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Corona-Demos: Zwischen Spott und Solidarität

in POLITIK & WIRTSCHAFT von

In Graz demonstrierten am Samstag wieder einmal die üblichen Gegner der Corona-Maßnahmen der Regierung. Erstmals gingen aber auch die Befürworter von Impflicht & Co durch die Stadt. Das ging nicht ganz reibungslos über die Bühne.

„Solidarität und Widerstand, Kampf dem Faschismus in jedem Land!“, schallt es durch die Straßen, während der Demonstrationszug vom Mariahilferplatz zum Hauptplatz zieht. In Begleitung einiger Polizist*innen marschieren die Demonstrierenden über die Erzherzog-Johann-Brücke, da werden die Rufe plötzlich lauter. „Antifaschista!“ schreien die einen, „Nein zum Impfzwang!“ kontern andere, die gerade auf dem Weg nachhause von der vorigen Demonstration sind. Mitten in der Stadt prallen hier zwei Meinungen aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, ein Zeichen für die aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft.

Doppeldemo mit Corona-Schwerpunkt

Am Samstag dem 22.01 wurde gleich zweimal zum Demonstrieren auf die Grazer Straßen aufgerufen. Von 13 bis 15 Uhr protestierten einige Demonstrant*innen wieder einmal gegen die Corona-Maßnahmen und die Impfpflicht. Nur kurze Zeit später versammelten sich rund einen Kilometer weiter am Mariahilferplatz ebenfalls Demonstrant*innen. Unter dem Motto „Solidarisch durch die Krise(n)“ ging es neben der Klima- und der Bildungskrise ebenfalls vorrangig um ein Thema: Corona, die Notwendigkeit der Impfpflicht und Solidarität durch die Covid19-Impfung. Direkt in der Anfangsrede wurde die unfaire Impfstoffverteilung auf der Welt kritisiert, aber auch die Impfverweigerer in Österreich waren Thema. „Impfungen sind sicher und Impfungen nützen“, hörte man durch die Lautsprecher. Die Rede endete mit heftigem Beifall.

Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung – Foto: Helena Reinstadler
Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung – Foto: Helena Reinstadler

Kein Verständnis für die andere Meinung

„Ich kann es nicht verstehen, dass Leute mit Rechtsextremen auf die Straße gehen, egal ob sie gegen die Maßnahmen sind oder nicht“, meint Alena Z., die nicht namentlich genannt werden möchte, Sprecherin vom Jugendrat Graz und Mitorganisatorin der Demonstration im Vorfeld in einem Interview. In ihren Augen würde man so das öffentliche Auftreten rechtsextremer Demonstrant*innen normalisieren. Auch Jonathan Kaspar, Landesvorsitzender der Sozialistischen Jugend und ebenfalls Mitorganisator, hat wenig Verständnis für die andere Meinung. Er findet: „Die Forderungen entgegnen wirklich wissenschaftlichen Fakten. […] Ich verstehe es, dass man in irgendeiner Form seine Meinung äußern möchte, aber bei diesem Thema ist das in meinen Augen inakzeptabel.“ Wie er vorab betonte, war es Ziel, „dass wir mit unserer Demonstration nicht in Berührung kommen mit dieser anderen Gruppe.“ Das funktionierte allerdings nicht.

Eine gespaltene Gesellschaft

Während der „Maßnahmen-Befürworter“-Demo waren immer wieder spöttische Rufe von Impfpflicht-Gegner*innen zu hören. Einer packte sein Megafon aus und forderte mit sarkastischer Stimme dazu auf, aus Solidarität Zeckenimpfen zu gehen, die Menschen um ihn kommentierten mit Beifall. Nur kurze Zeit später am Hauptplatz streckte ein kleines Kind eine, österreichische Nationalflagge in die Höhe, die ihm der Vater in die Hand gedrückt hatte. Und das, obwohl Jugendrat, SJ, Pirat*innen und weitere linke Organisationen, die gemeinsam die Demo organisiert hatten, im Vorhinein dazu aufgerufen hatten, Nationalflaggen oder ausgrenzende Symbole nicht zu tragen oder zu zeigen. Ein Sprecher forderte dazu auf, die Familie möge sich entfernen. Nun war der Beifall auf der anderen Seite.

Ein kleiner Junge hält trotz „Verbots“ die österreichische Nationalflagge – Foto: Helena Reinstadler
Ein kleiner Junge hält trotz „Verbots“ die österreichische Nationalflagge – Foto: Helena Reinstadler

Die Zeit ist jetzt

Nach fast zwei Jahren der Pandemie war die „Befürworter-Demo“ die erste ihrer Art in Graz, abgesehen von Solidaritäts-Aktionen wie dem Lichtermeer. Dass man gerade in einer Höchstphase der Corona-Pandemie auf die Straße geht, begründet Jonathan Kaspar damit, dass es jetzt wichtiger als je zuvor sei, ein Zeichen zu setzen. Er ist der Meinung, dass durch die zurzeit häufig stattfindenden Demos gegen Impfpflicht und Maßnahmen ein völlig falsches Bild von Österreich entstehe, das nicht der Mehrheit der Bevölkerung entspreche, die sich impft, sich solidarisch zeigt und sich aufopfert für die Gesundheit der Menschen. Der Landesvorsitzende der sozialistischen Jugend betont: „Österreich ist nicht nur Wien am Heldenplatz, wenn Rechtsextreme zu einer Demonstration aufrufen.“

Titelbild: Mit dem Slogan „Solidarisch durch die Krise(n) marschieren die Demonstrant*innen durch die Innenstadt – Foto: Helena Reinstadler

Im Herzen für immer ein Landkind, in der Realität mitten in Graz. Langeweile kenn ich nicht, dafür bin ich zu aktiv.

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