Lesezeit: 3 Minuten, 54 Sekunden

Auf der Suche nach dem Eis

in VIERTEL(ER)LEBEN von
Der Sommer ist da, das wurde auch Zeit. Bei dem Wetter braucht es jedenfalls jetzt Eis, und zum Glück ist die Annenstraße mit zwei Eiscafés bestens für die Hitze gerüstet.
Eistüte
An Eis mangelt es in der Annenstraße momentan nicht.

30 Grad, wolkenloser Himmel – der Sommer ist endlich in Graz angekommen. Das freut zuerst einmal uns alle, aber besonders freuen sich natürlich die Eisverkäufer. Denn hier sprechen wir von idealen Bedingungen zum Eis-Essen.

Erste Station: die Gelateria Italiana by Luis, genau zwischen Südtirolerplatz und Annenstraße. Das ist eine gute Lage – mit dem Kunsthaus in der Nachbarschaft und der Innenstadt gleich um die Ecke. Heute Nachmittag gibt es einen regen Strom an Kundschaft, die das Personal hinter dem Tresen auf Trab halten.

40 Sorten gibt es hier, erklärt Geschäftsführer Rui Brito: „Am Ungewöhnlichsten ist glaube ich Cheesecake.“ Rui ist gebürtiger Portugiese, als Eisverkäufer hat er vor sechzehn Jahren in Villach angefangen. Vor sieben Jahren kam er nach Graz – damals hatte der Salon gerade frisch eröffnet. Der ist Teil einer Kette von mehreren Lokalen, zwei davon sind in Graz. Rui ist ihr treu geblieben, hat in der Villacher Filiale angefangen, und leitet jetzt die Niederlassung am Südtirolerplatz.

Geschäftsführer Rui Brito sorgt dafür, dass die Gelateria Italiana by Luis läuft.
Geschäftsführer Rui Brito hat in der Gelateria Italiana by Luis alles unter Kontrolle.

Massenproduktion
„Das Eis wird hier gemacht“, streicht Rui hervor. Dafür braucht es natürlich eine ordentliche Eismaschine. Die steht im Hinterzimmer, und das schaut aus wie ein Labor. Alles leuchtet in Weiß und Silber. Die Maschine ist ein silbernes Ungetüm, das den ganzen Raum ausfüllt. Kleine Hebel und Trichter hängen dran, und nur durch eine kleine Lücke leuchtet etwas hervor, was einmal Eis werden wird. Schon die schiere Größe macht aber klar: Hier werden Unmengen an süßen Köstlichkeiten verarbeitet.

Rui erklärt, dass die Zutaten dafür aus dem Norden Italiens kommen. Je nach Tag würden dann zwischen 250 und 300 Kilogramm Eis hergestellt, erzählt er. Heute schaut es mehr nach einem 300-Kilo-Tag aus. „Zum Glück ist das Wetter endlich schön“, seufzt Rui. Sein Personal hat noch immer alle Hände voll zu tun. Eine kleine Schlange hat sich am Tresen gebildet, und die Tüten werden mit Höchstgeschwindigkeit befüllt, bezahlt und übergeben.

Für mich gibt es jetzt einmal eine Recherchepause – und einen Eisbecher. Rui lädt mich auf Eisspaghetti mit Erdbeersoße ein. Darüber kann ich mich sicher nicht beklagen, und geschmacklich gibt es nichts auszusetzen. Dann geht es weiter, die Annenstraße entlang, weiter zum nächsten Eissalon.

Frostiger Start
Dort ist die Lage um einiges ruhiger als am Südtirolerplatz. Nur ein paar Meter nach der Straßenbahnhaltestelle am Roseggerhaus hat vor etwas mehr als einem Monat das Restaurant und Eiscafé Scala eröffnet. Draußen vor dem Café sitzt ein schon älterer, angegrauter Herr und begrüßt freundlich jeden, der das Lokal betritt. Das ist Verkäufer Baci – er sorgt dafür, dass der Laden hier läuft. Erfahrung hat er genug – er hat schon in vielen Eiscafés in Kroatien, Österreich, und sogar Italien gearbeitet.

Kundschaft kommt durch die Tür: ein Busfahrer gönnt sich etwas Süßes für zwischendurch. Ein Becher mit Tutti-Frutti-Eis soll es sein, garniert mit Schlag und intensiv grün leuchtender Soße. Das volle Programm eben. Voll ist dann auch der kleine Becher, und zufrieden grinst der Busfahrer, als er damit wieder aus dem Lokal geht. Das sei die größte Freude am Eisverkäuferdasein, erklärt Baci. Das Anrichten und das Dekorieren der Becher. „Nur sehr wenige können das wirklich gut. Wenn du gut anrichtest, dann ist das die beste Reklame. Eis isst man mit den Augen.“ Wie der Verkäufer anrichtet, sage sehr viel über ihn aus: „Nur sehr wenige können das wirklich gut. Ganz wenige in Österreich.“ Wenn dann der Kunde einem sagt, dass es schön und gut sei, dass sei dann überhaupt das Beste.

Die Eisvitrine im Eiscafé Scala ist bunt und prall gefüllt.
Die Eisvitrine im Eiscafé Scala ist bunt und prall gefüllt.

Italien über alles
In der Vitrine steht Kuchen, aus der Küche duftet es nach Pizza, aber hauptsächlich geht es um das Eis: „Alles, was wir haben, sind italienische Sachen. Auch das Eis. Gemacht wird es aber von uns selbst, hier in diesem Haus.“ Was ist denn jetzt eigentlich das Besondere an Italien? „Das italienische Eis ist das Beste, ganz klar. Ich war auch zwei Jahre in Italien, habe dort alles über die Spezialitäten gelernt.“ Für Baci liegt das in der Familie. „Meine Frau ist wirklich eine Eismeisterin – sie weiß alles darüber. Ihr Großvater hat schon in Kroatien am Meer Eiscreme hergestellt.“

Noch bleiben im Scala die Gäste aus. Verkäufer Baci hofft auf mehr.
Noch bleiben im Scala die Gäste aus. Verkäufer Baci hofft auf mehr.

Baci selbst liebt Eis noch immer – für ihn ist es wirklich eine wahre Leidenschaft. „Ich nehme immer am Nachmittag ein, zwei Kugeln mit Schlagobers“, lächelt er und verrät gleich seine Lieblingssorten: Momentan Ferrero Rocher und Cookie, aber das könne sich genauso schnell wieder ändern.

Neu und gut
Noch ist der Laden eher leer, nur zwei Tische sind heute besetzt. Im Scala arbeitet man noch daran, sich hier in der Annenstraße zu etablieren. „Bei uns kommt jetzt jeden Monat etwas Neues. Schauen wir mal, wie es in der Urlaubszeit läuft. Ich hoffe, dass wir der beste Eissalon in Graz sein können.“ Hochgesteckte Ziele, die Baci erreichen will – ob das erreichbar ist, weiß er aber selbst noch nicht. „Die Lage hier ist nicht die Beste, aber wir wollen ja mit Qualität überzeugen.“

Das Gespräch endet, wie es enden muss – mit mehr Eis. Diesmal nur mehr eine Tüte, mit jeweils einer Kugel Karamell und Haselnuss. Geschmacklich jedenfalls top – mein Tag war ganz klar ein Erfolg.

Markus liest liebend gerne und so ziemlich alles, was ihm unterkommt - Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, und mehr. Daneben ist er ein großer Motorsportfan, und ist darüber immer auf dem Laufenden. Lebt noch immer auf dem Land und hat auch keine Lust, in die Stadt zu ziehen.

Loading Facebook Comments ...

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

sieben + 10 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Das letzte von

Gehe zu Nach oben