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Schwerkraft überwinden – Bouldern im Annenviertel

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Im Annenviertel gibt es mittlerweile drei Kletterhallen, vor allem Bouldern hat sich in den letzten Jahren zweifellos zu einem Trendsport entwickelt. Wie sich die Newton-Boulderhalle in Gries seit 2020 entwickelt hat und was Headsetter und Routenplaner Lukas Tietjen über „Spanish Boulder Meet-Ups“, „Boulderraves“ und das Bouldern selbst erzählt.

Seit dem frühen Sommer 2020 ist Lukas Tietjen Mitglied des Teams der Newton-Boulderhalle in der Ägydigasse und fungiert gleichzeitig als Sportlicher Leiter der Newton-Halle in Kapfenberg. In den vergangenen Jahren hat sich die Sporteinrichtung vermehrt auf Wettkampf-Routenbau spezialisiert. Neben dem BLOC house stellt die Newton-Halle gleichzeitig auch die einzige Sporteinrichtung im Annenviertel dar, die explizit fürs Bouldern ausgelegt ist. Einfach war der Weg der Boulderhalle nicht immer, insbesondere die Corona-Pandemie war herausfordernd. “Wir haben im Sommer 2020 aufgemacht und dann im Oktober 2020 zugemacht”, so Tietjen. „In der Woche vor der Eröffnung hat sich bei schweren Unwettern ein Überlauf-Ventil aufgedrückt und der gesamte Keller, wo jetzt der Trainingsbereich ist, wurde in der Nacht überflutet.“ Für das Team der Halle hieß das also:  Der gesamte Keller musste geräumt werden und das zwischen zwei und sechs Uhr nachts.

Zwischen Anfänger:innen und Profis

Mittlerweile werden am Standort Graz wöchentlich 40 neue Routen gebaut. Das „Schrauben“, wie man das Befestigen der Felsblöcke an den Wänden nennt, muss genau geplant werden und nimmt viel Zeit in Anspruch. „Man schraubt in der Regel nicht für sich selbst. Man schraubt in der Regel auch nicht für die Top zehn Prozent. Man schraubt für die breite Masse“, so Tietjen. „Auch muss man das Ego als Routensetzer hinten anstellen.“ Mit dem Bau einfacherer Routen will die Newton-Halle selbst Anfänger:innen an das Bouldern heranführen. 

Der Standort in Graz macht sich mittlerweile aber auch als Nachwuchsleistungszentrum einen Namen und wird des Öfteren von den „echten Profis“ gebucht. „Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich eines Tages Boulder für das Deutsche und Slowenische Nationalteam bauen würde“, erzählt Tietjen. 

Geschütztes Umfeld

Nicht nur die zentrale Lage der Boulderhalle zehn Minuten fußläufig vom Stadtzentrum entfernt, auch das vielfältige Kursangebot der Halle spricht ein breites Publikum an und hebt die Halle von anderen Sporteinrichtungen ab. „Wir versuchen im Großen und Ganzen eine sehr inklusive Halle zu sein und wollen auch eine Art geschütztes Umfeld anbieten“, so Lukas Tietjen. Mit speziellen Angeboten wie dem „Queer Climbers Treff“ oder Trainingseinheiten ausschließlich für Frauen möchte die Newton-Halle Scheu und Bloßstellung entgegenwirken. Selbst für die spanische Community gibt es mit dem „Spanish Boulder Meet-Up“ ein eigenes Trainingsangebot für Erasmus-Student:innen.

Einblick in das Untergeschoss der Newton-Boulderhalle – Foto: Clara Wehinger

Olympia als neuer Boost

Bouldern wurde ursprünglich als Winter-Alternative zum Sportklettern konzipiert. Erst seit den 1970er-Jahren zählt der Sport als eigene Disziplin im Klettersport. Lukas Tietjen ist zuversichtlich, dass sich der Sport auch in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln wird. „Wir haben den Peak in meinen Augen noch nicht erreicht“, sagt er. Vor allem Olympia 2024 in Paris werde dem Bouldern nochmals einen „Boost“ verschaffen. Erstmals soll es doppelt so viele Veranstaltungen im Bereich Sportklettern geben, als noch bei den Olympischen Sommerspielen 2020. Zudem wird Bouldern als Disziplin mit “Leadklettern” kombiniert, die Punkte der beiden getrennten Bewerbe werden im Anschluss zusammengezählt.

Erfolgreiche Wettkampfsaison

Auch Veranstaltungen wie das Event “Boulderrave” finden in der Newton-Boulderhalle statt. Mit diesem Event fand die Wettkampfsaison der Newton-Halle am 2. Dezember ihren krönenden Abschluss. Tagsüber traten besonders talentierte Sportler:innen im Halbfinale und Finale an, danach lud die Boulderhalle zu einem Rave, beide Stockwerke der Sporteinrichtungen wurden in zwei Floors verwandelt. Über die Zukunft der Newton-Halle sagt Lukas Tietjen: “Grundsätzlich glaube ich, dass man sich immer weiterentwickeln muss, denn Stillstand bedeutet selten etwas Gutes.“

 

Titelbild: Lukas Tietjen in der Newton-Boulderhalle in der Ägydigasse – Foto: Clara Wehinger 



 




Geboren 2005 in Wien, aufgewachsen in Südfrankreich, München und Vorarlberg. Matura 2023 am Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch.

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