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Das Geld aus der Nerd-Ecke

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Coinfinity ist die einzige Bitcoinfirma in Graz. Auch Gaststätten des Annenviertels nutzen das Zahlungsmittel. Mainstream ist die Internet-Währung aber noch lange nicht.

Max Tertinegg vor dem ersten Bitcoin-Automaten

Man könnte glatt daran vorbeilaufen, denn nur ein kleiner Flyer in der Auslage weist auf das hin, was sich hinter der unauffälligen Fassade verbirgt: Der erste Bitcoin-Automat Österreichs. 2014 gründeten Max Tertinegg und Stefan Kliment Coinfinity in der Mariahilferstraße.

Eine Erklärung für die Großeltern
Max gibt zu, dass sich das Thema für Laien nicht so schnell erklären lässt, versucht es aber trotzdem: „Bitcoin ist für Geld das, was die E-Mail für den Postbrief gewesen ist. Früher haben die Leute Briefe geschrieben, aber dann kam die E-Mail und man hat begonnen, Briefe über digitale Kanäle zu schicken. Bitcoin funktioniert wie eine Bargeldzahlung im Internet, von peer to peer, also von mir zu dir. Die Zahlung funktioniert ohne Zwischeninstanzen und ist deswegen schneller und günstiger.“ Natürlich gehen Max und Stefan nicht leer aus, denn sie verdienen an jeder Transaktion mit.

Das Herunterladen der App, die man benötigt um seine digitale Brieftasche, die sogenannte Wallet, zu füllen ist nicht schwer und auch für Oma und Opa schaffbar. Einmal installiert, wird der Rest in der App oder vor Ort von Max und Stefan in einfachen Schritten erklärt.

Die Frage, wo Bitcoins eigentlich herkommen ist auch schnell geklärt. Die Antwort lautet Bitcoin Mining. Theoretisch kann jede/jeder die Produktionssoftware herunterladen und dem Bitcoin Netzwerk die Rechenleistung seines/ihres Computers zur Verfügung stellen, um die Transaktionen, die im Netzwerk gerade herumschwirren, abzusichern. Aber das kostet viel Strom und Rechenpower. Man bekommt als ProduzentIn zwar selbst Bitcoins als Entschädigung für die Rechenleistung, das rentiert sich aber nicht. Max findet diesen Vorgang besonders spannend, da er Krypto-Währungen von Bargeld unterscheidet: „Im Euro-System sind wir alle von der Geldschöpfung ausgeschlossen, bei Bitcoin darf theoretisch jeder teilhaben“.

Digitales Gold?
Eine Besonderheit dieser Zahlungsmethode ist die Limitierung. Obwohl stetig neue Bitcoins hinzukommen, wird es nie mehr als 21 Millionen geben. Der Grund dafür ist simpel: Es soll eine Inflation vermieden werden. Max selbst glaubt nicht, dass Bitcoins Bargeld ablösen werden, sondern vermutet, dass es eine Nischenwährung bleiben wird.

Über mangelnde Kundschaft kann sich Coinfinity aber nicht beklagen. Neben KundInnen, die vor Ort Bitcoins erwerben, steigt auch die Zahl der Online-NutzerInnen. Außerdem gibt es das Projekt „Bitcoin Bon“, an dem 600 österreichische Trafiken teilnehmen. Dort kann man Bitcoins über Gutscheinkarten kaufen.

Da öffnet sich auch schon die Tür und ein Kunde tritt ein. Josef Lechner verwendet Bitcoins, um seinen Alltag zu erleichtern. Er macht eine internationale Transaktion und genießt sichtlich die Vorteile: „Der Vorgang dauert bloß ein paar Sekunden, via Bank müsste ich 3-6 Werktage warten“. Privat nutzt Lechner die neue Technologie aber auch. Er bezahlt damit in Geschäften und sogar seinen Kaffee.

Der Automat ist für alle einfach zu bedienen
Der Automat ist für alle einfach zu bedienen

Kein Vorteil ohne Nachteil
Hinter Bitcoin steckt eine ausgeklügelte Kryptographie. Man vertraut nicht drauf, dass eine Bank oder ein Staat dahinter steht, sondern auf die ausgeklügelte Mathematik dahinter. Darum ist der Oberbegriff dieser Zahlungsform auch Krypto-Währung.

Bankgeheimnisse gibt es in der Bitcoin-Welt nicht. Wenn man Bitcoins sendet oder selbst welche empfängt, hat man eine zugeordnete Bitcoin-Adresse. Diese Adresse kann man im Internet auf bestimmten öffentlichen Websites eintippen und sollten Bitcoins von dieser Adresse ein- oder ausgeflossen sein, ist das ersichtlich. Sobald man also die Verbindung zwischen einer Adresse und einer Person hat, kann man die Ein-und Auszahlungen direkt zuordnen. Max sieht das, obwohl er selbst Freund von Privatsphäre im Internet ist, nicht unbedingt als Nachteil. Wäre Bitcoin vollkommen anonym, bestünde die Gefahr, dass der Staat die Verwendung verbieten würde.

Gerade am Anfang war Bitcoin ein beliebtes Zahlungsmittel im Darkweb. Das wissen die Gründer von Coinfinity aus eigener Erfahrung und haben dafür eine Lösung gefunden: „Wenn wir davon erfahren, dass jemand Bitcoin benutzt, um damit Sachen im Darkweb einzukaufen, dann ist diese Person in Zukunft nicht mehr unser Kunde. Das verstößt gegen unsere AGB.“

Bitcoin Treffpunkt im Lend
Mitten am Lendplatz kann man sein Feierabendbier bei Hr. Siegfried genießen  und anschließend mit Bitcoins bezahlen. Seit 2014 betreibt Siegfried Weingerl das Standl und verwendet Bitcoins sowohl beruflich als auch privat. „Ich bestelle Pizza oder tätige Online-Einkäufe mit Bitcoin“, erklärt er sichtlich überzeugt von der Zahlungsmethode. Noch zahlen zwar nicht viele KundInnen auf diese Weise, aber die Klientel wächst zunehmend.

Die Krypto-Währung hat Herrn Siegfried überzeugt
Die Krypto-Währung hat Herrn Siegfried überzeugt

 

Sobald man die App (z.B. Copay) heruntergeladen hat, kann man Bitcoins senden und empfangen. Wie das geht, seht ihr hier:

 

Liebt Graz, Gyros und Geschichte. Wünscht sich eine Zeitmaschine, ist aber auch im Hier und Jetzt des Annenviertels sehr glücklich - aber ein Tee mit Kaiserin Elisabeth wäre trotzdem cool!

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