Die Komiteemitglieder der HLW Schrödinger vor der Schule
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Maturabälle: Zwischen Planung und Pandemie

in Allgemein/KULTUR von

Es ist die zweite Ballsaison in Folge, in der Schüler*innen aufgrund der Coronapandemie um ihre Maturabälle zittern müssen. In der HLW Schrödinger geben die jungen Ball-Planerinnen die Hoffnung dennoch nicht auf.

Nina Bott ist Mitglied des Maturaballkomitees der HLW Schrödinger im Bezirk Lend. Ihre Schule ist seit Jahren bekannt für besonders große Maturabälle in der Grazer Stadthalle. In einem gewöhnlichen Jahr rechnet man mit 3.000 bis 4.000 Ballgästen, dabei sind die Schüler*innen der fünf Abschlussklassen noch nicht eingerechnet. Seit Ausbruch der Coronapandemie zerbrechen sich die Maturant*innen nun den Kopf, wie sie ihren Schulabschluss trotz Einschränkungen feiern können. Im Telefongespräch mit Nina Bott wird schnell klar: An Durchhaltevermögen und Hoffnung fehlt es der 18-Jährigen und ihren Komiteekolleg*innen nicht. „Es kann jetzt niemand mehr aussteigen. Wir wollen den Ball im Sommer unbedingt machen.”, sagt die Maturantin.

Wenn Schüler*innen Großveranstaltungen planen

An der HLW Schrödinger läuft die Ballorganisation seit vielen Jahren ähnlich ab. Mit der Planung beginnen die Schüler*innen im dritten Jahr der fünfjährigen höheren Schule.  Das Komitee besteht aus zehn Mitgliedern, die demokratisch abgestimmte Entscheidungen ihrer Klassenkolleg*innen umsetzen. Unterstützt werden sie dabei von der Lehrerin Carmen Ederer und der Event-Managerin Daniela Gmeinbauer, die seit 2003 in die Ballplanung eingebunden ist. „Wir waren damals mit 7.000 Besucher*innen noch größer als der Bauernbundball und der größte Maturaball Österreichs”, berichtet sie und verweist darauf, dass der Ball zu Beginn von der HLW Schrödinger und der HTL Bulme gemeinsam veranstaltet worden sei. Später habe man sich dann auf fünf Klassen der HLW Schrödinger beschränkt. 

Einmal monatlich trifft sich das Komitee mit Daniela Gmeinbauer, um den Maturaball zu planen. – Archiv-Foto: Carmen Ederer

Sommer, Sonne, Sommerball

Der ursprüngliche Termin für den Maturaball wäre im November 2021 mit der Stadthalle vereinbart gewesen. „Es war uns dann zu riskant”, sagt Nina Bott. Eine Veranstaltung mit strengen Maßnahmen und Maskenpflicht hätten die Schüler*innen gleich ausgeschlossen. Stattdessen haben sie sich für einen Ball im Sommer entschieden. Die Stadthalle wird man aus wirtschaftlichen Gründen diesmal nicht buchen, die Wahl fiel auf den Congress Graz als Location. „Weil da natürlich die Miete ein bisschen günstiger und dadurch der finanzielle Druck etwas geringer ist”, erklärt Gmeinbauer. Die Räumlichkeiten des Congress Graz sind für 2.500 Gäste ausgelegt. Bis auf die Location und die Jahreszeit, soll sich der Ball im Sommer allerdings nicht von einem klassischen Winterball unterscheiden. Unter dem Motto „The Greatest Show” soll der Ball am 25. Juni über die Bühne gehen. „Der einzige Unterschied ist, dass die Damen am Weg zum Ball im Sommer nicht frieren”, meint Gmeinbauer lachend. 

Maturaballbranche in der Krise

Um die aktuellen Entwicklungen und die Planungsschwierigkeiten während einer Gesundheitskrise weiß auch die Teamleiterin der ballguide GmbH, Lena Scholz. Das Tochterunternehmen der Kleinen Zeitung bietet Foto-, Video- und Planungsservice für Maturabälle an. Man habe als Unternehmen versucht, Schüler*innen bestmöglich zu unterstützen und ihnen, ihren Lehrer*innen und Eltern immer ein offenes Ohr zu bieten. „Wir waren mit Vertragsbearbeitungsgebühren und Stornokosten extrem kulant”, sagt Scholz. Die Situation sei sowieso schlimm genug für die Schüler*innen. In der Krise habe man sich Projekten abseits der Veranstaltungsbranche gewidmet und sei stärker in die Arbeit der Kleinen Zeitung eingebunden gewesen. Eine virtuelle Infoveranstaltung für kommende Maturajahrgänge veranstaltet ballguide trotzdem. „Wir wollen auch die unterstützen, die gerade erst das Komitee gegründet haben und trotzdem Infos brauchen”, erklärt Scholz. 

Bälle neu denken

Da sich abzeichnet, dass die Coronalage im Sommer deutlich entspannter und damit die Umsetzung einer Großveranstaltung realistischer ist, könnte sich die Ballsaison in den kommenden Jahren überhaupt verschieben. Die Event-Managerin der HLW Schrödinger, Daniela Gmeinbauer, befürwortet diese Entwicklung. Man müsse umdenken und „situationselastisch” sein. Außerdem sei ein Ball im Sommer stressfreier für die Maturant*innen. Die Matura sei zirka eine Woche vor dem Ball der HLW Schrödinger abgeschlossen, die grobe Planung müsse aber sowieso schon im April stehen. Kurz vor dem Ball seien dann nur noch die Polonaisen einzustudieren und Kleinigkeiten zu erledigen, so Gmeinbauer. 

Lena Scholz von ballguide weiß, dass im Vorjahr bereits Sommerfeste und größere Feierlichkeiten bei Maturantenverabschiedungen geplant waren. Davon habe aber wenig stattgefunden, weil es die Regeln für Veranstaltungen auch in den Sommern 2020 und 2021 schwer zugelassen haben.

Das Komitee auf den Treppen vor der Schule
Nina Bott (vorne) und einige ihrer Kolleginnen aus dem Ballkomitee. – Foto: André Marcel Gramann

„Man sollte nicht aufgeben”

Schüler*innen, die gerade mit der Planung eines Balls starten, rät Scholz, sich mit den Maturaballkomitees der höheren Klassen zu vernetzen und Coaching-Angebote wahrzunehmen. „Es ist wirklich eine große Verantwortung für einen Jahrgang, einen Ball zu organisieren”, meint Scholz, „trotzdem sollte man den Spaß an der Sache nicht verlieren.” Besonders wichtig sei nun auch, die Verträge auf Stornobedingungen zu prüfen und im Zweifelsfall nachzufragen.

Die Ungewissheit wird heuer wohl bleiben. „Sorgen sind immer da. Und dass man sich denkt: Was kommt als Nächstes? Kann der Ball stattfinden?”, so die 18-jährige Maturantin Nina Bott. Trotzdem sei man für den Sommer zuversichtlich. Event-Managerin Daniela Gmeinbauer meint, man solle die Maturaballorganisation auf keinen Fall aufgeben.

Titelbild: Ein Teil des Maturaballkomitees der HLW Schrödinger vor der Schule. – Foto: André Marcel Gramann

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