Videos von Luca beim Skaten
Lesezeit: 4 Minuten, 26 Sekunden

theblacknatter: „skaten ist eine eigene Welt“

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Mit seinen waghalsigen Skateboard-Videos erreicht der 21-jährige Grazer Luca Yolande auf Instagram eine große Community. Der Skater erzählt über seinen Lieblingsspot, den Lendplatz, von Tricks, die er gerne mag, und gibt Tipps für AnfängerInnen.  

Skaten setzt Glückshormone frei. Für Luca Yolande, 21, bedeutet es auch Freiheit. Freiheit, dem Alltag zu entkommen. Luca skatet seit zehn Jahren, so oft er Zeit hat. Oftmals in seiner Nachbarschaft im Gries, am liebsten aber am Lendplatz. Was anfangs ein Hobby war, ist heute so viel mehr. „Skaten ist für mich eine eigene Welt. Wenn man einmal Gefallen daran gefunden hat, kommt man nicht mehr los“, erzählt der Skateboarder.

Ansonsten absolviert Luca gerade den Zivildienst. Sein Wohnbezirk Gries gefällt ihm gut, zur Stadt Graz hat er allerdings gemischte Gefühle. Die Stadt findet er zwar schön, die Skateparks werden ihm allerdings nach jahrelangem Skaten langsam zu langweilig. Deshalb unternimmt er mit seinen Freund*innen öfters Ausflüge, um auswärts zu skaten.

Warum er skaten wollte

Mit sieben Jahren bekam Luca sein erstes Skateboard. „Alle in der Siedlung wollten plötzlich ein Board. Wir wollten sein wie ,Zeke and Luther’“, denkt er noch gerne an seine Anfänge zurück. In dieser Disney-Serie geht es um die Mitglieder einer Teenager-Gang aus Gillroy, Kalifornien, die als Skater weltberühmt werden wollen. Nachdem er zunächst nur auf den Knien herumfuhr, begann Luca mit zehn Jahren richtig zu skaten und versuchte sich an ersten Tricks. Der erste Triumph: der „Varial Flip“, eine Kombination aus einem „Kickflip“ und einem „Shove it“. Das Board dreht sich dabei einmal um die Längs- und einmal um die Querachse.

2016 stellte Luca sein erstes Skate-Video auf Instagram. Unter @theblacknatter postet er dort auch heute noch regelmäßig Fotos und Videos. Die Skateszene auf Instagram ermöglicht es aufstrebenden Talenten, Reichweite zu generieren und Sponsoren zu finden. Auf den Videos zeigt Luca stets neue Tricks, die er gerade ausprobiert. Am liebsten skatet er am Grazer Lendplatz. Der ist zwar streng genommen kein richtiger Skateplatz, aber ein idealer Treffpunkt. Nach der heftigen Debatte im Herbst 2019, ob die Betonpoller, die den Skater*innen als Rampen dienen, mit Holz verkleidet und zu Sitzbänken umgebaut werden sollen, ist Luca froh, dass den Skater*innen ihr Territorium schließlich doch erhalten bleibt.

Anrainerprobleme gibt es häufig, vor allem beim „Streetskaten“, also beim Skaten an öffentlichen Orten, die nicht als Skateplätze oder -parks gelten. Nicht selten wird auch die Polizei gerufen, welche die Skater*innen vom Platz verweist.

Skaten heißt Freiheit

Zu Skaten heißt für Luca nicht unbedingt zu trainieren. „Man wird besser, weil es Spaß macht, nicht weil man es forciert“, drückt er es aus. Skaten bedeutet für ihn die Freiheit, verschiedene Sachen auszuprobieren und dem Alltag zu entkommen. Immer dabei: seine Skatergang. „Mit meinen Freund*innen, mit unseren Boards wohin zu fahren, das schöne Wetter genießen – das ist der perfekte Tag für mich“, erzähl er. Luca Yolande skatet, wenn möglich, jeden Tag.

Die Herausforderung beim Skaten: „Man hat nie die 100-prozentige Kontrolle. Egal, wie gut man ist, das Risiko sich zu verletzen, besteht immer“, warnt der Skater. Seine schlimmste Verletzung war ein Bruch des Sprunggelenks – dies passiert häufig bei Skater*innen. Nach dem Unfall hat Luca die Skateszene zunächst gemieden, hielt es aber nicht lange ohne aus. Grundsätzlich kenne er seine Grenzen ziemlich gut und meide Tricks, bei denen er sich wirklich schlimm verletzen könnte. „Blaue Flecken habe ich allerdings immer“, lacht er. Andere häufige Verletzungen sind Bänderrisse oder Handgelenksbrüche durch eine falsche Landung.

Sein Board wechselt er teilweise täglich. Es hält höchstens einen Monat. „Es kann passieren, dass du ein neues Board anschraubst, die Spannung noch zu hoch ist und es bei der ersten Landung reißt. Das Schlimmste wäre ein Achsenbruch“, erklärt Luca. Seine Schuhe wechselt er bis zu zweimal im Monat. Diese werden vom Bremsen und „Flippen“, also den Stunts mit dem Board, schnell löchrig.

Im Winter ist es draußen zu kalt fürs Skaten, der Schotter am Gehsteig, Schnee und Nässe sind ebenfalls hinderlich. Durch Covid sind die Skate-Hallen geschlossen, da heißt es kreativ sein. Mit ein paar Freund*innen hat Luca daher die Lagerhalle eines Ateliers in der Nähe seines Wohnbezirks, unter anderem mit selbst gebauten Rampen, zu einem Skatepark umfunktioniert.

Luca mit seinem Skateboard im Grazer Stadtpark – Foto: Veronica Holl

Zeitaufwand für einen Trick

Ein Durchschnittsmaß, das beschreibt, wie lange es dauert einen Trick zu lernen, sei schwer zu bestimmen. Das sei von Mensch zu Mensch und von Trick zu Trick unterschiedlich – manche seien nach vorne, andere nach hinten gelastet. Der Wille sei entscheidend: Wie stark setzt man sich dahinter? Wie oft übt man den Trick? „Es kann passieren, dass du einen Trick tagelang versuchst und scheiterst. Eine Woche später funktioniert er dann auf Anhieb“, so der Skaterboarder. Stolz ist Luca auf alle seine Tricks. Wie viele das sind, kann er nicht sagen. Es gebe zu viele unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten. Oft probiert Luca auch einfach Neues aus, was ihm besonders Spaß macht. Seine Lieblingstricks: Big Spinn und Back Smith, den man hier auch auf seinem Insta-Profil sehen kann.

Tipps für Anfänger*innen

Eine Botschaft hat der Profi für alle Skate-Anfänger*innen: „Es macht einfach Spaß. Es ist normal, wenn man am Anfang verzweifelt. Es ist schwer, aber es lohnt sich, durchzuhalten. Mit der Zeit wird man besser. Der Spaß daran: immer Neues zu lernen. Skate-Ikone Tony Hawk skatet seit 38 Jahren und lernt wahrscheinlich auch immer noch dazu.“

Bevor man sich als Skate-Anfänger*in allerdings an größere Stunts wagt, sollte man einmal lernen, Boardgefühl und die nötige Balance zu entwickeln. Geradeaus fahren, lenken, Schwung holen, stabil am Board stehen. Es braucht viel Geduld und Übung. Anfängertricks sind Ollies und Kickflips, dabei springt der Skater*in in die Luft und dreht dabei das Board.

Skate-Ikonen

Über seine Skate-Idole könnte Luca ewig reden. Ein paar wenige: Aisha Dwair, Robert Neal und Zac Zarancino. Er bewundert vor allem die Art, was sie machen und wie sie es machen: das Gefühl fürs Board, die Balance, die Leichtigkeit.

Dass Skaten bei Olympia zur Meisterschaft werden soll, sieht Luca skeptisch. Das Bewertungssystem würde er nicht verstehen, da es so viele Kriterien gebe, auf die man achten müsse. Außerdem sieht er Skaten nicht als Wettkampfsport. „Manche Skater*innen fahren durchs ganze Land, von Contest zu Contest. Ich könnte das nicht – unter Druck skaten. Wo bleibt da der Spaß?“

 

Titelbild: Ausschnitt Instagram-Profil @theblacknatter

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