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Wir fragen uns

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Nach intensiven Bau- und Umgestaltungsarbeiten zeigt sich die Annenstraße dieses Wochenende in neuem Kleid. Ein neues Verkehrskonzept, breitere Gehsteige, hellere Straßenbeleuchtung und eigenwillig verlegte Granitplatten zählen zu den augenscheinlichsten Veränderungen. Aber ist die Neugestaltung auch geglückt? Ihr habt uns in den letzten Tagen eure Fragen zur Neugestaltung auf Facebook geschickt, wir haben diese und weitere, die uns beschäftigen, an die Verantwortlichen weitergeleitet. Aber trotzdem fragen wir uns…

1. Frau Reis, wir fragen uns: Wofür genau wurden die 8,3 Millionen Euro für die Neugestaltung eigentlich ausgegeben?

1 Million wurde von der Abteilung für Verkehrsplanung in Begleitmaßnahmen (unter anderem Baumpflanzungen in der Methahofgasse, Radweg in der Orpheumgasse) investiert. 7,3 Millionen gingen an die Baudirektion. Davon wurden 300.000 Euro als Begleitbudget einberechnet, für Baustellenmarketing, Flohmärkte, neue Weihnachtsbeleuchtung et cetera. Da haben wir nicht alles ausgegeben, aber vieles. Cirka 5 Millionen Euro sind reines Baubudget, der Rest ist für Verkehrsschilder, Ampeln, Licht und vieles mehr.

Simone Reis, Stadtteilmanagement Annenviertel

Und jetzt wir fragen uns: 2 Millionen Euro für Verkehrsschilder, Ampeln und neues Licht? Wären da nicht auch ein paar schattige Bäumchen drin gewesen?

Klar, es war mehr Geld als am Symbolfoto - aber was genau ist damit geschehen?  © Lucas Kundigraber
Klar, es war mehr Geld als am Symbolfoto – aber was genau ist damit geschehen?

2. Herr Werle: Warum gibts nur auf den Plätzen Grün, in der Annenstraße selbst aber nicht?

Wo es möglich war, sind Bäume gepflanzt worden, insgesamt 35 Stück, nicht so wenig also. Aufgrund der Leitungsträger für Fernwärme, Strom und Wasser unter den Gehsteigen und den Oberleitungen kann man keine Bäume in der Annenstraße pflanzen.

Bertram Werle, Stadtbaudirektor

Und jetzt fragen wir uns: Oberleitungen kann man nicht erhöhen? Leitungen liegen unter allen Gehsteigen? Unverrückbar und für immer? Warum gibt es dann überhaupt Bäume in Städten?

3. Frau Reis: Warum konnte man nicht weitere begrünte Inseln – wie die existierenden gelben Blumentröge der Urban Gardening-Aktion – installieren?

Pflanzentröge waren im Gestaltungskonzept des Architekten nicht vorgesehen. Bei der Holding, die die Pflege übernimmt, sind solche Tröge nicht sehr beliebt, weil die sehr pflegeaufwendig sind. Es ist fast unmöglich alle zu pflegen, damit das auch ständig schön aussieht.

Simone Reis, Stadtteilmanagement

Und jetzt fragen wir uns: Klar, dass die Architekten schuld sind! Trotzdem: Sind Kräuter und Paradeisstauden in der Annenstraße wirklich pflegeintensiver als die liebevoll bepflanzten Blumenbeete am anderen Murufer?

Wo sind Bäume, Büsche und Pflanzen? © Lucas Kundigraber
Wo sind Bäume, Büsche und Pflanzen?

4. Herr Burkart-Hofer: Wie verhält sich ein Radfahrer gesetzeskonform in der Annenstraße?

Stadtauswärts ist der Radfahrstreifen klar markiert. Im Bereich der Kaphaltestelle (Anm.: dem Gehsteigniveau angeglichene Fahrbahn) Roseggerhaus stadteinwärts besteht keine Benützungspflicht der angehobenen Fahrbahn, man kann mit dem Rad auch im Bereich der Straßenbahnschienen fahren.

Johannes Burkart-Hofer, Stadtbaudirektion Graz

Und  jetzt fragen wir uns: Stadtauswärts sind am Roseggerhaus zwei Radwege parallel markiert. Ist das wirklich „klar“?

5. Frau Reis: Warum sind Fahrradständer nur auf einer Seite der Annenstraße montiert?

Es gibt Fahrradständer auf beiden Seiten, nur unterschiedlich verteilt. Richtung Lend ist der Gehsteig sehr breit, deswegen hat man da mehr. Für das Annenhofkino sind auch noch welche vorgesehen.

 Simone Reis, Stadtteilmanagement

Und jetzt fragen wir uns: Sind ganz schick, die neuen Radständer. Aber wie viele unterschiedliche Modelle gibt es inzwischen eigentlich in Graz?

Werden noch mehr Fahrradständer montiert? © Lucas Kundigraber
Werden noch mehr Fahrradständer montiert?

6. Herr Pichler: Muss der Müllstaubsauger und der damit verbundene Lärm spät in der Nacht sein?

Wir werden schauen, ob wir den Müllstaubsauger leiser machen können, und warum der so laut ist. In der Nacht müssen wir aus organisatorischen Gründen unterwegs sein – ansonsten würden wir die Straßenbahn blockieren.

Gerald Pichler, Konzernsprecher Holding Graz

 7. Herr Lozinsek: Wird in Zukunft mehr Ordnungswache in der Annenstraße patroullieren?

Ordnungshüter werden nach Schwerpunkten in Graz aufgeteilt, darunter auch in der Annenstraße. Wenn wir Anrufe von Bürgern bekommen, die in unsere Zuständigkeit fallen, dann wird Ordnungswache in die jeweiligen Gebiete entsendet. Momentan ist das aber nicht der Fall.

 Alexander Lozinsek, Ordnungswache Graz

Und jetzt fragen wir uns: Die Ordnungswache kommt echt nur, wenn sie gerufen wird?

8. Herr Bürgermeister: Wird durch die Neugestaltung auch der wirtschaftliche Aufschwung kommen?

Ja selbstverständlich! Eigentlich hat der auch schon stattgefunden. Es haben so manche Häuser den Besitzer gewechselt, es werden manche Häuser schon saniert, Fassaden werden gestaltet. Ein gutes Beispiel, wie man im Bereich der Integration arbeiten kann – wir wollen eben keine Ghettoisierung.

Siegfried Nagl, Bürgermeister

Und jetzt fragen wir uns: Was haben Hausfassaden mit Integration zu tun?

9. Florinda Ke Sophie, wir fragen uns: Werdet ihr den neuen, extrabreiten Gehsteig irgendwie nutzen?

Dürfen wir das überhaupt? Das ist die Frage. Aber ich würde gerne eine Skulptur aufstellen, die fix installiert wäre. Kunst schafft Räume, durch die sich Menschen dynamisch durchbewegen müssten. Welche Skulptur? Ich hätte gerne einen Elefanten. Komischerweise.

Künstlerin Florinda Ke Sophie hat sich auf das Malen von Panthern spezialisiert. Dennoch hätte sie gerne einen Elefanten
Künstlerin Florinda Ke Sophie, Galerie Blaues Atelier, hat sich auf das Malen von Panthern spezialisiert. Dennoch hätte sie gerne einen Elefanten

Fotos (bis auf letztes) © Lucas Kundigraber

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5 Comments

  1. danke für die suche nach antworten!

    das radfahren ist trotzdem nicht ganz so klar, interessanterweise hab ich es heute ausprobiert – dort zu fahren wo die wege eingezeichnet sind – ein fussgänger hat mich etwas scharf angeredet warum ich auf dem gehweg fahre – tja die breiten gehwege schauen halt nicht aus wie radwege, wies aussieht!

    bei einigen Antworten musste ich fast schon lachen: wenn man gefragt wird ob die neugestaltung einen aufschwung bringt würde ich ehrlich gesagt eine andere antwort erwarten – ich finde die antwort verfehlt – sie hat im grund nichts mit der frage zu tun.

    danke jedenfalls fürs rausfinden

  2. Diese Heuchelei in den Antworten der Stadtverplaner[m/w] und Oberplaner[m/w] bis Oberhäupter[m/w] ist absolut wehtutend, eine Katastrophe für die Bewohner und Besucher einer „ex-Kulturhauptstadt“, verlogen;
    einfach „Lobbysten“ sind sie alle, hoch bezahlt, um das Volk, Österreicher und Neoösterreicher einzulullen.

    Der billigste Anbieter erhält die Aufträge und…, siehe Schmiedgasse oder z. B. Hans-Sachs-Gasse: schwarze Teerflecken zwischen wackeligen Betonplatten –
    – und was nun:
    diese Herren und Damen gehören GETEERT und GEFEDERT [„Falschspieler und Pferdediebe“] als Kunstprojekt in der Annenstraße.

    „Schön“ ist dieser Teerstrich ohne jedes Grün in der Annenstraße?
    NEIN! Dieser ist häßlich und b i l l i g s t , eben „Vorstadt“ und Ghetto für Neoösterreicher und Restösterreicher!
    Bald kommt die Stadtwache (tragen diese Totengräberuniformen?) und bald haben wir Alkoholverbot…
    Doch wir haben nun ein „goldenEye“ am Beginn der Annenstraße, dessen Farbe nur vom Hubschrauber aus zu sehen ist…, welche eine Ironie für die Menschen, die nun weiter zum Bahnhof oder retour eilen müssen, rauf und runter…, über eine Platz: G R A U!
    Ohne Wasserspringbrunnen, ohne Wasserfontainen für die Besucher der „ex-Kulturhauptstadt“, einfach billig und „zeitlos“: die Bahnhofsuhr wurde ja verbaut, oder handelt es sich um eine Fehlplanung, Gedankenlosigkeit der Täter[m/w] hinter den Schreibtischen?

    Es wird höchste Zeit, daß wir, die zahlenden Bewohner, entscheiden und nicht mehr der Herr und die Frau hinter den Schreibtischen.

  3. Warum nicht einfach diese „Und jetzt fragen wir uns“-Fragen an die InterviewpartnerInnen selbst stellen? Besonders bei der Antwort des Herrn Nagl hätte man nachhaken können.

    • Die abschließenden „Und jetzt fragen wir uns“-Fragen sind eher als Kommentar zu verstehen. Die Antwort des Herrn Nagl auf die Frage, was Integration denn mit Hausfassaden zu tun hat, hätte den Rahmen dieses Beitrages gesprengt und wäre auch für das Format dieses Beitrages nicht passend gewesen. So richtig schlau wurde man jedoch aus den weiteren „Antworten“ des Bürgermeisters auch nicht… 😉

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