Gefängnis
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„Ich kam mir vor wie im Gefängnis“

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„Fremd sein ohne fremd zu sein“ – diese Worte glühen in großen, roten Lettern an einer Wand im Grazer Metahofpark. Die Künstlerin Isa Rosenberger hat hier gemeinsam mit acht Frauen verschiedener kultureller Herkunft „Das Annenviertel Manifest“ geschaffen. Eine dieser Frauen ist Marianna Asatrjan.

Von Christina Jauk, Klaus Knittelfelder, Markus Knauß, Nadine Handschuh, Sarah Koller

Mit dem „Annenviertel Manifest“, erdacht vom Kunstverein <rotor>, der sich seit 2009 mit kreativen Projekten im Annenviertel engagiert, setzen die jungen Frauen, unter anderem aus der Mongolei und dem Iran, ein kräftiges Zeichen für die Rechte von Migrantinnen. Alle am Manifest beteiligten Frauen leben und arbeiten im Annenviertel. Zusammen mit Isa Rosenberger trafen sie sich seit November 2010 regelmäßig, um an kurzen Texten zu arbeiten und dabei ihre Erfahrungen mit dem Leben in Österreich, mit Arbeit und nicht zuletzt mit Rassismus in Worten festzuhalten.

Eine der acht Künstlerinnen ist die 24-jährige Armenierin Marianna Asatrjan. Die selbstbewusste, junge Frau kam im Alter von 15 Jahren aus Armenien mit ihrer Familie nach Graz. Ihre Anfangszeit in Österreich war von vielen Problemen geprägt. „Es war schwierig Freunde zu finden, ich konnte die Sprache kaum verstehen. Manchmal kam ich mir vor, als wäre ich im Gefängnis“, erzählt Marianna. Sofort begann sie Sprachkurse zu belegen, um möglichst schnell Anschluss zu finden. Da ihr Hauptschulzeugnis aus ihrem Heimatland in Österreich nicht anerkannt wurde, besuchte Marianna zunächst eine Privatschule. Danach entdeckte sie ihre Leidenschaft für Mode und absolvierte die Modeschule am Ortweinplatz, die sie fünf Jahre später mit hervorragenden Noten abschloss. Eine schicke Modeboutique in Graz bot ihr einen sicheren Arbeitsplatz.

Eine Hürde gilt es noch zu bewältigen: Da sie noch keine österreichische Staatsbürgerin ist, benötigt sie, um ihrer Passion nachgehen zu dürfen, eine Arbeitserlaubnis. Diese blieb ihr bis dato verwehrt. „Alles, was ich weiß, ist, dass ich es nicht beeinflussen kann und einfach auf eine Antwort warten muss.“ Das empört auch Margarethe Makovec, Leiterin des <rotor>: „Das kann doch nicht sein, dass so eine vorbildlich integrierte Frau einfach nicht arbeiten darf. Um solche Einwohner müssten wir uns eigentlich reißen!“

Marianna Asatrjan (24) aus Armenien weiß, was es heißt, fremd zu sein

Um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen, versucht Marianna ihre handwerklichen Fähigkeiten an so viele Menschen wie möglich weiterzugeben. Immer wieder leitet sie offene Workshops bei <rotor> und begeistert dabei die Menschen: „Beim Annenviertel Manifest konnte ich kreativ sein, durch die Kunst habe ich Freunde gefunden.“

Die junge Frau blickt trotz allem zuversichtlich in die Zukunft. Sie hofft bald eine „echte“ Österreicherin zu werden und endlich in der Modebranche Fuß fassen zu können: „Mein Traum wäre es, mich selbstständig zu machen und Abendkleider zu designen.“ Auch das Thema Rassismus bringt sie nicht aus der Fassung: „Wenn mir gegenüber jemand Vorurteile äußert, werde ich sicher immer eine Antwort parat haben!“

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