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RACE: Mehr Aufenthalt als Fortbewegung

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Umweltfreundlich, mit konstanter Geschwindigkeit und mit wenig Beschleunigungsspielraum gehen Fußgänger wortwörtlich durch den Alltag. Ob das beim Annenpost-RACE reicht?

Für Teil 2 der Annenpost-RACE Serie geht es zu Fuß weiter
Für Teil 2 der Annenpost-RACE Serie geht es zu Fuß durch das Annenviertel
Aus dem Schuhtausch wurde nichts
Aus dem Schuhtausch wurde nichts

Mit dem ältesten aller Fortbewegungsmittel mache ich mich auf den Weg: Mit meinen Füßen. Da die geplante Route mit drei Pflichtstationen zu Fuß fast drei Kilometer lang ist, wäre es sinnvoll gewesen, zu meinen Laufschuhen zu greifen. Darauf habe ich allerdings komplett vergessen. Mein Kollege Robert, der mit dem Auto gegen mich antritt, hat, im Gegensatz zu mir, so weit gedacht.  Schuhe tauschen wäre angesagt, wenn da nicht zehn Schuhgrößen zwischen uns wären.

Der Start des Annenpost-RACE war ursprünglich für 12:30 Uhr am Hauptbahnhof geplant, hat sich jedoch 20 Minuten nach hinten verschoben. Grund war Roberts Parkplatzsuche, die schon vor Beginn des Rennens ein Problem darstellt. Ein gutes Zeichen für mich als Fußgängerin. Schließlich hat das Annenviertel nicht das beste Angebot an Parkmöglichkeiten und somit könnte sich für mich die Chance ergeben, Robert immer wieder einzuholen. Während er nämlich verzweifelt im Kreis fährt, um sein Auto bei den jeweiligen Stationen abzustellen, bin ich zu Fuß nicht vor solche Probleme gestellt.

Mangelnde Verkehrszeichen
12:50 Uhr – alle auf ihre Plätze, das Rennen beginnt. Die erste Station ist der Lendplatz, wo vor den roten Infosäulen ein Foto geschossen werden soll. Der kürzeste Weg vom Hauptbahnhof zum Lendplatz führt über die Keplerstraße. Klingt einfach, würde nicht schon auf dem Weg vom Europaplatz zur Keplerstraße die erste Hürde auf mich warten. Mitten auf dem Gehweg befindet sich eine Radfahrspur, die es zu passieren gilt, wenn man als FußgängerIn zur Kreuzung gelangen will. Das bedeutet, als FußgängerIn hat man keine andere Wahl, als den Fahrradweg ohne Sicherheitsvorkehrungen zu überqueren, um zur Ampel zu gelangen. Während ich verzweifelt vor diesem Hindernis verharre, sehe ich meine Kollegin Helena auf ihrem Drahtesel wegdüsen. Eines ist klar: Ein hartes Rennen steht mir bevor.

hauptbahnhof
Um zur Ampel zu gelangen, muss der Radweg überquert werden

Der im Bauamt für den Fußgängerverkehr zuständige Peter Kostka erklärt, dass solche Verkehrssituationen in Graz keine Seltenheit sind: „Rechtlich hätte der Fußgänger hier Nachrang. Die Alternative wäre, dass wir einen kurzen Zebrastreifen für die Fußgänger im Radweg machen und zwei Schilder als Hinweis für die Radfahrer aufstellen. Wenn wir es rechtlich sauber lösen wollten, hätten wir da einige Verkehrszeichen stehen, die letztendlich keiner beachten würde.“ Es sei, laut ihm, wichtig, in solchen Situationen auf andere VerkehrsteilnehmerInnen Rücksicht zu nehmen.

Verschiedene VerkehrsteilnehmerInnen haben ihren eigenen Fahrstreifen
Verschiedene VerkehrsteilnehmerInnen haben ihren eigenen Fahrstreifen

Sicherheit durch Trennung?
Mit viel Vorsicht gelange ich zur Keplerstraße, auf der die FußgängerInnen deutlich von RadfahrerInnen getrennt sind, denn für Zweitere ist eine eigene Fahrbahn vorgesehen. Verkehrstechnisch ist die Straße somit bis zum Lendplatz für Gehende sehr komfortabel und unproblematisch, schließlich kommt es zu keiner Interaktion mit Rad- oder AutofahrerInnen. Da ich deswegen auf wenige Dinge im Straßenverkehr achten muss, kann ich diesen Spaziergang nutzen, um in Ruhe meine Umgebung zu beobachten und dabei Musik zu hören. Ein Blick auf die Fahrbahn erweist sich als äußerst nützlich, denn ich sehe, wie Robert kurz davor ist, mich mit dem Auto einzuholen. Ich lege einen Gang zu.

Allerdings sollten sich FußgängerInnen trotz deutlich markierter Gehwege nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen, meint Kostka. Durch getrennte Fahrstreifen für die verschiedenen VerkehrsteilnehmerInnen sei das Unfallrisiko nicht automatisch geringer. Bei Unfällen würden andere Umstände, wie die Breite der Straßen, die Wetterbedingungen und die Geschwindigkeiten der Involvierten, eine wesentliche Rolle spielen.

Breite Straßen zum Flanieren
Das Foto am Lendplatz ist geknipst – die nächste Aufgabe führt mich zum Roseggerhaus, wo ich im Lebensmittelladen Elvan Market eine Frucht kaufen muss. Ich gehe also über die Volksgartenstraße zur nächsten Station. Erneut habe ich das Privileg, beim Gehen meine Umgebung auf mich einwirken zu lassen – Robert im Auto oder Phillip im Bus können bestimmt nicht den frühsommerlichen Duft des Volksgartens einatmen. Am Ende der Volksgartenstraße trennt eine mit Ampeln geregelte Kreuzung die PassantInnen vom Lebensmittelgeschäft. Somit müsste ich zwei Mal die Straße überqueren und würde beim Warten auf das Grün der Ampeln wertvolle Zeit verlieren. Darauf komme ich glücklicherweise früh genug, denn einige Meter vor der Kreuzung entdecke ich einen Zebrastreifen, der nicht durch eine Lichtsignalanlage geregelt ist, wodurch mir wenigstens eine Ampel-Wartezeit erspart bleibt.

Flanieren entlang des Volksgartens
Flanieren entlang des Volksgartens

Zufußgehen hat, so Kostka, mehr mit Aufenthalt als mit Fortbewegung zu tun. Daher seien breite Straßen besonders attraktiv für FußgängerInnen, diese können nämlich mit Gastgärten und Sitzgelegenheiten ausgestattet und als Flanierbereich genutzt werden. Grünflächen sollen ebenfalls einen wesentlichen Faktor, der zum Spazieren einlädt, darstellen. Zu Fuß gehe man dann, wenn man das Wetter und die Umgebung genießen will und keinen Zeitdruck hat – schließlich kann man keine hohen Geschwindigkeiten mit dieser PS-armen Fortbewegungsmöglichkeit erreichen.

Nach dem erfolgreichen Erwerb einer frischen Orange, geht es für mich zur letzten Station: Dem Griesplatz. Dieses Mal entscheide ich mich für die Route über die Elisabethinergasse. Auf der dicht befahrenen Straße ist wenig Platz für einen Gehsteig, dementsprechend ist dieser auch relativ eng gehalten. Langsam macht mir auch die schwüle Hitze ein bisschen zu schaffen. Trotzdem ist auch diese Strecke schnell geschafft – zwei Lieder lang marschiere ich, ehe ich mich am Griesplatz wiederfinde.

Fazit
Als Fußgängerin habe ich neben meiner Hauptaufgabe, das Annenviertel zu passieren, auch einige Kalorien verbrennen können. Außerdem hatte ich beim Gehen die Möglichkeit, meinen Kopf frei zu bekommen, was ohne der vorhandenen Verkehrsregelungen undenkbar gewesen wäre. Immerhin geben diese den Zu-Fuß-Gehenden ein sicheres Gefühl im Straßenverkehr. Schlussendlich bin auch ich unversehrt angekommen. Laut Kostka ist Graz allgemein sehr sicher für FußgängerInnen: „Es ist nicht so, als könnte man nichts verbessern, aber es herrscht keine Anarchie auf der Straße.“

Hoffnungsvoll blicke ich zu unserem vereinbarten Treffpunkt. Wer hat nun das Rennen gewonnen?

Wenn sie nicht gerade schief singt, schaut sie vermutlich eine ihrer vielen Lieblingsserien. Ganz nebenbei regiert sie als #queenanna.

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