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Traumberuf Feuerwehrfrau

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Rund 50.000 Feuerwehrleute sind bei den steirischen Feuerwehren im Dienst. Knapp 2.000 davon sind Frauen. Keine von ihnen ist bei der Grazer Berufsfeuerwehr. Doch warum ist das so?

30 Meter gilt es zu besteigen
30 Meter hoch in zwei Minuten – bei der Feuerwehr ist auch Schwindelfreiheit gefragt.

Ein lauter Gong unterbricht den Redner. Im Publikum herrscht Stille, über 200 Köpfe drehen sich in eine Richtung, einzig die Durchsage des folgenden Einsatzbefehls für eines der Feuerwehrfahrzeuge hallt durch den Raum. Ein Löschfahrzeug wird zu einem Einsatz in die Wienerstraße alarmiert. Sieben Feuerwehrmänner laufen von der Rutsche kommend in die Fahrzeughalle. Sie ziehen sich ihre Schutzhose über, die Schutzjacke und der Helm werden am Weg zum Fahrzeug übergezogen. So schnell wie sie aufgetaucht sind, verschwinden sie mit ihrem Fahrzeug in Begleitung von Blaulicht und Sirene auch wieder. Für Christina – die in diesem Stadium der Bewerbung unter geändertem Namen genannt werden möchte – nichts Neues, ist sie doch in ihrer Karriere bei der Freiwilligen Feuerwehr schon unzählige Male im Feuerwehrfahrzeug gesessen.

Bei der Informationsveranstaltung am Lendplatz blieb kein Platz frei.
Bei der Informationsveranstaltung am Lendplatz blieb kein Platz frei.

Die 25-jährige Büroangestellte sitzt neben 200 anderen bei einer Informationsveranstaltung in der Fahrzeughalle der Grazer Berufsfeuerwehr am Lendplatz. So wie ihre großteils männlichen Kollegen möchte sie ihr Hobby zum Beruf machen. Sie will die erste Berufsfeuerwehrfrau von Graz werden. Den Aufnahmetest hat sie bereits einmal probiert: „Bei meinem ersten Versuch hatte ich ein völliges Blackout, ich weiß bis heute nicht warum.“ Ein Grund mehr, es dieses Jahr erneut zu versuchen, findet sie. Für Christina ist es eine Chance, sich in einem männerdominierten Beruf zu beweisen. Mit der Freiwilligen Feuerwehr ist sie schon seit mehreren Jahren eng verbunden, sie sieht es als einen Ausgleich zu ihrem jetzigen Beruf. Die Idee, einer Feuerwehr beizutreten, ist jedoch spontan entstanden und begleitet sie seither jeden Tag ihres Lebens: „Mir waren schon immer ehrenamtliche Tätigkeiten sehr wichtig. Durch Freunde bin ich zur Freiwilligen Feuerwehr gekommen. Die Berufsfeuerwehr hat einfach was Anziehendes, sie ist die Königsklasse.“

Bei der letzten Aufnahmeprüfung im November 2012 versuchten nur fünf Frauen, die Strapazen des Aufnahmetests zu überwinden. Es galt neben Streckentauchen, Schwimmen, Laufen, Drehleiterbesteigen und einem Hindernislauf auch Klimmzüge zu absolvieren. Auch in Linz wurden im Jahr 2014 alle zehn Bewerberinnen abgewiesen. In den Landeshauptstädten Wien und Innsbruck sind Frauen zwar im aktiven Dienst, jedoch eher die Ausnahme.

Neuer Aufnahmetest für ganz Österreich
Bis dato gab es bei den sechs Berufsfeuerwehren jeweils eigene Aufnahmetests. Ab jetzt nur mehr einen. Ab jetzt wird jede Kategorie nur mehr mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet, ebenso entfallen die gefürchteten Klimmzüge.

Einer Forderung von Gleichbehandlungsbeauftragte Patricia Kurt-Khattab wurde damit nicht Rechnung getragen: Unterschiedlichen Aufnahmekriterien für Frauen und Männer bei der Aufnahmeprüfung, ganz dem Beispiel der Polizei und des Bundesheeres folgend. Dieser Ansatz hat bereits mehrfach für Aufregung in der Feuerwehrwelt gesorgt, auch Christina ist skeptisch: „Ich muss mich ja auch noch mit einem schweren Atemschutzgerät irgendwo raufziehen können oder laufen, da müssen die Kriterien nun mal etwas härter sein. Und so eine komplette Ausrüstung hat dann doch knappe 25 Kilo.“

Auch Frauen tragen schweren Atemschutz
Auch Frauen tragen schweren Atemschutz.

Test auf Schwindelfreiheit
Im Hof der Berufsfeuerwehr am Lendplatz sind einige der Stationen des körperlichen Eignungstests aufgebaut, um den Anwesenden einen genauen Überblick über die Herausforderungen zu bieten. Für Christina sind keine Neuerungen dabei, sie kennt diese Übungen bereits vom Training für ihren ersten Aufnahmeversuch. Mehrere Teilnehmer versammeln sich jedoch um die aufgestellte Drehleiter und blicken ehrfürchtig auf das Ziel: den sich in 30 Metern Höhe befindlichen Korb. In 120 Sekunden müssen die Bewerber nach oben klettern – weniger ein körperlicher Test als eine Überprüfung der Schwindelfreiheit bei Arbeiten in 30 Metern Höhe und darüber.

Auch wenn die meisten Interessenten bei der Infoveranstaltung männlich waren: Frauen seien auch bei der Feuerwehr wichtig und willkommen, hieß es in Richtung der acht anwesenden Damen.

 

Das Ziel aller BewerberInnen: Ein Platz im Einsatzfahrzeug.
Das Ziel aller BewerberInnen: Ein Platz im Einsatzfahrzeug.

 

[box]Aufnahmeverfahren Berufsfeuerwehr

Schriftlicher Test

Körperlicher Eignungstest

Schwimmtest

Ärztliche Untersuchung

Aufnahmegespräch

 

Die genauen Anforderungen finden Sie hier:
Aufnahmekriterien der Berufsfeuerwehr Graz

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Seine Leidenschaften sind die Stadtfeuerwehr Leibnitz sowie diverse Aktivitäten mit Freunden. Beschreiben kann man ihn als direkt und hilfsbereit, zudem ist Michael ein sehr humorvoller Mensch. Seine Zukunft sieht der Leibnitzer im Sportjournalismus.

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