Winternotschlafstelle Schlafsaal Männer
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Notschlafstelle: Eine Herbergsuche

in SOZIALES von

Nach einem Winter in Containern eröffnet die Winternotschlafstelle der Caritas am neuen Standort St. Lukas. Ab 15. November bietet sie Platz für 50 Wohnungslose.

Die Temperaturen sinken nachts bereits bis nahe an den Gefrierpunkt, schon diese Woche könnten sie 0 Grad erreichen. Gerade rechtzeitig  öffnet also die Winternotschlafstelle der Caritas am 15. November ihre Pforten. Nach einer Übergangslösung im Innenhof der Arche 38 im letzten Winter nimmt das Team der Caritas zum sechsten Mal den Betrieb auf, heuer am neuen Standort in der Pfarre St. Lukas.

Im großen Schlafsaal stehen Betten für 35 Männer bereit.  Laut einer Studie von 2016 sind 73% aller Wohnungslosen in Graz männlich. Nebenan befinden sich Kojen für 15 Frauen und Kinder. Das Angebot beinhaltet einen Schlafplatz, Abendessen und Sanitäranlagen.

Der Umzug wurde notwendig, da die bisherige Winternotschlafstelle in der Keplerstraße zu einem Projekt für leistbares Wohnen umgewandelt wurde. Um genügend Schlafplätze sowie Sanitäranlagen bieten zu können, wurden große Räumlichkeiten gesucht. Zudem sollte der neue Standort möglichst nahe am Hauptbahnhof liegen – Anziehungspunkt für Obdachlose – sowie bei Arche 38 und Marienstüberl. Dabei sollten die Kosten möglichst gering bleiben.

Kojen für Frauen und Kinder
Diese Kojen bieten Platz für 15 Frauen und Kinder. Foto – Valentin Bayer

Wer klopfet an?

Diese Kriterien hätten mehrere Objekte erfüllt. Doch Bottler-Hofer erklärt: „Wenn man als Einrichtung etwaigen Vermietern sagt: ‚Wir möchten hier ein Angebot für wohnungslose Menschen installieren‘, sorgt das nicht nur für Begeisterung.“ Nach einer schwierigen Suche fand das Projekt auf einem Grundstück der Pfarre St. Lukas einen Platz.

Doch auch hier schlug dem Projekt Widerstand entgegen, als es im Vorjahr in Planung ging. Im Zuge der Bauverhandlung äußerten Anrainer Bedenken, unter anderem auch wegen des über der Winternotschlafstelle gelegenen Kindergartens. Bald wurde klar, dass das Projekt nicht rechtzeitig umsetzbar war. Daher richtete die Caritas im Innenhof der Arche 38 einige Container ein, um für den Winter zusätzliche Schlafplätze bieten zu können.

Das Bauverfahren endete erst im Februar, über den Sommer wurde umgebaut. Um die Anrainer zu beruhigen, lädt die Caritas nun am 13. November zur Besichtigung ein. Bottler-Hofer versichert, dass das Team um einen reibungslosen Ablauf bemüht sei, um die Anwohner möglichst wenig zu stören.

Blick nach links und rechts

Nicht nur in Graz wird Obdachlosigkeit manchmal mit wenig Verständnis begegnet. In Wien muss die Obdachlosenunterkunft  VinziBett umziehen, nachdem eine Anrainerin geklagt hat. In Ungarn wurde Obdachlosigkeit de facto unter Strafe gestellt. Im Vorjahr wurde in Innsbruck das Schlafen auf öffentlichen Plätzen in der Altstadt verboten.

Stefan Bottler-Hofer erklärt sich das aktuelle gesellschaftliche Klima mit zwei gegengleichen Tendenzen. Einerseits sieht er einen Trend zur starken Individualisierung, bei dem das eigene Fortkommen und die Möglichkeit, zu konsumieren, im Vordergrund stehen. „Gleichzeitig gibt es auch die genaue Gegenbewegung“, erklärt Bottler-Hofer. Persönlich hoffe er auf mehr Menschen, die sich für ein faires Miteinander aussprechen.

„Manche erkennen: ‚Mir geht es gut, und wenn ich nach links und rechts – oder, je nach Standpunkt, nach hinten – schaue, sind da Menschen, denen es nicht so gut geht.“ Für ihn ist Fairness eine Frage des gesellschaftlichen Friedens:  „Je größer die Schere zwischen Arm und Reich ist, desto mehr Indikatoren für soziale Spannung sind gegeben.“ Alle sollten zumindest grundlegend versorgt sein.

900 Schlafplätze in Graz

Laut einer Studie der BAWO im Auftrag der Stadt gab es in Graz 2016 etwa 2040 dokumentierte Wohnungslose. Dem stehen 900 Notschlafplätze gegenüber, die gerade im Rahmen eines Pakets des Landes Steiermark aufgestockt wurden. Einige Obdachlose nehmen keine Notschlafplätze in Anspruch. Grund dafür sind oft Hunde, für die in den Notschlafstellen keine Unterbringung möglich ist.

Die Ursachen für Obdachlosigkeit sind vielfältig. Viele Betroffene werden in die Armut hineingeboren, andere können wegen Krankheit keine Wohnung mehr erhalten. “Einen besonders starken Anstieg erleben wir in den letzten Jahren bei psychisch Kranken”, so Bottler-Hofer. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten und der ständige Stress setzen den Wohnungslosen stark zu.

Laut Bottler-Hofer könne jeder einen Beitrag leisten, die Gesamtlage zu verbessern. Das reiche vom bloßen Wunsch nach Fairness über die Verbreitung dieses Wunsches hin zu Freiwilligenarbeit und Spende. Eine Top-Down-Veränderung, also eine politische Wende in Richtung Umverteilung, sieht er nicht kommen. “Da muss jeder bei sich selbst anfangen.”

Kältetelefon:
Das Kältetelefon ist ein weiterer Bestandteil der Wohnungslosenhilfe der Caritas. Alle, denen im Winter ein Obdachloser auffällt, können sich ab 1. Dezember unter 0676/880 15 111 melden. Es werden auch noch Freiwillige gesucht, Interessierte finden hier alle Infos. 

ABBA ist mein größtes Problem. Sims sind meine besten Freunde. Geboren in Oberösterreich, aufgewachsen in Hogwarts.

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