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Nichts wie weg: Wo es Grazer Künstler*innen hinzieht

in KULTUR von

Anja Korherr pendelt jede Woche zwischen ihrem Atelier im Schaumbad und der Linzer Kunstuni. Weil man in Graz nicht bildende Kunst studieren kann. Die junge Szene der Stadt liebt sie dennoch.

Von Anna Rumplmayr, Julia Rubin und Helena Reinstadler

Seit einem Jahr versucht Anja Korherr, sich in ihrem Atelier im Schaumbad, dem freien Atelierhaus in der Puchstraße, einzuleben. Staffeleien und Leinwände stehen herum, an die Wand hat Korherr die Seiten ihres neuen Comics montiert. Den Raum teilt sie sich mit Edda Strobl, die seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Helmut Kaplan das Comic-Label Tonto betreibt. Strobl war es übrigens auch, die Korherr zu ihrem ersten Comic inspirierte, in dem es um Träume und das Unterbewusstsein geht.

Das mit Einleben ist auch deshalb nicht ganz einfach, da Anja Korherr Pendlerin ist. In Graz gibt es keine Ausbildung für junge bildende Künstler*innen auf Hochschulniveau, was hier seit Jahrzehnten beklagt wird, ohne dass sich etwas daran geändert hätte. Für Korherr bedeutet das, dass sie wöchentlich ihr Atelier verlassen muss, um an der Kunstuni Linz zu studieren. Den Atelieralltag bringt das ein wenig durcheinander: „Es ist für mich total wichtig, dass ich mindestens vier Tage in der Woche malen kann – sonst dreh ich durch.“

Anja arbeitet gerade an ihrem ersten Comic – Foto: Julia Rubin

Keine Kunstuni

Die Debatte über eine akademische Ausbildung für bildende Kunst kocht in Graz immer wieder hoch. Zwar gibt es an der Ortweinschule Meisterklassen für Bildhauerei, Keramik, Malerei sowie für Schmuck- und Metallgestaltung, jedoch keine weiterführende universitäre Ausbildung. Das sei unter anderem ein Grund dafür, dass es kaum Künstler*innen gibt, die sich in jungen Jahren einen Namen in Graz machen, sagt etwa auch der Leiter der Camera Austria, Reinhard Braun. Er hat im Vorjahr im Rahmen des Kulturjahr-Projekts „Die Stadt und das gute Leben“ intensiv mit Kunststudierenden aus Wien zusammengearbeitet.

Der Umzug nach Linz war für Korherr daher keine Option, sondern eher ein Muss. „Natürlich geht es auch ohne Ausbildung. Das ist aber um einiges riskanter“, meint sie. Das Studium sei eine Art „Schutzimpfung“. Viele Galeristen*innen erwarteten sich diese Ausbildung, nicht zuletzt um bessere Preise erzielen zu können. Dafür nimmt Anja Korherr in Kauf, den Anschluss an ihr Netzwerk in Graz zu verlieren. „Mein Plan ist einfach, die nächsten drei Jahre in Linz zu überleben und dann wieder dort weiterzumachen, wo ich aufgehört habe.“

Junge Szene

Soweit es ihr Zeitplan erlaubt, versucht Korherr ohnehin, die Kontakte nicht abreißen zu lassen. Zum Kollektiv Junge Kunst etwa, das vor zwei Jahren mit der Ausstellungen „Pointless“ auf den Reininghausgründen oder heuer mit dem Bock-Magazin neue Räume für junge Kunst in der Stadt geöffnet hat. Begeistert ist sie auch vom Kunstverein Roter Keil, eine von Absolvent*innen der Ortweinschule gegründete Gruppe, die ebenfalls für Bewegung in der Kunstszene sorgt und demnächst zur neuen Ausstellung „Hetz“ in die Idlhofgasse 62 lädt. 53 Künstler*innen sind auf der Aussteller*innen-Liste geführt. „Ich habe das Gefühl, dass die junge Künstlerszene in Graz gerade richtig erwacht“, sagt Korherr.

Anja bei der Arbeit – Foto: Julia Rubin

Titelbild: Anja Korherr in ihrem Atelier im Schaumbad – Foto: Julia Rubin

Grazerin, die ihre Nase gerne in ein Buch steckt. Kritische Perfektionistin und viel unter Leuten.

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