Ein Portraitfoto von Josef Hader
Lesezeit: 5 Minuten, 4 Sekunden

„Lachen wird dann besonders wichtig, wenn es nichts zu lachen gibt“

in KULTUR von

Ob grantiger Rettungssanitäter, schlecht gelaunter Pathologe oder gefeuerter Musikkritiker auf Abwegen, Josef Hader ist einer der erfolgreichsten Schauspieler und Kabarettisten der Republik. Auf welcher Seite der Mur es ihm besser gefällt, und ob es heutzutage überhaupt noch was zu lachen gibt, verrät er im Gespräch mit der Annenpost.

Annenpost: Guten Abend Herr Hader, wie geht es Ihnen, was tut sich zurzeit?

Ich war gerade in der Bäckerei Auer und habe dem Martin Auer ein Interview für die Bäckereizeitschrift gegeben. Ich habe ihn auch interviewt und gefragt, was sein Lieblingsbrot ist, dann hat er mich eines kosten lassen. Franziskus hat das geheißen, da ist nur Wasser, Salz und Olivenöl drinnen, war wirklich gut. Der Martin Auer hat auch keine Backtriebmittel mehr in seinem Gebäck.

Sie treten nach unserem Gespräch im Grazer Orpheum auf. In „Das ewige Leben“ kehrt Ihr Charakter Simon Brenner nach langer Zeit wieder nach Graz zurück. Der Brenner findet Graz aber gar nicht gut, der Erzähler erklärt das mit „weil Heimat für jeden Menschen immer ein bisschen Ding.“ Wie gefällts Ihnen in Graz?

Graz ist ja nicht meine Heimat, dadurch habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis. Ich finde, dass Graz eine wirklich unglaublich angenehme Stadt ist, weil sie sehr urban ist und alles hat, was man von einer Stadt braucht. Programmkinos, es gibt sehr viel Kulturangebote, gleichzeitig ist man aber auch schnell in der Natur und man hat alles sehr zentral, weil es eben eine etwas kleinere Stadt ist als Wien. Wenn ich zum Beispiel vor Weihnachten was einkaufen muss – das muss man ja öfter mal vor Weihnachten – dann geh ich eigentlich gerne in einer kleinen Stadt wie Graz herum, weil ich hier alles viel leichter finde. Das ist die Qualität. Außerdem hat Graz im Vergleich zu Wien ein bisschen was Südländisches, die Leute sitzen schon früher draußen im Freien, trinken Wein. Wenn man durch die Altstadt geht, ist was los, es ist schon südlicher. Für jemanden aus Wien ist Graz schon die erste Urlaubsstadt.

Ewiger Konflikt 8020 oder 8010, welche Seite der Mur ist besser?

Das ist schwer zu sagen, weil ich eigentlich auf beiden daheim gewesen bin. Ich habe natürlich früher, ganz am Anfang, immer im Theatercafé gespielt, dadurch kenn ich die Seite auch sehr gut und find sie toll. Jetzt bin ich sehr viel im Orpheum, am Lendplatz, am Griesplatz, ich könnt mich kaum entscheiden. Im Zweifelsfall entscheid ich mich, glaub ich, für Lend und Griesplatz, aber wie gesagt ich find‘s drüben auch ziemlich fein. Und ich mag das Theatercafé sehr gerne. Das ist der beste kleine Spielort, den ich kenne.

Sie treten mit Ihrem Programm ja auch ab und zu in kleineren Gemeinden am Land auf, lachen die Leute dort anders?

Nein, eigentlich nicht. Man muss da gar nicht so zwischen Stadt und Land unterscheiden, sondern eher zwischen Räumlichkeiten. Wenn die Leute in einem Theater sitzen, reagieren sie anders als wenn sie im Wirtshaussaal sitzen. Wenn ich aber in einem Wirtshaussaal in Graz spielen würde, wäre die Reaktion genauso wie in einem Wirtshaussaal am Land.

Sie treten jetzt schon lange mit „Hader spielt Hader“ auf, wann können wir uns auf ein neues Kabarettprogramm freuen?

Ich möchte jetzt eines schreiben. Ich habe jetzt diesen ganz eigenen Film gemacht, letztes Jahr, und seither überlege ich, dass ich ein neues Programm haben möchte. Heuer habe ich mir ein paar Monate freigeräumt und hoffe, dass ich jetzt langsam ins Schreiben reinkomme, das dauert ein bisschen, aber ich würde gerne ein Neues machen.

„Wir haben eigentlich sehr viel zu lachen“ – Foto: Julia Kassin

Ihr Regiedebüt „Wilde Maus“ hat 2017 die österreichischen Kinocharts mit fast 280.000 Besuchern angeführt, der bislang letzte Teil der Brenner Reihe – „Das ewige Leben“ – war 2015 der erfolgreichste österreichische Film, 2009 war der Knochenmann auf Platz 1 und auch ihr neuester Film „Arthur und Claire“ ist in Österreich gut angekommen. Wollen Sie nicht einmal jemand anderem eine Chance geben?

Das mach ich jetzt eh, weil ich mich in nächster Zeit wieder mehr aufs Kabarett konzentriere. Ich denke aber, dass sich die österreichischen Filme gar nicht gegenseitig behindern, sondern im Gegenteil, wenn wieder mehr Leute in österreichische Kinofilme gehen, dann kommen sie auch leichter auf die Idee in einen anderen österreichischen Film zu gehen.

Wenn Sie sich in Zukunft mehr aufs Kabarett konzentrieren, steht es wahrscheinlich eher schlecht um einen 5ten Teil der Brenner-Reihe?

Stimmt, ja. Wir sind momentan am Überlegen, aber wir haben keine zündende Idee wie wir einen Film machen können, ohne uns zu wiederholen. Ich glaub, dass diese vier Filme so unterschiedlich sind, dass wir nie dieselbe Art von Film wiederholt haben und jetzt stehen wir momentan eben ein bisschen an.

Sie haben ja vor ein paar Wochen in der Süddeutschen Zeitung die politische Lage in Österreich analysiert und das sehr treffend. Wäre das eine Karriereoption? Josef Hader, Politikexperte?

Nein, das möcht ich nur einmal im Jahr machen. Als Hobby, sicher nicht als Beruf. Ich habe irgendwann beschlossen, als Kabarettist von der Tagespolitik wegzugehen, weil mich das depressiv gemacht hat, dass ich mich jedes Jahr mit österreichischer Innenpolitik beschäftigen musste. Ich bin sehr froh, dass ich davon weg bin.

In Österreich wird die politische Satire, abgesehen vom Kabarett, meist auf die „Tagespresse“ oder „Willkommen Österreich“ beschränkt. Wie sehen Sie die österreichische Satireszene, brauchen wir mehr politische Satire? Gibt es überhaupt noch was zu lachen?

Also ich find die Tagespresse ganz wunderbar und ich glaub, dass wir gar keine schlechte Satireszene haben. Es ist halt ein kleines Land, und in einem kleinen Land haben es Medienerzeugnisse generell schwer. Aber wenn ichs nur mit Deutschland vergleiche, haben wir eigentlich eine gute Szene, auch was politisch Satire betrifft, ehm… jetzt hab ich die ultimative Frage vergessen.

Ob es überhaupt noch was zu lachen gibt.

Ja. Lachen wird dann besonders wichtig, wenn es nix zu lachen gibt. Dann ist das Lachen eine Kunst und dann ist es auch eine Kunst Witze zu machen über die, die nicht lachen können. Wenn wir unsere Zeit vergleichen mit der vor hundert Jahren, können wir eigentlich sagen, dass es uns ziemlich gut geht und dass wir sehr viel Grund zum Lachen haben.

Manchmal kommt einem vor, die Regierung betreibt mehr Inszenierung als Politik. Haben Sie Angst, dass Sebastian Kurz Ihnen bald den Rang als erfolgreichster Schauspieler in der Republik abläuft?

Politik war immer schon Inszenierung, das ist nichts Neues. Jeder erfolgreiche Politiker hatte immer ein gewisses Maß an Inszenierung. Die Frage ist, ist die Inszenierung das Einzige, oder steckt mehr dahinter. Das werden wir recht bald wissen.

Vor ein paar Wochen wurden ja erste Bilanzen zu den ersten 100 Tagen der neuen Regierung gezogen. Rauchverbot, BVT Affäre, Pferde für die Polizei statt Staatsanwälte und Richter. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Türkis Blau bisher?

Die Themen, die gesetzt wurden, sind vorwiegend Themen der FPÖ. Ich glaube, diese Themen wurden bewusst gesetzt, weil die natürlich panische Angst haben, dass ihnen ihre Protestwähler davonlaufen, so wie das bei Schwarz-Blau I war. Deswegen versuchen sie jede Sau, die möglich ist, durchs Dorf zu jagen. Deswegen glaub ich, dass man erst Bilanz ziehen sollte, wenn konkrete Dinge umgesetzt wurden und da lohnt es sich derzeit noch nicht darüber zu reden.

In der FAZ haben Sie gesagt, dass Sie ganz schlecht für Schlussworte sind, vielleicht fällt Ihnen heute trotzdem ein gutes ein?

Z´tod g´fiacht is a g´storbn.

 

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