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Prostitution in Graz: Weniger Bordelle, mehr „Asylwerberinnen“

in VIERTEL(ER)LEBEN von

In Graz gibt es immer weniger Bordelle – die Zahl der Prostituierten ist gleichbleibend. Die Frauen, die als Prostituierte arbeiten, sind vermehrt „Asylwerberinnen“. Die Annenpost hat nach den Hintergründen gefragt.

Prostitution in Graz
Das Kriminalreferat kontrolliert regelmäßig die Grazer Etablissements

Prostitution ist in Österreich unter bestimmten Bedingungen erlaubt und von den Bundesländern gesetzlich geregelt. Frauen, die als Prostituierte arbeiten, müssen sich polizeilich registrieren lassen und sind alle sechs Wochen zu einer Gesundenuntersuchung verpflichtet. Die Polizei hingegen kontrolliert die Bordellbetriebe und sorgt für den Schutz der Frauen. Die Annenpost hat mit einem Kriminalbeamten des Kriminalreferats Graz gesprochen, der regelmäßig Kontrollfahrten zu den Grazer Bordellen und Laufhäusern durchführt.

Weniger Betriebe, gleich viele Frauen
Die Situation in Graz ist laut informierten Kreisen der Polizei überschaubar. Aufgrund der EU-Osterweiterung spielt verbotene Prostitution kaum eine Rolle, da sich die Frauen legal im Land aufhalten. Auch das Mindestalter von 19 Jahren werde demnach in den meisten Fällen eingehalten.

Allerdings sind entsprechende Etablissements in Graz stark rückläufig. Im Jahr 2000 gab es noch 59 genehmigte Betriebe, heute sind es nur noch 35. Davon sind 18 Bordellbetriebe und 17 Laufhäuser. Knapp die Hälfte befindet sich im Annenviertel – elf Bordellbetriebe und vier Laufhäuser.

Die Zahl der Frauen, die sich prostituieren, ist dabei gleichbleibend. Der Rückgang kommt daher, dass kleine Barbetriebe schließen und vermehrt größere Laufhäuser entstehen.

Missbrauch des Asylwesens?
Prostitution ist neben Saisonarbeit, Erntehilfe und Zeitungsaustragen eine der wenigen Tätigkeiten, der Flüchtlinge während eines laufenden Asylverfahrens nachgehen dürfen. In Wien hat sich die Zahl der AsylwerberInnen, die sich prostituieren, seit 2013 mehr als verdoppelt.

In Graz kommt der Großteil der Prostituierten aus Rumänien, Ungarn und der Slowakei. Auch hier sind ähnliche Entwicklungen wie in Wien zu beobachten. Seit 2015 gibt es vermehrt Asylwerberinnen, die als Prostituierte ihr Geld verdienen. Diese Frauen kommen aber nicht aus Syrien oder Afghanistan. Für den Anstieg ursächlich sind vor allem Chinesinnen, die nach Graz kommen, um als Prostituierte zu arbeiten. Einige Frauen stammen aus Nigeria und vereinzelt auch aus Südamerika. Es könne sein, dass das österreichische Asylwesen in diesen Fällen missbraucht werde und dass organisiert Frauen nach Österreich gebracht und in die Prostitution gedrängt werden.

Schutz für die Frauen
Die KriminalbeamtInnen des Kriminalreferats Graz führen regelmäßig Kontrollen in den Bordellen und Laufhäusern durch. Diese Kontrollfahrten werden in unregelmäßigen Abständen und anlassbedingt gemacht, damit die BetreiberInnen sich nicht danach richten können. Die meisten Frauen kennen die KriminalbeamtInnen nach einer gewissen Zeit und fassen zu ihnen Vertrauen.

„Wir haben einen anderen Zugang zu den Frauen. Sie kennen uns größtenteils und da gibt es eine andere Gesprächsbasis, falls was ist.“

Prostitution ist in einigen europäischen Ländern erlaubt, in anderen verboten. Österreichs Nachbarländer Deutschland und die Schweiz gehören bezüglich Prostitution zu den liberalsten Ländern – die Ausübung ist völlig legal. Schweden hingegen ist bekannt für sein strenges Modell, bei dem die Freier bestraft werden. Seit diesem Jahr müssen auch in Frankreich Freier mit einer Geldstrafe rechnen.

Soll Prostitution auch in Österreich verboten werden? Für den Kriminalbeamten des Kriminalreferats Graz steht der Schutz der Frauen im Vordergrund. Er ist der Meinung, dass ein Verbot demnach kontraproduktiv wäre, da es die Frauen in die Illegalität treiben würde.

„Für die Frauen ist es besser, wenn die Prostitution gesetzlich geregelt ist – dann machen sie nichts Verbotenes und können mit der Polizei in Kontakt treten, was mehr Schutz für die Frauen bedeutet.“

Schon von klein auf davon überzeugt, dass sie auch übers Wasser gehen kann, wenn sie nur will. Sieht alles sehr realistisch und findet Entspannung bei Kochsendungen und Backen.

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1 Comment

  1. Das schwedische Modell hat den Prostituierten (oder besser „Sexworkern“) leider eher weniger als mehr Schutz gegeben. Wenn eine Sexworkerin zur Polizei geht, dann nimmt sich die Polizei meist die Liste der Klienten vor und zerstört somit praktisch das Geschäft der Sexworkerin. Insofern ist die Polizei kein Ansprechpartner für Sicherheit, was im Endeffekt wieder Zuhälter als „Schutz“ nötig gegen aufdringliche Freier macht.

    In Deutschland ist eine harte Diskussion bezüglich der legalen Prostitution entbrannt. Einerseits glauben Frauenverbände Frauen durch Verbote schützen zu können, was soweit bisher nie der Fall war. Die ominöse Definition „Verkauf des eigenen Körpers“ zeugt von der doch recht polemischen Frauenverband-Argumentation. Sexworker sehen sich eher als Anbieter eines Services.

    Andererseits ist die Idee der verschleppten und zum Sex gezwungenen Sklavin ein viel zu lukratives Bild für Massenmedien, was kaum eine seriöse Diskussion mit faktenbasierten Argumenten zulässt. Die Vorstellung, dass eine Frau über ihre eigene Sexualität in Richtung Prostitution entscheiden könnte, ist in vielen westlichen Kulturkreisen undenkbar. Da wird lieber der Bordellbesitzer (oftmals auch Frauen) sowie der Freier dämonisiert. Dass viele Männer z. B. nur für eine Konversation zu einer „Professionellen“ gehn, scheint da geradezu bizarr.

    Prostitution (oder Sex im allgemeinen) ist halt ein Reizthema, wo viele Menschen sehr emotional reagiern und kaum für logische Argumente ansprechbar sind.

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