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Ein Panda – Viele Emotionen

in KULTUR von

Nur noch am 28. Jänner ist die Produktion “Sohn” des Theater im Bahnhof zu sehen. Seit der Premiere ist das Stück, in dem die Schauspielerin Eva Hofer eine Mutter spielt, deren Sohn sich einer rechtsradikalen Gruppe angeschlossen hat, fast ausnahmslos ausverkauft.

Ein Panda tritt vor das Publikum. Still steht er da. Eine weibliche Stimme aus dem Off ertönt:”Ich habe mich entschieden mein Gesicht heute nicht zu zeigen.” Der Panda beginnt sich zu bewegen. Die Stimme fängt an eine Geschichte zu erzählen.

Auf sehr emotionale Weise gibt die Schauspielerin Eva Hofer in ihrem selbstgeschriebenen Theaterstück “Sohn” einen Einblick in die von Kränkungen und Selbstvorwürfen geprägte Psyche einer Mutter, deren Sohn sich radikalisiert hat. Dass sie das ausgerechnet in einem schmuddeligen Pandabärenkostüm tut, ihr Gesicht also nicht zu sehen ist, erlaubt es dem Publikum von Anfang an, sich in ihre Rolle zu versetzen. So wird gleich klar, dass es hier nicht um ein Einzelschicksal geht, sondern eines, das jeden treffen kann.

Der Dialog, geschrieben von Hofer gemeinsam mit Regisseurin Ed. Hauswirth, erfolgt teils aus dem Off über Lautsprecher und teils über die Schauspielerin selbst. Sie alleine nimmt die Bühne für sich ein, als einziger Charakter im ganzen Theaterstück. Kommt die Stimme aus den Lautsprechern, welche in einer vergleichsweise monotonen Stimme die Gedankengänge der Mutter erzählt, kommuniziert sie nur durch Bewegung und Körpersprache.

Das Bühnenbild, von Heike Barnard und Johanna Hierzegger, ist einfach gehalten und gleicht auf dem ersten Blick einer leeren Kunstgalerie. Es besteht hauptsächlich aus dem weißen Hintergrund und links ein paar unterschiedlich großen Podesten, auf denen verschiedene Objekte, wie zum Beispiel ein Teddybär, Bananen und ein Spielzeugauto platziert sind.

Das Bühnenbild – Foto: Maximiliano Jiménez Arboleda

Eine aufgedrehte Pandamutter

Das Herz der Aufführung liegt in der Performance von Hofer, welche das Publikum zwei Stunden lang im Bann hält und am Ende mit begeisterten Applaus bedacht wurde. Das Stück fängt holprig an. Der Dialog und die Körpersprache der Hauptdarstellerin wirken abstrakt und nicht immer verständlich. Im Laufe der Handlung, steigert sich das Stück dann permanent und übertrifft sich vor allem gegen Ende mit jeder Minute selbst. Der Konflikt und die Selbstvorwürfe, die sich die Mutter macht werden glaubhaft und emotional vermittelt und geben einen komplexen Einblick in die Rolle.

In einer Szene wird ein verschwommenes Bild des Sohnes an die Wand projiziert. Die Mutter greift zu Pfeil und Bogen und zielt auf das Bild. Lange steht sie wie eingefroren da und zittert am ganzen Körper bis sie im letzten Moment abschweift und den Pfeil an die Decke schießt. Szenen wie diese verdeutlichen den innerlichen Konflikt zwischen Mutterliebe und Hass gegen die radikale Ideologie.

In der Handlung selbst erzählt sie von der Geburt ihres Sohnes und wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat. Sie vergleicht die damaligen Zeiten mit den heutigen Zeiten, sowohl auf politischer, als auch auf gesellschaftlicher Ebene und erzählt teilweise auch von ihrer eigenen Vergangenheit.Im Laufe der Erzählung, zeigen sich immer wieder Anzeichen der radikalen Natur des Sohnes. Der Sohn selbst kommt im Stück nicht vor. Nur einmal ist seine Stimme zu hören. Der Sohn kritisiert die Generation seiner Mutter und die heutige Gesellschaft mit der Aussage: “Wir sind anspruchsloser als ihr, aber trotzdem wollen wir mehr!” Aussagen wie diese häufen sich im Laufe der Handlung und geben dem Stück eine philosophische Dimension. Zusätzlich behandelt das Stück noch Themen wie Kindererziehung, Werte, Religion, Entwicklungen in der Gesellschaft, und die Suche nach der eigenen Identität.

Konstante Steigerung

Trotz eines seltsamen Starts und öfter auftretenden bemerkbaren, technischen Schwierigkeiten, steigert sich das Stück konstant. Zudem bekommt jede/r ZuschauerIn vor der Aufführung einen Ausdruck des Artikels Alphabet des rechten Denkens,welcher einen Einblick in die Inhalte und Themen der Handlung gewährt. “Sohn” ist sicherlich nicht das erste Theaterstück, welches den Umgang mit Radikalismus anspricht, aber es überzeugt durch die außergewöhnliche Einzelleistung der Hauptdarstellerin und einer ergreifenden Erzählung und ist deshalb definitiv einen Besuch wert.

Ein halbkolumbianischer Reisefanatiker der Hard Rock, Metal, 80s Pop, Grunge, Punk, Fußball, Listen, Statistiken, Filme, Star Wars, Serien, Lasagne und Bier mag, Bass und Gitarre spielt und sich konstant über alles und jeden lustig macht.

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