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Raumbasis schafft Platz!

in VIERTEL(ER)LEBEN von
Das Projekt Raumbasis hat sein Büro in der Annenstraße bezogen und will mit den Leerständen in der Stadt aufräumen.

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Wolfgang Kogler, Anna Resch und Maria Reiner genießen die Sonne vor ihrem neuen Büro. Foto: Ana Lagger

Anna Resch sitzt bei Sonnenschein vor dem ehemaligen UTKU Handyshop in der Annenstraße. Späht man durch das Schaufenster hinter ihr, entdeckt man verstaubte Möbel und Malerkrepp. Ein mannshoher Kerzenleuchter mitten im Raum gibt einen ersten Hinweis darauf, dass es demnächst hier viel heimeliger aussehen wird: das Projekt Raumbasis hat Einzug im Annenviertel gehalten.

Resch, Projektleiterin der Raumbasis, scheint eine Lösung für die ewigen Leerstände der Annenstraße gefunden zu haben. Ihr Programm hat zum Ziel, Zwischenmieter mit Eigentümern zu vernetzen und Lösungen für leerstehende Geschäftslokale zu finden, von denen es in der einstigen “Einkaufsstraße” nicht wenige gibt. Der Deal: Die Zwischennutzer zahlen nur die Betriebskosten und sorgen zugleich für Instandhaltung und Belebung.

 

Erfolgreiches Beispiel
Die junge Kärntnerin bezog vergangenen Donnerstag ihr neues Büro in der Annenstraße und ist somit nicht nur Leiterin, sondern auch Nutzerin des Projekts. Auch in der Grazer Schmiedgasse, in der ehemaligen Benetton-Filiale  entsteht demnächst dank ihrer Initiative Neues – dort wird die “Schmiede 36” eröffnet. Die Räume in der Annenstraße 64 teilt sich Resch mit Wolfgang Kogler vom  Projekt Steiermark Gemeinsam und Maria Reiner, Geschäftsführerin des Vereins Stadtteilprojekt  Annenviertel. Dadurch wird die leerstehende Fläche des ehemaligen Handyshops, an den nur mehr die verblichenen Sticker am Schaufenster erinnern, optimal genutzt.

Die Zentrale der Raumbasis ist ein erfolgreiches Beispiel für die Zwischennutzung leerer Geschäftslokale. Laut Resch sind rund 50 Prozent der Leerstände in der Straße für eine Zwischennutzung geeignet. Verhandlungen mit den Besitzern der Geschäftslokale sind momentan im Gange. Die junge Kärntnerin beschäftigt sich schon seit ihrem Architekturstudium an der TU Graz mit den Problemen der Leerstände im Grazer Stadtraum. Nach ihrem Abschluss verschlug es sie zum Zwischenzeitzentrum (ZZZ) nach Bremen, welches als Inspiration für die Raumbasis diente. Mit den Förderungen der Stadt Graz ist die Raumbasis noch bis Ende des Jahres im Annenviertel stationiert, ob Resch eine Verlängerung genehmigt bekommt, steht noch nicht fest.

 

“Problemfall” Annenstraße
Seit Jahren stehen zahlreiche Geschäftslokale in der Annenstraße leer. Wie viele Leerstände es genau sind, weiß man nicht. “So zwischen 10-15”, grenzt Resch ein. Ihr Ziel ist es, die Annenstraße wieder zu beleben und jungen UnternehmerInnen Raum zu geben, in dem sie ihre Ideen umsetzen können. Im Idealfall kann nach der zeitlich befristeten Zwischennutzung ein fester Mietvertrag vermittelt werden. Einfach ist der Job nicht.

„Viele GrazerInnen trauern dem früheren Bild der Annenstraße als ,Prachtstraße´ nach. Der Blick auf aktuelle Entwicklungen fehlt. Auch die negative Berichterstattung in den Medien führte dazu, dass sich Raumsuchende mehr für Bereiche wie Lend und Innere Stadt interessierten”, meint Resch.

 

Ein weiteres Problem ist die Bereitschaft der Eigentümer, ihre Geschäftslokale zur Zwischenmiete zur Verfügung zu stellen. Wegen der geringen Erfahrungswerte sind viele skeptisch. Manche haben Angst, dass der Leerstand für potenzielle Interessenten nicht mehr als solcher erkennbar ist oder dass sie die Zwischennutzer auf Dauer beherbergen müssen. Zudem ist es eine Herausforderung, die richtigen Räumlichkeiten für die angefragten Projekte zu finden. Geschäftslokal und Projekt müssen zueinander passen. Resch setzt auf das Engagement der Ortsansässigen und die Ideen junger Unternehmer:

„Langsame Entwicklungen sind viel effektiver als ein halbjähriger Push. Die Annenstraße braucht die Liebe der Nutzer vor Ort.“

 

[box] Raumbasis Kontakt:
Anna Resch
Annenstraße 64
kontakt@raumbasis.at
[/box]

"Denn die Kunst ist die Tochter der Freiheit." Hobbyfotografin, Portraitzeichnerin und Kunstliebhaberin mit einer Schwäche für Videospiele.

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