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Notschlafstellen: Ein Platz für kalte Nächte

in SOZIALES von

Die Winternotschlafstelle St. Lukas der Caritas startet in ihre zweite Saison. Wie man anfänglichen Bedenken aus der Nachbarschaft begegnete, warum es bald auch eine Lösung für vierbeinige Begleiter geben wird und was passiert, wenn sich Annenviertler für einen Benefiz-Abend zusammentun.

Zum Auslüften aufgestellte Matratzen, Stapel mit Decken, Polstern und Bettzeug im Schlafsaal, nebenan eine erste Teambesprechung für ehrenamtliche HelferInnen — am 15. November öffnet die Winternotschlafstelle St. Lukas am Eggenbergergürtel 76 bereits zum zweiten Mal ihre Tore. Sie stellt für Menschen, die bei den immer kälter werdenden Temperaturen einen warmen Schlafplatz suchen, eine wichtige Anlaufstelle dar. Insgesamt gibt es in Graz laut Magistrat rund 500 Übernachtungsplätze für die Winterzeit (Stand 2018), wobei Caritas, Vinziwerke und das Sozialressort der Stadt Graz in enger Zusammenarbeit den Bedarf immer wieder neu evaluieren und wenn notwendig, Plätze aufstocken, heißt es.

Vor einem Jahr nahm die Winternotschlafstelle zum ersten Mal ihren Betrieb in St. Lukas auf, die Annenpost berichtete damals über die Eröffnung. Gemeinsam mit dem Kältetelefon bildet sie die Grundlage der Caritas Winternothilfe. Die Einrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass sie jedem offen steht — Geschlecht oder Herkunft spielen keine Rolle. „Dieses Konzept soll gewährleisten, dass im Winter wirklich keiner draußen bleiben muss“, sagt Teamkoordinator Jakob Url.

Ein gutes erstes Jahr

Im ersten Winter bot die Notschlafstelle insgesamt 202 Menschen aus 30 Nationen Unterschlupf, davon waren 169 männlich. Die meisten BesucherInnen blieben nicht länger als zwei Wochen, der Großteil war zwischen 30 und 60 Jahre alt. Zusätzlich betreuten ehrenamtliche MitarbeiterInnen das Kältetelefon. Jeder, der einen Menschen beobachtet, der trotz kalter Temperaturen im Begriff ist im Freien zu übernachten, kann unter dieser Telefonnummer eine Meldung machen. Bei 85 Ausfahrten brachte das Team diese Personen entweder in Notschlafstellen unter oder versorgte diejenigen, die nicht in einer Einrichtung nächtigen wollten, mit einem Kältepaket (Schlafsack, Tee, warme Kleidung).

Gerlinde Jamnig und Eva Maria Vorraber mit Jakob Url am Tisch
Gute Nachbarschaft: Gerlinde Jamnig und Eva Maria Vorraber mit Jakob Url. – Foto: Hanna Gries

„Es hat im Vorfeld einige Bedenken der AnrainerInnen und der Pfarre gegeben, aber wir haben gemeinsam ein gut durchdachtes Konzept entwickelt“, fasst Jakob Url das erste Jahr zusammen. Vor allem die räumliche Nähe zum Pfarrkindergarten St. Lukas sorgte bei einigen Personen anfangs für Skepsis. Das Caritas Team hat die beiden Eingangsbereiche durch Pflanzen getrennt und die Öffnungszeiten auf jene des Kindergartens abgestimmt. Zivildiener unterstützen das Personal, wenn die Übernachtungsgäste morgens die Einrichtung verlassen. Die Leiterin des Kindergartens, Gerlinde Jamnig, ist positiv überrascht: „Es hat besser funktioniert, als wir je gedacht hätten.“

In der bevorstehenden Saison will die Caritas das bestehende Konzept noch weiter optimieren. Zum Beispiel kommt es immer wieder vor, dass Personen eine Nächtigung ablehnen, da sie ihren Hund nicht in die Winternotschlafstelle mitnehmen können. Das Team der Caritas arbeitet bereits an einer Lösung.

Ein Hund in der Winternotschlafstelle
In Arbeit: eine Lösung für Menschen mit Hund, die einen Schlafplatz suchen. – Foto: Hanna Gries

Musik für kalte Nächte

Neben Subventionen durch Land und Stadt, ist die Winternothilfe von Spenden abhängig. Gemeinsam mit einem Freund kam Jakob Url die Idee, einen Benefizabend zu veranstalten — „Musik für kalte Nächte“ findet am 8.11.2019 im Volkshaus statt. Die Organisatoren sind beide im Bezirk Lend beheimatet und nutzen für die Gestaltung des Events ihre starke Vernetzung. Die Bar Noёl stellt den Glühwein zur Verfügung, die Schlagergarten Gloria Crew legt im Anschluss an die Konzerte auf und hinter der Bar werden einige KellnerInnen aus dem Lendviertel das Team unterstützen. „Wir versuchen das mit ganz viel „Graz-connection“ aufzuziehen, um eben ein bisschen ein Identitäts- oder Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen — wir können gemeinsam helfen“, so Url.

Bis zur Wiederöffnung der Winternotschlafstelle und der Inbetriebnahme des Kältetelefons, gibt es noch viel zu tun. Denn fallen die Temperaturen erst unter den Gefrierpunkt, möchte das Team der Winternothilfe tun, was es am besten kann: Menschen eine ruhige und sichere Nacht im Warmen ermöglichen.

 

Ganzjährige Notschlafstellen/-unterkünfte
Arche 38 (Männer), Eggenbergergürtel 38, 8020 Graz

FranzisCa (Frauen), Georgigasse 78, 8020 Graz

Schlupfhaus (Jugendliche), Mühlgangweg 1, 8010 Graz

Ressidorf, (männliche EU-Bürger), Herrgottwiesgasse 67, 8020 Graz

Haus Rosalie (inländische Frauen), Babenbergerstraße 61a, 8020 Graz

VinziTel (Frauen und Männer), Lilienthalgasse 20a, 8020 Graz

Vinzi Nest (ausländische Männer), Kernstockgasse 14, 8020 Graz

Vinzi Schutz (ausländische Frauen), Dominikanergasse 7, 8020 Graz“

 

 

Äpfel mitsamt Gehäuse essen. Gesichter und Namen merken. Improtheater. Regenschirme und Mützen verlieren.

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