Ein Mitglied der Ordnungswache bei der Arbeit.

Volksgarten: Sonne, Spielplatz, Drogenszene

Lesezeit: 2 Minuten

Den Volksgarten wieder sicherer machen – das versprach Bürgermeisterin Elke Kahr im Mai 2024. Kurz vor der nächsten Gemeinderatswahl stellt sich nun die Frage: Hat sich die Lage wirklich verbessert?

Autorin: Julia Ertl

15 Uhr im Grazer Volksgarten: Vor dem neu eröffneten Nachbarschaftskiosk herrscht reges Treiben. Kinder tummeln sich auf den Wegen, Besucher:innen genießen die Sonnenstrahlen, eine Gruppe Jugendlicher spielt Spike-Ball. 

Die Atmosphäre im Volksgarten ist noch nicht lange so idyllisch. Noch vor einigen Monaten dealten junge Erwachsene hier mehr oder weniger offensichtlich. Mittlerweile muss man schon genauer hinschauen, um den ehemals florierenden Drogenhandel zu beobachten. Die Stadtregierung führt die Veränderungen vor allem auf die Einführung des Sicherheitsplans vom Frühjahr 2024 zurück. Dieser Plan sieht regelmäßige Anwesenheit der Ordnungswache sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Struktur des Parks vor. 

Der Volksgarten als Schutzzone

Mitglieder der Ordnungswache sind fast jeden Tag im Park und kennen bereits viele der in den Drogenhandel involvierten Jugendlichen. Laut einem Mitglied der Ordnungswache ist der Bereich nahe der Brücke ein „Hotspot“. Auch uns wird dort etwas angeboten: Wir sind kaum über der Brücke, schon tritt ein junger Mann mit den Worten „Braucht’s was?” an uns heran. Nachdem wir höflich ablehnen, zieht er weiter.

Nichtsdestotrotz hat sich das Gesamtbild deutlich gebessert. Die 2-Personen-Streifen der Ordnungswache sind nur eine der Maßnahmen der Stadt, um die Lage im Park in den Griff zu bekommen. Zu lange war der Grazer Volksgarten für Drogen, Gewalt und Pöbeleien bekannt. Im Mai 2024 stellt die Bürgermeisterin Elke Kahr ihren 3-Punkte-Plan vor.  

Seit dessen Einführung ist die Ordnungswache ist mehrmals die Woche im Park anwesend. Gleichzeitig wird der Park umgestaltet: Eine Beleuchtung und neue Sanitäranlagen sollen die Nutzungsqualität des Parks verbessern. Im Sommer 2024 wurde eine Schutzzone für den Volksgarten errichtet. Diese ermöglicht der Polizei, Betretungsverbote für den Bereich des Volksgartens auszusprechen. 

Ein kreisrunder Platz mit Bänken rundherum dient als „Hotspot“ für den Drogenhandel.
Der oben genannte Hotspot – Foto: Julia Ertl

Rückgang der Kriminalität

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, allerdings nicht in allen Bereichen. Ein Mitglied der Ordnungswache berichtet, der Handel selbst sei zurückgegangen und konzentriere sich nur noch auf kleinere Bereiche im Park. Der Drogenkonsum sei dafür aber sichtbarer geworden – etwa in den WC-Anlagen, die auch von Familien genutzt werden.  

Die Ordnungswache zieht dennoch eine positive Bilanz. Seit der Einführung des Sicherheitsplans wäre der Durchschnitt an Ermahnungen oder Anzeigen pro Tag von 70 auf etwa 10 gesunken. Außerdem gebe ihre Anwesenheit den Besucher:innen ein Sicherheitsgefühl. Viele würden sich bedanken, dass sie vor Ort seien.  Diese Entwicklung bestätigt auch die Polizei. Laut Markus Lamb, Pressesprecher der Polizei Steiermark, sei die Zahl der Anzeigen und Betretungsverboten seit Einführung der Sicherheitszone merkbar gesunken. Der Sinn der Schutzzone wäre aber trotzdem keine komplette Verdrängung des Drogenhandels aus dem Park, da man das Problem dadurch nur verlagern würde. 

Bürgermeisterin zeigt sich zuversichtlich

Im Gespräch betont Elke Kahr, dass die gesetzten Maßnahmen zwar Wirkung zeigen, aber nur ein Teil der Lösung sind. Die Schutzzone würde die Situation entschärfen, langfristig jedoch nicht allein lösen, auch, weil eine Kontrolle rund um die Uhr nicht möglich sei. Entscheidend sei vielmehr ein Zusammenspiel aus Kontrolle, sozialer Arbeit und einer gezielten Belebung des Parks. Man wolle den öffentlichen Raum zurückgewinnen und neue Besucher:innen anziehen. Das will man durch zusätzliche Angebote für Jugendliche, wie die Initiative „Ausgeboxt!“, und Projekte, wie dem Nachbarschaftskiosk, erreichen. Auch die baulichen Maßnahmen für eine erhöhte Aufenthaltsqualität sollen dazu beitragen, dass sich wieder mehr Menschen im Volksgarten aufhalten. 

Gleichzeitig warnt Kahr vor einer Verlagerung des Problems: Wenn der Handel im Volksgarten ganz vertrieben werde, könne es passieren, dass er sich auf andere Orte verlagert. Dasselbe wäre bei der Schutzzone im Metahofpark passiert. Um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen, müsse man daher vor allem bei den Ursachen ansetzen und Jugendliche frühzeitig unterstützen, bevor sie in solche Kreise abrutschen. Neben sicherheitspolitischen Maßnahmen brauche es deshalb auch mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen für Sozialarbeit und Prävention. Das Ziel sei ein Park, der für alle zugänglich und sicher ist, selbst, wenn der Weg dorthin ein längerer bleibt.

 

Titelbild: Die Ordnungswache ist fast täglich im Volksgarten anwesend. – Foto: Julia Ertl

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