Mario Domjanic und sein Team beim Training.
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ESK Graz: 1:0 für die Integration

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Von der Nachwuchsschmiede zum Multikulti-Klub: Der Eggenberger Sportklub (ESK), der heuer 100 Jahre alt wird, legte in den letzten Jahren einen beachtlichen Wandel hin. Ein Gespräch mit U17-Trainer Mario Domjanic.

Keine Spiele, kein Training, kein Jubel. Der Betrieb an Österreichs Amateurfußball-Spielstätten steht, immer noch, still. Das Verbot für Kontaktsportarten macht auch das Leben von Mario Domjanic, seit vier Jahren Trainer beim Eggenberger Sportklub (ESK), nicht gerade einfacher. Für die Integrationsarbeit, die Domjanic und seine Trainerkollegen beim ESK leisten, bietet seine eigene Vita einen guten Background. Der gebürtige Kärntner mit kroatischer Staatsbürgerschaft kam 2003 durch den Job seiner Eltern nach Graz. Damals war er noch selbst im Amateur-Fußball aktiv, kickte bei einigen Grazer Klubs, nicht aber dem ESK. Zum Trainerposten beim Eggenberger Sportklub kam er dann eher spontan. „Ich habe durch Zufall gesehen, dass der ESK Trainer sucht, da habe ich mich einfach beworben”, erzählt der heute 31-Jährige, der zu dieser Zeit gerade Vater wurde. Damals war es noch sein Ziel sich vom Co-Trainer einer Jugendmannschaft sukzessive hochzuarbeiten. Heute sieht er das anders: „Irgendwie hat´s mir dann mit den Jungs taugt, die ich 2017 übernommen habe. Heute trainier ich sie noch immer!” 

Seine Mannschaft: 19 Mann, davon drei Österreicher ohne Migrationshintergrund. Den Großteil der Mannschaft stellen Kinder, die in Österreich geboren sind, aber ausländische Wurzeln haben wie er selbst. Meist kommen sie vom Balkan. Auch einige Kriegsflüchtlinge sind dabei. Um die Verständigung zu vereinfachen sprechen die jungen Kicker, zumindest am Platz, nur Deutsch. So hilft man einerseits beim Erlernen der Sprache, andererseits prägt sich das Gemeinschaftsgefühl besser aus. Das Schönste an der Arbeit? Für Domjanic ist das klar: „Viele der Jungs waren am Anfang schüchtern, fast ängstlich. Zu merken, wie sie dann im Sport aufgehen, immer mehr reden – untereinander aber auch mit uns Trainern – ist schon echt schön.”

Training beim ESK Graz
Beim Training der U-17 geht es sonst heiß her. – Foto: ESK Graz

Der besondere Umgang

„Ich glaube bei uns zählt einfach nicht, ob einer Österreicher, Kroate, Afghane oder sonstwas ist. Bei uns zählt der Mensch, der Spieler. Und jeder kann sich verbessern”, sagt Domjanic. Diese Einstellung zeigt sich nicht nur in seiner U17 sondern im gesamten Verein. Auch die U15 und U13 des ESK haben einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, denen der Sportklub die Möglichkeit bietet, neue Kontakte zu knüpfen.

Gegründet wurde der ESK vor bald 100 Jahren als Arbeiterfußballverein und galt lange Zeit als Kaderschmiede für größere Grazer Klubs wie den SK Sturm Graz oder den GAK. Selbst Markus Schopp, heute Erfolgstrainer beim TSV Hartberg, kickte in seiner Jugend für die Blau-Schwarzen. 

Ab dem Jahr 2008 kam dann aber die Wende, wie sich die frühere Obfrau Mag. phil. Helga Rachl erinnert. Da es schon damals einen hohen Migrantenanteil in den Jugendmannschaften gab, entschied sich die Vereinsführung dazu, den Aspekt der Multikulturalität stärker zu fördern. Es wurden Fortbildungen für Trainer*innen organisiert, Konfliktlösungstrainings für alle Kinder angeboten, selbst die Vereinsstatuten wurden überarbeitet. Der ESK war nun offiziell ein multikultureller Verein. Im Jahr 2012 durfte der ESK dann die Lorbeeren für seine Bemühungen ernten, als der Verein für das Maßnahmenpaket “Der ESK geht neue Wege” den Staatspreis für Integration Sport gewann. 

Ein Schild am Zaun des ASKÖ-Stadions erklärt, dass das Sportcenter geschlossen ist.
Das Schild am Eingang vor dem ASKÖ-Stadion Eggenberg lässt sich von nichts und niemandem beeindrucken. – Foto: Dominik Blümel

Kontaktsport ohne Kontakt

Seit 3. November darf Mario Domjanic seine Jungs nun schon nicht mehr auf dem Rasen begrüßen. Davor war das Training wenigstens in Kleingruppen und ohne Körperkontakt erlaubt. Auch die Meisterschaft konnte zumindest begonnen werden, dann kam der “harte” Lockdown zurück. „Wir schreiben viel in der Whatsapp-Gruppe und versuchen auch, die Burschen zu motivieren, laufen zu gehen oder ein paar Übungen zu machen. Ein paar haben auch nach Equipment gefragt, denen haben wir Hütchen und Bälle vom Verein zur Verfügung gestellt, damit sie zu Hause ein bissl trainieren können”, erklärt der Trainer. Voraussichtlich können Domjanic und seine Jungs zwar ab 15. März wieder am Platz stehen und trainieren, welche Vorschriften sie dabei genau einhalten müssen ist aber noch unklar. Außerdem könnte die angefangene Saison, in der die U17 nach der Hinrunde auf dem guten, zweiten Tabellenplatz steht, nie zu Ende gespielt werden. 

 

Titelbild: ESK Graz

Geselliger Weststeirer mit Vorliebe für Verschwörungstheorien, Aliens und Pyramiden. Kann sich stundenlang Dokus anschauen und weiß trotzdem nichts.

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