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Pjevamo hrvatski!

Singend Kroatisch lernen – eine besonders gesellige Form des Spracherwerbs bieten Wolfram Märzendorfer und Marija Vukadin im Harmonikazentrum in der Griesgasse an.

von Camilla Annabith, Florian Born, Jessica Braunegger, Anna Druško und Katharina Siuka

Einmal im Monat laden der passionierte Harmonikaspieler und die gebürtige Kroatin zu einer Veranstaltung, die den Menschen in Graz die Sprache der Nachbarn näher bringen soll. „Wir müssen ja auch ein bisschen Ausländisch lernen, um die Fremdheit zu durchbrechen“, so Märzendorfer, der das Interesse für andere Kulturen wecken möchte.

Wolfram Märzendorfer - Gründer des Harmonikazentrums

Wolfram Märzendorfer – Gründer des Harmonikazentrums

Vor einem Jahr entschied sich das steirische Volksliedwerk dazu, Märzendorfers Plan zu finanzieren. Kurz darauf begann die musikalisch-sprachliche Zusammenarbeit zwischen Vukadin und Märzendorfer. Bei einem interkulturellen Fest in einem Kindergarten, in dem die gebürtige Kroatin als Betreuerin arbeitet, kam Märzenhofer mit der Idee auf sie zu.

Obwohl Vukadin sich selbst als „vollkommen unmusikalisch“ bezeichnet, zeigte sie sich begeistert und unterstützt die Singabende seitdem sprachlich. Daraus ergab sich automatisch die Wahl der Fremdsprache. „Marija war sofort sehr engagiert, und bei einer Sprache muss man ja beginnen.“

Marija Vukadin - die sprachliche Unterstützung der Singabende

Marija Vukadin – die sprachliche Unterstützung der Singabende

Pjevamo hrvatski – Wir singen Kroatisch

Vorkenntnisse braucht man für die Singabende keine, im Harmonikazentrum ist jeder willkommen. Als ein Ort der Begegnung, als Museum für Akkordeons, Mund- und Ziehharmonikas aller Art, bietet das Zentrum auch Raum für musikalischen Austausch und für Konzerte. Aus diesem Grund wurde es bewusst als Treffpunkt für das Sprachenprojekt gewählt.

Den Ablauf eines Singabends kann man sich so vorstellen, dass jedes Mal ein neues kroatisches Volkslied erarbeitet und alles bisher Gelernte wiederholt wird. Dadurch prägen sich einfache Wörter und Sätze sehr schnell ein. „Ich übersetze zuerst die Texte und nutze dann einzelne Wörter als Anreiz für ein ganzes Thema. Lernen wir beispielsweise ein Lied über den Winter, benennen wir danach auch die anderen Jahreszeiten oder die Monate“, erklärt Vukadin voller Enthusiasmus.

Für besonders engagierte Teilnehmer bietet sie seit Neuestem bereits eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn reines Sprachtraining an. Für die musikalische Begleitung sorgen Märzendorfer auf der Gitarre und die Musikpädagogin Dagmar Steinbäcker auf der Blockflöte. Gerne genutzt wird auch das Angebot, selbst zu musizieren oder eigene Liedvorschläge einzubringen.

Die Altersspanne reichte beim letzten Abend von 23 bis 70 Jahren. Großteils erscheinen Österreicher, darunter auffallend viele Kindergartenpädagoginnen, die ihr dort erlerntes Wissen sofort im Arbeitsalltag anwenden. So werden Sprachbarrieren bereits in frühen Jahren überwunden. Auch ein oder zwei Kroaten besuchen hin und wieder die Singabende, bei denen auch Burek, süße Fritule oder Uštipci (gebackene Mäuse) zu kroatischem Rotwein serviert werden. Der individuelle Lernerfolg ist abhängig vom Engagement der Sängerinnen und Sänger selbst, großes Interesse besteht jedoch bei allen.

Kroatischer Singabend im Harmonikazentrum

Kroatischer Singabend im Harmonikazentrum

Buduće perspektive – Zukunftsperspektiven

„Die anhaltende Freude an den monatlichen Begegnungen und zugleich die Offenheit für Neueinsteiger charakterisieren diese Initiative.“ Deshalb kann sich Märzendorfer gut vorstellen, künftig auch Singabende in anderen Sprachen, wie beispielsweise Türkisch anzubieten.

Derzeit arbeitet er gemeinsam mit dem steirischen Volksliedwerk an der Veröffentlichung eines Liederbuches mit den Stücken aus dem Kurs. Diese reichen von lustigen Volksliedern wie „Čiri biri bela mare moja“ bis hin zu schwermütigen Liebesliedern wie „Bolujem ja, boluješ ti“. Das Buch soll Ende des Jahres österreichweit erscheinen.

Das Sprachprojekt der anderen Art findet das nächste Mal am 14.Oktober um 19:00 Uhr im Harmonikazentrum, Griesgasse 24, statt.

Über den Autor

Florian Born
Florian Born
Obwohl mein Weg aus weiter Ferne - dem nicht mehr ganz so blauen Kärnten - nach Graz führte, fühle ich mich in der zweitgrößten Stadt Österreichs wohl. Meine Interessen reichen von den weitläufigen Gefilden der Fantasy-Literatur über die Wunderwelten der Technik und des Internets bis hin zu allem möglichen, was mir auf die ein oder andere Art spannend erscheint. Diesen Dingen widme ich neben dem Studium auch die meiste meiner verfügbaren Zeit, die sich im Moment allerdings in Grenzen hält. Wenn ich irgendwann wieder mehr Zeit zur Verfügung habe - sprich, wenn ich das Studium erfolgreich beendet habe - wäre es schön, wenn mich mein Weg zu einem größeren Nachrichtenmagazin führen könnte. Allerdings habe ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, mich in den Landstrichen der PR zu verlieren. In der Vergangenheit habe ich bereits drei Monate in der lokalen Redaktion der Kleinen Zeitung in Wolfsberg gearbeitet und vor über einem Jahr habe ich eine Website gegründet, auf der ich mich bemühe der Fantasy-Literatur meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Letztlich bleibt über mich nicht viel zu sagen, deshalb verabschiede ich mich hiermit. Noch viel Spaß beim Stöbern in der Annenpost!
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