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Kunstausstellung FRIED NIGHTS: Food-Stall mit DJ-Set

in Allgemein/KULTUR von

Privat, öffentlich oder digital? Die Künstlerin Sun Li Lian Obwegeser möchte mit ihrer Ausstellung FRIED NIGHTS die Grenzen zwischen verschiedenen Arten von Räumen verwischen. In der Kulturplattform KiG! – Kultur in Graz setzt sie ihre Kunstinstallationen vom 18. Juni bis 28. August in Szene.

Der erste Blickfang ist der schwarz-lila gemusterte Bezug einer Matratze, die in der Mitte des weitläufigen Raumes thront. Bei genauerem Hinsehen erkennt man darauf die Fächerung von Lamellenfenstern. Der Raum ist mit Leuchtstoffröhren behangen, die einerseits Kunstinstallationen wie eine bedruckte Bambusrolle und einen Food Stall, andererseits den Raum selbst in Szene setzen sollen. Die Räumlichkeit führt auf eine Terrasse mit bunten Stühlen, auf denen einige Besucher*innen auf die Eröffnung der Ausstellung warten. Auf dem Parkett neben dem Eingang steht in Großbuchstaben deren Titel: FRIED NIGHTS.

Eine Kunstausstellung braucht viel Planung

Einmal quer über den Griesplatz, nach links abbiegen, dann nach rechts, circa 500 Meter die Lagergasse entlang: Dort befindet sich die Kunstplattform KiG – Kultur in Graz, seit Freitag Ausstellungsort von FRIED NIGHTS. Eineinhalb Wochen lang hat die Künstlerin Sun Li Lian Obwegeser hier sechs Kunstinstallationen aufgebaut, die in Farbe, Form und Größe unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Ausstellung dreht sich rund um das Thema Raum und vor allem darum, wie jedes Individuum die Grenzen von Raum definiert. Ein weiteres Schlüsselelement in fast allen Werken ist das Lamellenfenster. „Ein Fenster ist eine Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum, die man durchbrechen kann, wenn man es öffnet“, erklärt die Künstlerin die Idee dahinter. Die Werke von Sun sollen digitalen, öffentlichen und privaten Raum miteinander verschmelzen lassen. 

Ausstellungseröffnung
Sun möchte mit der Matratze mit Lamellenfenster-Muster eine neue Perspektive auf die restlichen Arbeiten geben. – Foto: Veronica Holl

Künstlerischer Einfluss aus Südostasien

„In meiner Kindheit wurde ich von meiner Familie sehr gefördert, es gab kaum Grenzen. Das hat mich wesentlich bei meiner Entscheidung beeinflusst, Künstlerin zu werden“, erinnert sich Sun zurück. Suns Mutter kommt aus Malaysia, wo sich die Künstlerin seit ihrer Kindheit immer wieder aufhält: „Es hat mich schon immer fasziniert, wie die Leute in Südostasien mit öffentlichem Raum umgehen. Die dort vorherrschende Kultur prägt bis heute meine Kunst.“ Neben ihren selbstständigen Kunstprojekten arbeitet Sun seit sechs Jahren Teilzeit im Landestheater Linz als Requisiteurin. Außerdem ist sie Mitglied in einigen Kunstkollektiven.

Heiße Tracks bei der Ausstellungs-Eröffnung

Sun designt Kunstinstallationen aller Größe und Form, was FRIED NIGHTS gut widerspiegelt. In der Ecke steht ein beinahe zwei Meter hoher Food Stall, ein „Essensstand“, wie er auch in Malaysia üblich ist. Darauf groß die Aufschrift: „BLACK FRIED SPESIAL SET“. Auf der Ablagefläche ein DJ-Set, statt eines Menüplans, was den Wortwitz erklärt. Bei der Eröffnung legt Sun selbst als DJane auf. Eine Schürze umgehängt, um die doppelte Bedeutung noch zu unterstreichen: „Ich serviere kein Essen, sondern Tracks.“ Darauf bezieht sich auch der Titel der Ausstellung: „Fried“ in Anspielung auf den Essensstand, „Nights“ bezogen auf das DJ-Set, das für Clubs und Nachtleben steht.

Die Künstlerin
Die Künstlerin Sun Li Lian Obwegeser neben einer Kunstinstallation ihrer aktuellen Ausstellung „FRIED NIGHTS“ – Foto: Veronica Holl

„Kunst ist genreübergreifend“

Die gebürtige Tirolerin hat nach der Matura als Kellnerin gearbeitet und parallel dazu Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Im Nachtlokal, in dem Sun gearbeitet hat, bekam sie auch ihre erste Auftragsarbeit: Sie sollte dort Wände und Vorraum bemalen. Später ist sie an die Kunstuniversität Linz gegangen. Ein Semester hat sie im Rahmen des Erasmus-Programms in Antwerpen verbracht. „Dort wollte ich herausfinden, ob meine Kunst auch auf internationalem Level Sinn macht. Eine für mich sehr wichtige Lehrerin hat mir mitgegeben, dass ich einfach auf mich und auf das, was ich mache, vertrauen soll.“

Im Studienzweig Experimentelle Gestaltung lernte sie, Kunst als genreübergreifend zu betrachten und hat den Gedanken verworfen, dass man sich als Künstler*in immer auf ein Gebiet festlegen müsse. „In der Kunst können verschiedene Medien zusammenfinden.“ Diese Einstellung zeigt sich auch daran, wie sich ihre Kunst im Laufe der Zeit verändert hat. Als Kind und Jugendliche hat Sun gerne gezeichnet und sich vor allem mit „Characterdesign“ beschäftigt. In ihrer Studienzeit trat dies in den Hintergrund. „Heute habe ich zum Glück wieder zum Zeichnen zurückgefunden. Nachdem ich hauptsächlich konzeptuelle Kunst mache, ist das intuitive Zeichnen ein für mich notwendiger Ausgleich“, so Sun.

Facettenreiche Kunstausstellung

Film und Fotografie sind zwei weitere Leidenschaften von Sun. So zeigt ein kleines Fernsehgerät im Food Stall ein Video von einem Wasserfall – von der Künstlerin als Paradise Channel bezeichnet. An der gegenüberliegenden Wand hängt eine Bambusrolle, bedruckt mit der fotografisch eingefangenen Szene in einem malaysischen Hinterhof. 

Bambusrolle
Die Leuchtstoffröhren sind sowohl auf der Fotografie als auch über der Bambusrolle zu sehen – sie sollen den Anschein erwecken, aus dem Bild heraus- und in den Raum hinein zu wachsen. Sun will so zeigen, dass die Szene in den Raum passen könnte, aber nicht muss. – Foto: Veronica Holl

An der Außenwand auf der Terrasse lässt das Foto eines „Outdoor-Bathrooms“ viel Interpretationsspielraum offen. „Ich möchte, dass meine Kunst Platz für eigene Assoziationen beim Betrachter und bei der Betrachterin lässt.“ Es freue die Künstlerin besonders, wenn die Leute durch ihre Kunst dazu angeregt würden, eigene Geschichten zu erzählen und man so ins Gespräch käme. 

Outdoor-Bathroom
Von der Terrasse aus sieht man den „Outdoor-Bathroom“, eine Fotografie von Sun aus Malaysia. – Foto: Veronica Holl

Eines hat Sun jedenfalls nie abgelegt, egal welche Kunstform sie gerade konzeptioniert: „Meine Neugierde. Die versuche ich immer beizubehalten. Mir ist es wichtig, immer Neues auszuprobieren, einfach immer interessiert und offen zu sein.“

 

Titelbild: Veronica Holl

Infobox

Bis zum 28. August kann man die Ausstellung “FRIED NIGHTS” in der Kulturplattform “KiG! – Kultur in Graz” in der Lagergasse 98a, 8020 Graz, anschauen. Genauere Infos zur Ausstellung findet ihr hier.

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