Künstlerin Lisa Hopf vor ihrer Installation "Kyras Paradise". Im Hintergrund erkennt man das Foto einer Höhle.
Lesezeit: 3 Minuten, 37 Sekunden

Lisa Hopf macht Kunst mit Meer

in KULTUR von

Bis zum 1. September sind bei KiG! – Kultur in Graz Kunstwerke von Lisa Hopf zu erleben, die das Meer als Raum und paradoxe Umgebung thematisieren.

Wellen schlagen in ihrem eigenen Rhythmus an den Strand, während der Wind Lamellen aneinander klappern lässt. Die salzige Meeresluft ist schon fast spürbar, bis das Surren einer Drohne die Geräuschkulisse des Videos unterbricht. Sie fliegt über die Jalousien und verschwindet hinter dem Bildrand. Obwohl Besucher:innen meinen könnten, an einem griechischen Strand zu sein, ist dies eine Szene aus dem Annenviertel.

Im KiG! – Kultur in Graz wurde am 9. Juni die Ausstellung zweier Rauminstallationen der Künstlerin Lisa Hopf eröffnet. Die beiden Werke können bis zum 9. September in der Lagergasse besichtigt werden. Sowohl bei „Dualismus des Meeres“ als auch „Kyras Paradise“ steht das Meer im Mittelpunkt und regt zum Nachdenken über Grenzen, Reisen und Zuhause an.  

Lisa Hopf ist seit Kindheitstagen vom Meer fasziniert. Sie verbrachte nach ihrem Hochschulabschluss ein Jahr damit zu segeln. Im Zuge ihrer Ausbildung beschäftigte sich die gebürtige Oberösterreicherin mit Raumlehre. Deshalb sieht sie das Meer auch gerne als Raum, der Verschiedenes ausdrücken kann. „Es war für mich damals klar, dass ich mich dem Raum widmen und damit arbeiten muss“, so die Künstlerin. Zusätzlich befasste sich Hopf intensiv mit Seerecht, welches vor allem in der Flüchtlingskrise 2015 öffentlich diskutiert wurde. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Themen entstand schließlich die Ausstellung.

Dualismus des Meeres

Beim Betreten des Raumes unterteilt ein Mesh-Banner, ein Banner aus Netzmaterial, den Raum und die beiden Installationen. Es ist Teil des Werkes „Dualismus des Meeres“, das die Gegensätzlichkeit des Meeres thematisiert. Hier wird der Blick vom Land aufs Meer der Sicht vom Meer aufs Land gegenübergestellt. Auf einer Seite befindet sich eine Videoarbeit, auf der wechselnde Strandszenen verfolgt werden können. Frei stehende Jalousien und ein Strand sind zu verschiedenen Gezeiten zu sehen. Untermalt wird die Szene von Meeresrauschen und dem Geräusch der Lamellen im Wind. Dies stellt die Sicht vom Land aufs Wasser dar. Dem Video gegenüber hängt das Mesh-Banner, auf dem der Blick vom Meer aufs Land erkennbar ist.

Man sieht einen Bildschirm, auf dem freistehende Jalousien an einem Strand zu sehen sind. Dahinter sieht man das Meer.
Der Blick vom Land aufs Meer. – Foto: Katharina Percht

Das Banner bildet nicht nur eine Grenze zwischen den beiden Installationen, sondern ist auch gleich hoch wie ein „Anti-Climb“-Sicherheitszaun, der an Flüchtende an Grenzen davon abhalten soll, das Land zu betreten. Auch heute sind noch unzählige Menschen auf der Flucht und wollen über das Mittelmeer in Sicherheit gelangen. Diese Reise kostet Flüchtende oft ihr gesamtes Vermögen und immer wieder auch ihr Leben. Die Gründe dafür sind unsichere Transportmittel und -wege, meist sind die Boote überfüllt und entsprechen keinerlei Sicherheitsstandards. 

Man sieht ein durchsichtiges Mesh-Banner, das am Rand nicht an der Decke befestigt ist. Es hängt bis auf den Boden. Auf dem Banner sieht man das Meer.
Der Blick vom Meer aufs Land. – Foto: Katharina Percht

In ihrer Arbeit stellt Lisa Hopf die Grenze dem offenen Meer gegenüber – ganz im Sinne des Dualismus. Dadurch, dass das Banner durchsichtig und am Rand nicht befestigt ist, kommt eine gewisse Widersprüchlichkeit zum Ausdruck. Es gibt das Potenzial, sowohl verschlossen als auch offen zu sein. „Dualismus des Meeres“ entstand 2016 im Zuge von Lisa Hopfs Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main. Sie fuhr dafür selbst die Balkanroute nach Griechenland ab, um ein besseres Gefühl für die Distanz zu bekommen, die Flüchtende zurücklegen. Diese Reise ist zwar in ihrer Arbeit nicht sichtbar, war aber wichtig für ihren künstlerischen Prozess, so die Künstlerin.

Kyras Paradise

Der Titel der zweiten Installation ist der einer benachbarten Ferienunterkunft, ein Schild am Weg zur abgebildeten Höhle macht auf sie aufmerksam. Durch die Bezeichnung als „Paradise“ wird sowohl ein Wohnraumbezug als auch eine gewisse Sehnsucht zum Ausdruck gebracht. Am Bild der Höhle sieht man, wo das türkisblaue Meer auf den Strand trifft. Muscheln und Steine sind über den Sand verteilt, über der ganzen Szene leuchtet ein Sternenhimmel. Die abgebildete Höhle wird durch einen mitgebrachten Stein und Schuhe vor dem Werk mit dem Ausstellungsraum „verbunden“. Außerdem befinden sich am Boden und an der Wand Teppiche, die aus dem Material der Jalousien in „Dualismus des Meeres“ gewebt wurden. „Was wichtig an der Arbeit ist, sind die Materialien – und dass man sich in ihnen oder mit ihnen bewegen kann“, so Hopf. Die Materialien sollen Nähe zum Werk herstellen und ein gewisses Gefühl von Zuhause erzeugen, wo man sich letztendlich sein eigenes Paradies schafft. 

Man sieht ein Bild von einer Höhle, auf deren Felswand violettes Graffiti gesprüht ist. Hinter dem Sandstrand erkennt man das Meer und am Himmel sieht man Sterne. Vor dem Bild liegt ein Stein, drei linke Schuhe und ein Teppich.
„Kyras Paradise“, Bild mit Schuhen, Stein und Teppich davor. – Foto: Katharina Percht

Der Untertitel des Werks, „Nasty butterflies are crashing racism“, ist auf Griechisch und in violetter Farbe an die Felswand im Bild gesprüht. In der Kunstgeschichte symbolisierten Schmetterlinge verschiedenste Dinge: von Tod und Auferstehung über Vergänglichkeit bis hin zur Ehe. Meist stehen sie aber in Zusammenhang mit Veränderung. In diesem Kontext zerschmettern die Schmetterlinge Rassismus.

Obwohl die beiden Installationen ursprünglich separat geschaffen wurden, funktionieren sie miteinander und erlauben es Besucher:innen, sich gedanklich selbst ans Meer zu versetzen. Interessierte können und sollen sich durch den Raum bewegen und die Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und interpretieren. „Jede:r kann etwas anderes in den Arbeiten lesen, das ist das Schöne daran“, sagt Lisa Hopf. Um den Gedanken hinter den Werken zu verstehen, braucht es vielleicht ein bisschen Zeit. Von der Meeresatmosphäre wird man aber sofort in den Bann gezogen. 

 

Titelbild: Lisa Hopf vor ihrer Installation Kyras Paradise“. – Foto: Katharina Percht

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