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„Eine Wissenschaft für sich“

in VIERTEL(ER)LEBEN von
„Das Krippenaufstellen ist immer eine Wissenschaft für sich!“, erzählt Pater Petru Farcas von der Pfarre Graz-Mariahilf. Alexander Gollner, der „Krippenbeauftragte“ für die Mariahilferkirche, beherrscht diese Wissenschaft. Während viele noch den perfekten Christbaum aussuchen oder fleißig Vanillekipferl backen, macht er sich am 23. Dezember routiniert an die Arbeit.
 
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Dem „Krippenbeauftragten“ Alexander Gollner bereitet das Ausfstellen der geschnitzten Holzfiguren (Hintergrund) trotz hohem Zeitaufwand große Freude © Paul Krisai

Bereits zum elften Mal kümmert sich der junge Grazer in der Weihnachtszeit um das Aufstellen und Dekorieren der Kirchenkrippe. Die Aufgabe wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, denn schon als Kind hat er in der Kirche mitgeholfen. „Ich bin quasi hier aufgewachsen.“ Seine Mutter ist Pfarrsekretärin, sein Vater singt im Chor. Vor einiger Zeit, er kann sich selbst nicht mehr genau erinnern wann, hat er begonnen, dem alten Pfarrer beim Aufstellen der Krippe zu helfen. Und so wurde ihm von Jahr zu Jahr mehr Verantwortung zugetraut, bis er die Aufgabe schließlich ganz übernahm. „Manchmal denkt man sich schon, dass es sehr viel Zeit kostet. Aber wenn es mir keine Freude bereiten würde, würde ich’s nicht tun.“

Den unscheinbaren Seitenaltar auf der rechten Seite verwandelt Alexander Gollner zu Weihnachten in die Landschaft von Betlehem. Zuerst stellt er ein Grundgerüst auf, das mit Moos dekoriert die Landschaft bildet und alle Figuren tragen wird. „Die grobe Struktur sieht jedes Jahr gleich aus.“, erklärt Gollner. Mehr Spielraum lasse das Anordnen von Maria, Josef und Co. Auch wenn ein Großteil der Pfarrgemeinde möchte, dass alle auf ihren gewohnten Plätzen wie im Vorjahr stehen, kann es auch mal vorkommen, dass Kasper mit Melchior den Platz getauscht hat. Rückmeldungen bekommt der Krippenmeister jedes Jahr, meist positive, selten auch Verbesserungsvorschläge.

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Das Jesuskind legt Alexander Gollner erst bei der Christmette auf seinen Platz © Paul Krisai

Nach vier bis fünf Stunden Aufbauzeit ist die Arbeit jedoch noch nicht erledigt – an bestimmten Feiertagen kommen weitere Figuren dazu und es werden alte ausgetauscht. Von der Heiligen Maria beispielsweise gibt es drei verschiedene Schnitzereien in unterschiedlichen Szenen, die abwechselnd aufgestellt werden. Eine Maria hält das Jesuskind im Schoß, eine andere hält das Kind zum Himmel hoch. Am Dreikönigstag treten dann Kasper, Melchior und Baltasar auf.

Wie alt die über einen halben Meter großen, geschnitzten Holzfiguren genau sind, weiß Alexander Gollner nicht. Vor einigen Jahren wurden sie von Mitarbeitern des Diözesanmuseum restauriert. Sie haben zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel – hier und dort fehlt ein Finger oder zwei – jedoch sind sie Gollner sehr ans Herz gewachsen. „Man schaut schon auch, wenn man in andere Kirchen kommt“, schmunzelt er. Seine traditionellen Figuren würde er dennoch nicht gegen moderne, neue austauschen.

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Einmal im Jahr wird die Glasvitrine mit den geschnitzten Holzfiguren geöffnet © Paul Krisai

Anfang Februar heißt es aber wieder Abschied nehmen von der Krippe. Vorsichtig stellt Gollner die Figuren zurück in eine Glasvitrine in der Sakristei, wo sie über das Jahr aufbewahrt werden. Auch das Zubehör wird verstaut. „Das Abbauen geht eh schneller, da mehr Leute mithelfen“. Sind alle Figuren an ihren Plätzen, versperrt er die Vitrine. Nur der Pfarrer und die Ministranten, die in die Sakristei gehen, können die Figuren 365 Tage im Jahr bestaunen.

Text: Anna Eberharter und Christoph Wünscher

Christoph Wünscher ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Nicht nur, dass er als angehender Journalist und Annenpost-Redakteur keinen Kaffee trinkt, er liebt es auch Musik aus den 60er und 70er Jahren zu hören. Einer seiner größten Träume wäre es einmal Woodstock miterlebt zu haben. Seine Zukunft sieht er im Radio- und Fernsehjournalismus.

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