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Heidenspass: „Food Fighters“ kämpfen gegen Lebensmittelverschwendung

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Seit Herbst können Schulklassen bei Heidenspass lernen, was man aus geretteten Lebensmitteln kochen kann. Ein Gespräch mit Christine Withalm, Leiterin des Projekts “FoodFighters”, über alltägliche Lebensmittelverschwendung in Graz.

„86 Tonnen Lebensmittel werden pro Stunde in Österreich weggeworfen“, steht  auf dem neuen Flyer von Heidenspass. Sowohl die Mitarbeiter*innen des Sozialunternehmens, als auch die Jugendlichen, die dort betreut werden, wissen, was diese Zahl im Alltag bedeutet. Denn die Lebensmittel, die sie für ihre Projektküche beziehen, wären  von den Supermärkten, aus denen sie kommen, fast weggeschmissen worden. „Wir staunen jedes Mal, wenn wir zu den Supermärkten fahren, welche Unmenge an Lebensmitteln weggeworfen werden würden, wenn wir sie nicht abholen. Da reden wir von palettenweise genießbaren, guten Lebensmitteln, und das jeden Tag“, erzählt Christine Withalm, die bei Heidenspass arbeitet.

„FoodFighters“ – damit gutes Essen nicht im Müll landet

Grund dafür ist ihrer Meinung nach vor allem die fehlende Sichtbarkeit des Themas im Alltag der Menschen, die die großen Mengen an Lebensmittelabfall, die sie mitproduzieren, oftmals verdrängen.  Das ist einer der Beweggründe für das neue Projekt „FoodFighters“, das Heidenspass im September 2021 offiziell startete. Die Vorbereitungsarbeiten begannen schon lange vorher. Den gesamten Sommer besuchten die Jugendlichen, die in der Arbeitswelt sonst benachteiligt sind und denen Heidenspass Beschäftigung gibt (wir berichteten), Schulungen zu den Themen gesunde Ernährung und Lebensmittelverschwendung. Das Gelernte wird jetzt mit anderen geteilt. Im Herbst starteten die Workshops, in denen Schüler*innen lernen, wie man sich gesund ernährt – und dabei möglichst wenig wegschmeißt. Nach zwei Stunden, in denen in einer der Stationen gemeinsam geschnipselt und gebrutzelt wird, werden die in der Gruppe gekochten Gerichte zusammen gegessen.

Die FoodFighters arbeiten rein mit Lebensmitteln, die sonst von Supermärkten weggeschmissen worden wären – Foto: Heidenspass

Ein Workshop von und für die Jugendlichen

Christine Withalm, die das Projekt leitet, erzählt begeistert über die Resultate der Workshops:  „Wir haben nicht nur Schüler*innen ein wichtiges Thema nähergebracht, sondern auch unsere Jugendlichen, die sonst eher belächelt werden, zu Experten gemacht. Das steigert ihr Selbstwertgefühl enorm“, meint sie. Denn die Workshops werden abgesehen von einer*m Mitarbeiter*in des Küchenteams komplett von den Jugendlichen geführt. Das käme auch sehr gut an: „Wir haben viel positives Feedback bekommen und eine hohe Nachfrage von Schulen“, sagt Christine Withalm.

Projektmanagement mit Herz

Withalm selbst waren eine gesunde und umweltfreundliche Ernährung schon immer wichtig. Auf einem Bauernhof in Kärnten aufgewachsen, ist sie mit saisonaler und regionaler Küche großgeworden und bekam die Wertigkeit von Lebensmitteln schon früh vermittelt. „Alle haben doch etwas, auf das sie besonders achten und für das sie brennen – für mich ist es die Ernährung“, sagt sie über sich selbst. Auch die Arbeit mit Menschen liege ihr sehr am Herzen, wie sie erzählt. Da sie in ihrem technischen Beruf unglücklich war, entschied sie sich vor drei Jahren für einen Szenenwechsel und rief bei der Geschäftsführung von Heidenspass an. Mit dem Satz: „Ich weiß nicht, was genau ihr sucht, aber ich will es machen!“ bewarb sie sich –  und so ist die 38-jährige Quereinsteigerin seitdem Teil des Heidenspass-Teams. Ihre berufliche Neuorientierung hat sie keinen Tag bereut. Ebenso wenig ihren Umzug in die Stadt. Besonders das Annenviertel, wo sie als Studentin gelebt hat und bis heute arbeitet, hat Christine Withalm ins Herz geschlossen: „Ich habe das immer sehr geliebt und lieb‘s noch immer. Da pulsiert’s.“

Für die Schulklassen werden verschiedene Stationen vorbereitet. Auch die Ernährungspyramide ist immer ein Thema – Foto: Heidenspass

Weniger verschwenden – so geht‘s

Für alle, die selbst darauf achten möchten, weniger Lebensmittel zu verschwenden, hat Christine Withalm einige Vorschläge parat. So solle man vorrangig regional und saisonal einkaufen und sich nicht über halbleere Supermarktregale beschweren – denn auch das sei mit schuld daran, dass Supermärkte so viel wegschmeißen müssten. Auch sei es wichtig, nicht nur Nahrungsmittel zu kaufen, die perfekt aussehen, sondern auch einmal ein paar verwelkte Blätter eines Salats wegzuzupfen und noch etwas daraus zu machen. „Das kann man nämlich aus fast allem!“, möchte sie mitgeben.

 

Kaffeekonsum, der scharf an Abhängigkeit grenzt, beinahe schon lästige Neugier und sprunghaftartige Gedankengänge, denen niemand folgen kann - ich denke, das beschreibt mich schon ganz gut. Abgesehen vom Schreiben brenne ich für Musik, Umwelt- und Tierschutz, Bücher und Fremdsprachen.

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