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Wie aus steirischem Grün italienisches Türkis wurde

Puch. Eine Marke, die den Radsport in Österreich prägte und heute bei vielen Alltagsradlern beliebt ist, wird neu aufgelegt. Wo die steirische Schmiede begann und was heute aus ihr geworden ist.

Von Christoph Berger-Schauer

 

Gebückte Haltung. Die Hände am Unterlenker. Das rechte Hosenbein hochgekrempelt. Zum Schalten wandert die Hand umständlich ans Unterrohr. Man erkennt sie sofort, diejenigen, die auf einem alten Rennrad durch das Annenviertel flitzen.

Puch Mistral
Früher ein Garant für Rennerfolge: Puch Mistral.

Viele von ihnen sind dabei auf einem Rad unterwegs, das den Schriftzug der Marke Puch trägt. Vorzugsweise von Opa vererbt und meist in den 1970er oder 1980er Jahren hergestellt. Es muss jedoch nicht immer die sportliche Variante sein: auch zahlreiche Damen- und Stadträder brachte die Grazer Firma im späteren 20. Jahrhundert unter die Leute. Ab den 90er Jahren wurde es allerdings ruhig um die steirische Traditionsmarke.

Puch Bikes Reloaded

Die erfreuliche Nachricht für alle Nostalgiker: seit März 2012 glänzt eine neue Palette Puch Räder bei über 90 Händlern in Österreich in den Auslagen. Vier Urban Bikes – wie man heute sagen würde – und fünf E-Bikes werden angeboten. Namen wie „Sprint“ und „Dienstmann“ verweisen auf die lange Tradition, das Elektrobike „Kraftlackl“ sorgt für lokale Identifikation.

Puch Sprint 2012
Neu aufgelegt: das Puch Sprint.

Dabei haben die neuaufgelegten Puch-Räder nur wenig mit den Originalen von einst gemeinsam. Wollte man pingelig sein, so bliebe eigentlich nur der Markenname. Denn 1928 fusionierte Puch mit Austro-Daimler, von denen die Marke 1987 an den Fahrradhersteller Bianchi nach Italien verkauft wurde. Dabei konnte noch 1980 ein Produktionshöhepunkt von 310.000 hergestellten Fahrrädern erreicht werden. Ein Jahrzehnt später übernahm der schwedische Konzern Cycleeurope Bianchi, inklusive der Markenrechte für Puch.

Dass beim neugestalteten Puch-Logo ein Synergieeffekt genutzt wurde, fällt sofort ins Auge: wo einst kräftiges steirisches Grün erstrahlte, ziert nun Türkis das Logo – die Markenfarbe von Bianchi. Bereits 2005 hatte Cycleeurope die Marke Puch für den belgischen und französischen Markt wiederbelebt. Nun konnte sich die Josef Faber GmbH – Generalimporteuer zahlreicher italienischer Zweiräder mit Motorisierung – die Exklusivvertriebsrechte für Puch in Österreich sichern und für 2012 erstmals ein eigenes Sortiment präsentieren. Produziert wird weiterhin in Frankreich – der Österreich-Bezug beschränkt sich auf Vertrieb und Historie.

Strauchergasse
Hier in der Strauchergasse begann Johann Puch seine Fahrradproduktion.

Start am Volksgarten

Dabei hatte die Kultmarke feste Wurzeln im grünen Herzen Österreichs. Die Gründung nahm Johann Puch 1889 mitten im Annenviertel vor. Ein Glashaus am Volksgarten (heute im Bereich Strauchergasse 12) diente der „Fahrradfabrikation Strauchergasse 18a“ als Werkstatt. Das Annenviertel florierte in der Hochzeit des Drahtesels übrigens prächtig: beim Grazer Radpionier Benedict Albl am Lendplatz sammelte Puch Mechaniker-Erfahrung, von den Brüdern Assmann auf der Annenstraße kaufte er Sättel- und Radzubehör und Robert Bieber erzeugte im Bezirk Lend ebenfalls Sitzgelegenheiten für das Fahrrad.

Johann Puch verstand es von Beginn an seine Fahrräder durch Rennerfolge zu vermarkten. Auch nach Puch’s Tod 1914 wurde das sportliche Engagement der Marke weiter ausgebaut und mit Staats- und Weltmeistertiteln belohnt. Ein Rad auf dem Etappen der Österreich-Rundfahrt gewonnen wurden, war auch gut genug für den Hobby- und Alltagsradler.

Puch Sprint alt
Beliebt bei Alltagsradlern: das „originale“ Puch Sprint.

Marke mit Nostalgiewert

Dass die Marke Puch einen großen Stellenwert hatte, sieht man in Graz auch heute noch. Obwohl das Grün-Weiße-Wappen für ein Vierteljahrhundert aus den Verkaufsräumen verschwunden war, sticht es vielerorts noch ins Auge. Gerade im Annenviertel findet sich hin und wieder noch das „alte“ Puch Logo, nicht nur an Fahrrädern.

Vychodil
Seit 25 Jahren nicht im Schauraum und trotzdem präsent: das Puch-Logo.

Puch Bikes mit Produktionsdatum 2012 mögen zwar nicht mehr viel mit der ursprünglichen Marke Puch zu tun haben, viele werden sich dennoch eines dieser Räder kaufen. Sei es aus Unwissenheit und Glauben an die „alte“ Marke oder einfach um Erinnerungen an die gute alte Zeit aufzufrischen.

Über den Autor

Christoph Berger-Schauer
Direkt-Import aus Kirchdorf an der Krems, der bereits vehement an einer Vertiefung seiner Annenviertel-Kenntnisse arbeitet - bevorzugt auf zwei Rädern. Sein Leben funktioniert nicht ohne Kaffee, gelegentliches Abreisen und Wiederkommen, Nachrichten, Buch und Ton. Damit ist die Palette favorisierten Annenpost-Rubriken natürlich ein ziemlich weit gestecktes, im Ernstfall gilt aber: aktuell ist immer gut.
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