bewegen sich, doch wirkt es, als blieben sie immer am selben Ort. „Genau das passiert mit Menschen“, sagt Virginia Argarate, die das kollektive Ausstellungsprojekt „Shifting Constellations“ initiiert hat. Wenn Menschen ihren Wohnsitz ändern, dann bleibe das zuerst meist unbemerkt, aber nach einer gewissen Zeit verändern sie doch merklich etwas. Diese Konstellationen, die sich bewegen und gegenseitig bedingen, nahm die gebürtige Argentinierin als Ausgangspunkt für ihr Projekt, zu dem sie zwölf weitere Künstlerinnen einlud, die alle nach Graz zugezogen sind.

Jeder der 13 Künstlerinnen fiel es unterschiedlich schwer, sich in Graz anzusiedeln. Dementsprechend gibt es auch die verschiedensten Herangehensweisen zum Ausstellungsthema. Während Kate Howlett-Jones, Textkünstlerin aus London, in ihrer Text und Lichtinstallation „Ich habe nie auf Deutsch geträumt“ über die neue Sprache nachdenkt, setzt sich Französin Jessie Servenay ohne Worte, sondern mit Tanz mit ihrer Existenz auseinander. Schlendert man durch den Gang West, fallen die großen Selbstportraits von der aus dem Iran stammenden Fotokünstlerin Maryam Mohammadi auf, die sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Migration auf Frauen beschäftigt. Im Hintergrund begleiten einen stets Geräusche aus Klanginstallationen und die Düfte rund um Severin Hirschs Schlossberg.

Posiumsdiskussion
Rege Diskussion rund um die Ausstellung
v.l.n.r. Kate Howlett-Jones, Virginia Argarate, Nayari Castillo

Sonderpositionen
Die persönlichen Siedel- und Migrationserfahrungen der Frauen standen auch im Mittelpunkt eines Diskussionsabends, dem Virginia Argarate das Motto „So habe ich es gemacht“ gab. Auch die Frage, ob Kreativität und Kunst in dieser Lebensphase helfen, wurde diskutiert. Die Künstlerinnen sehen den Ansiedlungsprozess als Vernetzungsprozess. Für sie war es wichtig, Kontakte zu knüpfen. Kurator Johannes Rauchenberger meint, dass besonders Frauen dieses „Networking“ betreiben, beispielsweise in Schule oder Kindergarten. Auch als Künstlerinnen vernetzen sich die Frauen. Die gemeinsame Arbeit verbindet und mit ihrer Kunst wollen sie ein Zeichen nach außen setzten, so Kate Howlett-Jones. Trotz dieser Positionen als Frau und Künstlerin betont Virginia Argarate: „Das ist keine feministische Ausstellung und keine „von Ausländern“.“ Es gehe um verschiedene Perspektiven zu einem Thema.

Exchange
Auch die besondere Bedeutung von Sprache für Integration und Ansiedlung wurde in der Diskussion deutlich. Nach anfänglichem Gespräch auf Deutsch wechselten die Frauen bald in ein reges Deutsch-Englisch. Jessie Servenay findet, dass Sprache Grenzen setzen kann. Darum auch die Ausstellung. Sie soll ein Dialog mit der Stadt sein. Kunst brauche oft keine Worte und helfe, andere ohne Sprache zu verstehen. „The heart is more important than the language“, so die Australierin Tamara Friebel, Komponistin und Klangkünstlerin. Trotzdem sind sich die Künstlerinnen einig: Sprache hat zu tun mit „da sein”. Das mache die Integration oft schwer, erzählt Französin Marie Aimetti, die Deutsch anfangs als eine sehr aggressive Sprache empfand. Von Integration wollen die Frauen aber eigentlich nicht reden. Ihnen ist der Begriff „Austausch“ lieber. Es sei wichtig, voneinander zu lernen und auch Dinge von Daheim mitzunehmen und in die neue Umgebung einfließen zu lassen.

"Ich habe nie auf Deutsch geträumt"
Morgendliches Licht fällt durch die Jalousie von Kate Howlett-Jones

„Wir sind privilegierte Migranten.“ –
das betonen die 13 Frauen im Gespräch. „Einfach dahin zu leben und Kunst zu machen, ist Luxus.“, sagt Daniela Brasil, die in der Ausstellung ein großes „Reisetagebuch“ zeigt. Darum haben sie auch Kontakt zu Leuten, die es schwer finden, hier zu sein, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. Die Künstlerinnen wurden auch nicht zufällig für die Ausstellung gewählt. Viele der Frauen arbeiten an Projekten im Annenviertel, einige wurden durch Stipendien und Ateliers im Rondo unterstützt. Sie alle beschäftigen sich in ihrer Kunst in gewisser Weise mit dem Prozess des Verlassens und des Ankommens – des Siedelns also. Sie wollen versuchen, anderen Migranten durch ihre eigene Erfahrung zu helfen und „Migration zu etwas Normalem machen“.

[box] Öffnungszeiten
Die Ausstellung hat noch bis 21. Februar 2015 geöffnet. An diesem Tag findet auch eine Schlussperformance statt (10.00-17.00 Uhr).
DI-FR 10.00-17.00 Uhr und SA 11.00-17.00 Uhr
Eintritt € 3.-/ € 2.- [/box]

 

Veronika zog von Salzburg ins bunte Graz um über die verschiedensten Neuigkeiten des Annenviertels zu berichten. Neben Reisefreude, Fotografenblick und Sprachtalent bringt sie auch sportliche Begeisterung für z.B: das Rudern mit. Momentan lernt Veronika auch fleißig das Ukulele spielen.

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