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„Im Lend haben keine Nazis Platz“

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Die Initiative „Kein Platz für Nazis – Nicht im Lend und nirgendwo sonst“ fordert die Bewohner auf, „wehrhaft“ gegenüber Nazis zu sein. Grund dafür sind angebliche Übergriffe durch Rechtsextremisten. Doch die Urheber der Initiative geben sich nicht zu erkennen.

Von: Nico Lang, Sarah Kowatschek

In letzter Zeit entdeckt man immer häufiger Sticker und Bierdeckel mit dem Aufdruck Kein Platz für Nazis überall im Lend verteilt. Laut der dazugehörigen Seite https://keinplatz.noblogs.org/ gebe es seit einigen Monaten eine Gruppierung von Schläger-Hooligans, die sich als Nazis zu erkennen gäben. „Mehrere Nazis kommen in eine Pizzeria im Lend, ziehen sich dort alpen-donau boxing T-Shirts an und bedrängen das Personal rassistisch und nationalistisch.“ So beschreibt die Seite die Situation, wie sie im Februar gewesen sei. Sie würden Unruhe in Lokalen stiften. Eines Nachts sei es sogar zu einem körperlichen Angriff auf einen Lokalbesucher gekommen, heißt es auf der Seite. Die Gruppe stamme aus dem Umfeld der früheren Neonazi-Website alpendonau.info. Im Sommer habe sich die Lage verschärft, heißt es weiter, täglich seien Gäste und Personal rassistisch und nazistisch bedrängt worden. Von einem „allnächtlichen Bedrohungsszenario“ ist die Rede.

Doch wer steckt hinter der Initiative, was ist genau passiert und ist es auch in anderen Lokalen zu Übergriffen gekommen? Bei der Recherche ergeben sich einige Ungereimtheiten.

Der Gründer möchte nicht erkannt werden

Auf der Website wird dazu aufgerufen, sich offen und aktiv gegen Nazis zu stellen, bevor sie das Viertel für sich beanspruchen würden. Des Weiteren findet man die Druckvorlagen zu den Bierdeckeln und dem Logo der Initiative. Doch ein Impressum oder einen Namen des Gründers der Initiative sucht man vergeblich.

Laut der Von Unten-Redaktion des Grazer Radio Helsinki, die einen längeren Beitrag zu der Initiative gestaltete, sind Angestellte als „Türke“ und „Hebräer“ beschimpft worden. Außerdem erzählt ein Mitarbeiter der Redaktion, der anonym bleiben möchte, er habe einen Übergriff der Neonazis selbst mitbekommen. Ein bekennender Nazi habe sich von einem betrunkenen Barbesucher provoziert gefühlt und diesen aufgefordert, er solle vor die Tür mitkommen. Der Mann sei nach draußen gewackelt, wo der andere bereits seine Jacke ausgezogen habe, darunter das alpen-donau boxing T-shirt. Kaum war der Betrunkene bei der Tür draußen, habe der andere ihn ins Gesicht geschlagen. Eine gebrochene Nase sei das Resultat gewesen, der Neonazi sei geflohen. Auf die Frage, warum sie nicht die Polizei gerufen hätten, lautet die vage Antwort: Das habe keinen Sinn.

Wer der Urheber ist, will oder kann auch die Von Unten-Redaktion nicht sagen. An sie sei nur ein Kellner der Pizzeria Contra Punto herangetreten.

„Auf einmal war er da, schirch hingeklebt, wir haben ihn dann nochmal schön aufgehängt“, sagt Maria Reiner, Leiterin des Annenviertel-Büros, in deren Büroauslage ebenfalls ein Sticker zu finden ist. „Aber die Botschaft stimmt!“ Auch die Lokalbesitzer des English Pub Running Horse und des Café Centraal können keine nähere Auskunft geben, nur so viel: Jemand von der Pizzeria Contra Punto habe die Bierdeckel verteilt. Der Chef der Pizzeria zeigte sich auf Annenpost-Anfrage anfangs sehr kooperativ, doch bei genauerer Nachfrage wollte er keine näheren Informationen preisgeben. Alle Hinweise führen jedoch zu Contra Punto. Auch im Blog ist von Übergriffen in einer Pizzeria die Rede.

Auch in der Auslage des Annenviertler Büros war der Zettel plötzlich da. – Foto: Sarah Kowatschek

Überzeugte Teilnehmer sehen anders aus

Der Kein Platz für Nazis – Sticker vom Café Centraal ist wieder abgenommen worden. Die Bierdeckel benutzt das Lokal aber, ganz im Sinne von „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“. Von Übergriffen weiß die Besitzerin des Cafés nichts. Im Centraal habe es keine gegeben. Jeder habe das Recht, sein Bier zu trinken, wann und wo er wolle, solange er niemandem dabei schade. Es hätte aber einmal einen Übergriff in die andere Richtung gegeben. Dabei habe eine Frau einem friedlichen Gast vorgeworfen, er sei ein Identitärer, und gefordert, er solle sofort aus dem Lokal geworfen werden. Der Streit konnte beglichen werden.

Abenteuerlustige Chaosregentin. Ohne Musik, Sport und Büchern nicht überlebensfähig. Das Jahr in Spanien hat seine Spuren hinterlassen.

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