Raum für One Night Stands

in KULTUR von

Seit 20. September gastiert der steirische herbst im Ex-Zollamt. Und erobert damit Raum in Graz zurück, der sonst ein wenig im Abseits liegt. Das Künstlerinnenduo Resanita passt da ausgezeichnet ins Programm. 

Ein altes verlassenes Zollgebäude, die Pin-Up-Bilder noch aus vergangenen Zeiten an der Innenseite der Eingangstür. Statt geschmuggelter Zigaretten findet man in der Halle des früheren Zollamts nun eine Bar und zwei Ausstellungen, am Gelände wuchern Sommerflieder und Götterbäume. Mitten in dieses nachindustrielle Ensemble in Grazer Randlage haben die Landschaftsarchitekten des Berliner atelier le balto „schwebende Glashäusern“ gesetzt, die nachts auch leuchten.

Ex-Zollamt - Das diesjährige Festivalzentrum des steirischen Herbst
Ex-Zollamt – Das diesjährige Festivalzentrum des steirischen Herbst

In  Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum „Explosiv“ hat das Team des steirischen herbst ein vielfältiges Programm unter dem Thema „Liaisons dangereuses“ zusammengestellt und präsentiert dabei „gefährliche Beziehungen“ aller Art. Im Rahmen des Programms laden die Veranstalter jeden Samstag zu einem „One Night Stand“ ein. Was sich in diesem Fall eindeutig anhört, ist aber anders zu verstehen: Zwei Künstler, die bisher nicht miteinander gearbeitet haben, werden einen Abend gemeinsam gestalten. Ohne Absprache über den Verlauf, offen für Überraschungen und besondere Momente.

Am 5. Oktober ist dazu auch das Grazer Künstlerduo „Resanita“ –  Resa Pernthaller und Anita Fuchs – eingeladen. Gemeinsam mit den Architekten des Festivalzentrums wollen sie Menschen zusammenbringen und versuchen, durch gemeinsame Arbeit einen Bezug zu vergangenen Gewohnheiten herzustellen.

Resa Pernthaler im Gespräch
Resa Pernthaler im Gespräch

Wie der steirische herbst mit seinem Zentrum versuchen auch Resanita  mit ihrer Arbeit neuen Raum zu eröffnen und die Menschen zu erreichen. Pernthaller erklärt, ihr Ziel sei es, Graz ein wenig schöner zu machen und „Plätze ins Licht zu rücken, die immer da waren, denen jedoch keine Beachtung geschenkt wurde“. 2006 eröffnete sie mit ihrer Partnerin Anita Fuchs in der ehemaligen Konditorei Preinsack am Südtiroler Platz das erste „Spontanlokal“ von vielen, in denen sie Themen ansprechen, die Menschen genauso betreffen, wie die Künstlerinnen selbst. Unter der Hauptbrücke an der Mur richteten sie einen Treffpunkt für unglücklich Verliebte ein. Seitdem haben sie an vielen Plätzen, vor allem im Annenviertel, versucht, Kunst zu machen, die nicht nur das Kunstpublikum anspricht. „Das Annenviertel hat einfach eine andere Stadtkultur“, erklärt Anita Fuchs auf die Frage, warum sie so gerne hier in der Umgebung arbeitet.

Bis 13. Oktober bietet sich noch die Möglichkeit, Einblick in das Ex-Zollamt zu bekommen. Anschließend wird ein Großteil der Einrichtung verkauft. Gut möglich, dass der steirische herbst auch diesmal, wie jedes Jahr, bestimmte Einzelstücke hinterlässt, die an das Festival erinnern.

[box]Zu sehen sind Resanita gemeinsam mit den Landschaftskünstlern atelier le balto am Samstag, den 5.10.2013 um 18:00 Uhr im Ex-Zollamt.[/box]

Von Josef Hinterhölzl, Marion Kirbis, Theresa Hartlauer, Sandra Gloning

Jahrgang 1993. Fotografiert, schaut Film und lauscht den Tönen elektronischer Musik auf alten Vinyl-Platten. Mountainbike im Sommer, Snowboard im Winter und Kletterwände zwischendurch. Texten, Sprechen und Praktizieren als „Journalismus und Public Relations“-Student, „thegap“-Autor und „Annenpost“-Blogger. Ehemaliger Wahl-Wiener sowie international Reisender. Abfahrt OÖ, Ankunft Graz.

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