Kunst als soziales Bindeglied

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Seit 2018 können im „QuerOrt” Monat für Monat aufstrebende Künstler:innen ihre Werke sorglos präsentieren. Nach sieben Jahren steht nun Veränderung an – von der Quergasse siedelt der Kunstraum in die Maria-Stromberger-Gasse. Das Ziel: Kunst noch zugänglicher machen als bisher.

„Der QuerOrt ist keine Galerie“, sagt Jakob Böhme, Initiator des Projektes. „Ein Galerist verdient an irgendeinem Punkt Geld, das tue ich nicht mit dem QuerOrt”. Bereits 2009 kam Böhme auf den Namen „QuerOrt“, damals noch für sein Architekturbüro. „Ich war auf dem Heimweg vom Bauamt und sehe die Quergasse. Ich habe mir gedacht, Querort gehört in die Quergasse.” 2018 gestaltete er den Ort um, aus dem Büro wurde ein Ausstellungsraum. „Querort” sieht Jakob Böhme heute als den Überbegriff für sein Schaffen, den in der Quergasse angesiedelten Veranstaltungsort nennt er  „QUERORT(er)LEBEN“. Noch im ersten Quartal 2026 wird sich der „QuerOrt“ von seinem aktuellen Standort verabschieden. Grund ist das fehlende Laufpublikum. „Höchstens Anrainer kommen vorbei, die freuen sich zwar immer, wenn hier was los ist, aber gehen dann doch nur vorbei”, sagt Jakob Böhme. Gerade das Laufpublikum spiele eine wichtige Rolle in seinem Konzept: Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten sollen Kunst erleben können.

Der Künstler Jakob Böhme steht vor 2 Gemälden.
Jakob Böhme im Ausstellungsraum „QuerOrt“ – Foto: Paul Grundner

Die 8er-Serie: Kunst zugänglich machen

An jedem Achten eines Monats öffnet der QuerOrt ab 18 Uhr acht Tage lang seine Pforten für eine Ausstellung, beginnend mit einer Vernissage. Kunstschaffende jeden Alters bekommen hier Raum, um sich kreativ zu entfalten und ihre Arbeiten zu präsentieren. Zugleich versucht Jakob Böhme, neue Menschen für die Kunstwelt zu begeistern. Für die Künstler:innen entstehen keine Kosten, weder für Raummiete noch für Organisation, Werbung oder Verpflegung bei der Eröffnung. Böhmes Ziel: einen niederschwelligen Zugang zur Kunst ermöglichen.

Im Dezember war es an der jungen Künstlerin Anna Knödl, diesen Anspruch einzulösen. Ihre Ausstellung, die erste ihrer Werke überhaupt, war dem Thema  „ZwischenMenschlichkeiten” gewidmet. Ihre Leidenschaft für die Malerei entdeckte sie in der Oberstufe der Ortweinschule, später erweiterte sie ihre Fähigkeiten in der Meisterschule für Kunst und Gestaltung. Momentan studiert Knödl Kunstgeschichte an der Universität Wien, in ihrer Ausstellung zeigte sie viele kleinere Arbeiten. „Mit meinem Stil verfolge ich eigentlich immer dasselbe Interesse. Ich mag es, den Ausdruck von Menschen darzustellen – nicht nur des Körpers, sondern auch des Menschen dahinter.”

Anna Knödl: Menschlichkeit als künstlerisches Interesse

Anna Knödls Werke sind darauf ausgelegt, die ungefilterten Gefühlswelten, die jeder Mensch in sich trägt, darzustellen, sodass eine Vielzahl von Menschen aus verschiedensten Lebenslagen mit ihrer Kunst resonieren können. Knödl erzählt jedoch, dass sich in der Kunstwelt eine sehr exklusive Bubble an Ausstellungsbesucher:innen gebildet habe: „Die Bewohner:innen des Annenviertels haben zu einem großen Teil ja eine andere Herkunft, die bei solchen Kunstveranstaltungen leider oft zu wenig vertreten ist. Zu solchen Events kommt immer derselbe Schlag von Menschen, das finde ich sehr schade“.

Knödl lebte selbst eine Weile im Annenviertel und betont, dass es nach wie vor Barrieren in der Kunstszene gibt, die es für Menschen ohne künstlerisches Vorwissen oder natürliches Interesse schwer machen, Zugang zu finden. Der QuerOrt ist ein Beispiel für den Versuch, Kunst für jede und jeden zugänglicher zu machen: „Weil gerade Kunst etwas so Freies ist, dass es für jeden die Möglichkeit geben sollte, Kunst betrachten und selbst erschaffen zu können.”

Infobox:

Ausblick auf die nächste 8er-Serie

Die Ausstellung „ZwischenMenschlichkeiten” ist bereits wieder aus, aber die nächste hat schon begonnen. „Vom Kopf zur Hand und zurück” heißt das Projekt von Reinhard Schuch – Interessierte können bis zum 16.01.2026 die Werke erleben. Falls noch mehr Lust auf die 8er-Serie besteht, hat die Annenpost bereits im Jänner 2020 über eine Ausstellung berichtet.

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