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Man bringe den Startup-Spritzwein

An jedem dritten Donnerstag im Monat versammelt sich die Grazer Gründerszene im Spacelend, um sich über Erkenntnisse und Ideen auszutauschen. Erfahrene UnternehmerInnen und junge VisionärInnen treffen dabei auf Leute, die genau das noch werden wollen.

Die Eröffnung des 28. Startup Spritzers im Spacelend. Foto: Marco Steurer

19 Uhr. Spacelend, Graz. Selbe Zeit, selber Ort. Wenn der Wirtschaftsneuling auf die langjährige Unternehmerin und der Firmengründer auf einen möglichen Investor trifft, veranstaltet das IdeenTriebwerk Graz den monatlichen Startup Spritzer – den Stammtisch für die lokale Gründerszene. Am 20. April 2017 fand das Event zum 28. Mal statt.

Bei gemütlicher Atmosphäre stellen sich die neuesten Grazer Startups einem etwa 70-köpfigen Publikum. Innerhalb von vier Minuten berichten die JungunternehmerInnen von ihrem Projekt und werden unmittelbar danach von den ZuseherInnen für Idee und Präsentation bewertet. Egal, ob es dabei Lob für gute Konzepte oder Verbesserungsvorschläge für Anfängerfehler gibt, unter dem Motto „Happy Networking“ werden anschließend spannende Ideen und Erfahrungen sowie wertvolle Kontakte ausgetauscht.

Der monatliche Startup Spritzer findet im Coworking Space „Spacelend“ statt. Foto: Marco Steurer

Vier Minuten. Ab jetzt.
Bei den sogenannten „Pitches“ kommt es auf jede Sekunde an, denn die Startup-GründerInnen haben nicht mehr als vier Minuten Zeit, um die wichtigsten Fakten rund um das eigene Unternehmen zu präsentieren. Mit Flyern und Prototypen ausgestattet, stellte diesmal unter anderem Stefan Ponsold, Gründer des einstigen Startups Sunnybag, ein neues Konzept einer Virtual Reality-Brille vor.

Ist der Zeitrahmen für die Präsentation dann ausgeschöpft, wird den Gründern ordentlich auf den Zahn gefühlt. So antwortete Ponsold auf die Frage, warum er neben der Arbeit in seinem Unternehmen noch einen anderen Weg einschlägt, mit einem lässigen „because we can“.

Wenn schließlich alle Fragen geklärt sind, ist das Publikum an der Reihe, um das Vorgetragene und die Idee dahinter zu bewerten. Jeder wird gebeten das Smartphone zur Hand zu nehmen und online Punkte von eins bis fünf für das jeweilige Startup zu vergeben und die Frage „Hat der Pitch gerockt?“ mit ja oder nein zu beantworten. Bereits nach 30 Sekunden wird ausgewertet und die Startup-Gründer haben einen Richtwert, wie gut sie und ihre Ideen bei den Leuten ankommen.

Stefan Ponsold präsentiert die Virtual Reality-Brille „Exchamp“. Foto: Marco Steurer

Die neuesten Unternehmen
Eröffnet wurden die Pitches von Petra Ott und ihrem Unternehmen mit dem Namen „Die schlaue Box. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte sie eine Hilfestellung für den Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen bei Krankheiten wie ADHS oder Autismus. „Man sieht einem Autisten nicht an, wie es ihm geht“, erklärt Unternehmensgründerin Ott. Deswegen bietet die Box visuelle Strukturhilfen zur besseren Kommunikation im Alltag.

Das neueste Projekt von Sunnybag-Gründer Stefan Ponsold heißt Exchimp. Die Virtual Reality-Brille soll die leichteste und günstigste ihrer Art sein und somit auch mit kleinerem Budget leistbar.

Zwei Absolventen der FH Joanneum, Werner Huber und Roland Mariacher, präsentierten die 2016 gegründete Firma Moya Media. Konkret stellen die ehemaligen Informationsdesign-Studenten ein Medienlabor vor, das mit Hilfe von 3D-Techniken Produktpräsentationen künftig auf eine neue Ebene bringen soll.

Vorbildfunktion
Im Rahmen der sogenannten „Success Story“ betritt beim Startup Spritzer ein/e GründerIn eines Startups, das sich zu einem großen Erfolg entwickelt hat, die Bühne. Beim 28. Treffen der Gründerszene war Kristina Forstlechner zu Gast, um von ihren Erfahrungen zu berichten, Fragen zu beantworten und wertvolle Tipps zu geben.

Seit 2011 steht sie an der Spitze der „Mützenmafia“, einem Einzelunternehmen, das mittlerweile fünf MitarbeiterInnen beschäftigt und pro Jahr etwa 6000 Mützen bzw. Stirnbänder verkauft. „Manchmal hat man ein Gefühl oder einen Traum und diesem muss man dann einfach nachgehen“, sagt Forstlechner und fügt hinzu, dass es wichtig sei, an die eigenen Ideen zu glauben. Sie berichtet aber auch von negativen Erfahrungen, denn: „Nicht alles ist immer Friede, Freude, Eierkuchen.“

Demnach sei es einer der größten Fehler der Mützenmafia gewesen, sich auf einem Produkt auszuruhen. „Wir haben vergessen, uns weiterzuentwickeln. Nach vier Jahren Selbstständigkeit ist man irgendwann ein bisschen ausgebrannt“, sagt Forstlechner. Inzwischen wurde das Sortiment erweitert, um den Trends und Wünschen der Kunden zu entsprechen. Man dürfe vor allem nicht vergessen, immer wieder Innovationen zu generieren.

Auch das Vernetzen steht auf der Agenda des Startup Spritzers. Foto: Marco Steurer

„Happy Networking“
Nach den Präsentationen herrscht Freigang nach dem Motto „Happy Networking“. InvestorInnen, GründerInnen und InteressentInnen setzen sich zusammen, besprechen das Geschäftliche und vernetzen sich. Wichtige Kontakte werden geknüpft und Telefonnummern ausgetauscht. Außerdem wird auf weitere interessante Events rund um das Thema Startups hingewiesen. Eine detaillierte Übersicht gibt es im offiziellen Eventkalender. Für den nächsten Startup Spritzer gilt wie immer: selbe Zeit, selber Ort.

Ein Startup ist ein Jungunternehmen, das sich durch eine innovative Idee und das Ziel, schnell zu wachsen, auszeichnet.

Das Ideentriebwerk Graz unterstützt Startups und möchte die Zahl der Gründungen in Graz erhöhen.

2035 Gründungen gab es laut einem Bericht der Stadt Graz allein im Jahr 2013.

Über den Autor

Marco Steurer
Marco Steurer
Besserwisserischer Sturkopf mit einer Schwäche für den Ostblock. Geht durchs Leben mit einem Standard-Ehrgeiz von 300 % und ist dementsprechend ein schlechter Verlierer (und noch schlechterer Gewinner). Aber meistens beißt er nicht, sondern will nur spielen.
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