Mario Rosales Bados lächelnd auf einer Sitzgarnitur vor seinem Lokal Mi Casa

Mi Casa: Eine Brücke nach Lateinamerika

Lesezeit: 3 Minuten

Derzeit kämpfen viele Lokale in Graz ums Überleben. Besonders im Uni-Viertel machen sich das veränderte Ausgehverhalten und die steigenden Kosten bemerkbar. Doch auch im Lend zeigen sich Probleme: Das Mi Casa, das vor einigen Jahren das „Blendend“ abgelöst hat, befindet sich bereits im zweiten Insolvenzverfahren. Warum Inhaber Mario Rosales Bados trotzdem weitermacht.

Autorinnen: Elena Pausch, Tina Traussnigg

Bunte Wände, außergewöhnliche Dekoration und gute Stimmung prägen den Gastraum des Mi Casa. Mit einem Lächeln werden wir vom Inhaber Mario Rosales Bados begrüßt und bekommen etwas zu trinken angeboten – „aus Gewohnheit“. Vor ungefähr sechs Jahren übernahm der Gastronom „das Blendend” und gründete dort sein „Mi Casa. Ein Restaurant im Herzen des Lend, das lateinamerikanisches Essen und Kultur feiert. Rosales Bados wuchs in Guatemala auf und lebt seit langer Zeit in Österreich. Als er mit dem Lokal anfing, wusste er nicht, was das Leben als Gastronom für ihn bereithalten würde, mittlerweile kann er sich kaum etwas anderes vorstellen.  Die lateinamerikanischen Speisen und die entsprechende Einrichtung des Restaurants ist nicht das einzige, was das Mi Casa besonders macht.

Jeden Donnerstag verwandelt sich das Lokal in einen internationalen Treffpunkt. Bei sogenannten „Language Exchanges“  treffen da Menschen aus unterschiedlichen Ländern aufeinander, um Sprachen zu üben und Kulturen auszutauschen. Das Gespräch soll offen sein für alle, die neue Leute kennenlernen, oder ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern möchten. Welche Sprachen gesprochen werden, ergibt sich spontan: Von Spanisch und Italienisch bis Russisch ist alles vertreten. Das Konzept rief Bados vor fünf Jahren ins Leben. Wie viele Besucher:innen tatsächlich kommen, variiert je nach Jahreszeit. Besonders in den Sommermonaten sei das Lokal meist deutlich voller, erzählt der Gastronom.

Kampfgeist gegen die finanzielle Krise

Trotz des lebendigen Programms kämpft das Lokal seit Jahren mit finanziellen Problemen. Hohe Mietkosten und behördliche Auflagen stellen Mario David Rosales Bados vor existenzielle Herausforderungen. Bereits 2022 durchlief der Betrieb erstmals ein Insolvenzverfahren. Mithilfe eines erfolgreich abgeschlossenen Sanierungsplans konnte sich der Betrieb erst einmal vor der Insolvenz retten.

Während in der Gastronomie die Anzahl an Insolvenzen zunimmt, nimmt diese anderswo ab. Besonders im Bezirk Lend zeigen sich positive Entwicklungen zu einer Vielfalt traditionsreicher und neu eröffneter Lokale. Dennoch schlitterte Mi Casa im April 2025 in ein zweites Insolvenzverfahren. Als Gründe gibt Rosales Bados  notwendige Reparaturen im Keller an, die einen Veranstaltungsbetrieb über Monate unmöglich machten, sowie die erhöhte Inflationsrate. Dennoch bleibt sein Kampfgeist ungebrochen. Am 5. August 2025 wurde ein weiterer Sanierungsplan angenommen. Dieser sieht vor, dass die Gläubiger eine Quote von 20 Prozent erhalten. Die Rückzahlung soll bis August 2027 erfolgen.

„Wir Latinos geben nie auf“, betont Rosales stolz auf die Frage nach der Zukunft des Mi Casa. Tatsächlich scheint sich die Lage für das Restaurant zu stabilisieren. Die erste und zugleich größte Rate von 10 % wurde erst kürzlich beglichen. Damit ist der erste große Schritt zur Weiterführung des Mi Casa geschafft.  Als entscheidender Wendepunkt nennt Rosales Bados ein Gespräch mit dem Vermieter Helmut Marko. Erst habe er Sorgen wegen des bevorstehenden Gesprächs gehabt, erzählt er schmunzelnd. Die Resultate überraschten ihn positiv: signifikante Mietsenkungen für die nächsten drei Jahre, die dem Betreiber wieder mehr Spielraum geben. Damit ist die Zukunft des Restaurants zwar nicht bedingungslos gesichert, aber der Horizont hat sich doch deutlich aufgehellt.

Die Bar im Mi Casa mit einer leuchteten Corona Bier tafel im Hintergrund
Mithilfe greller Farben versucht das Mi Casa abzuheben. – Foto: Elena Pausch

Kulturelle Visionen

Auch wenn die finanzielle Situation angespannt bleibt, blickt Rosales Bados voller Tatendrang nach vorne. Denn wenn es eine Sache gibt, die er zur Genüge hat, dann sind es Pläne für die Zukunft. Er möchte im Lend noch mehr kulturellen Austausch und Events sehen. „Wir bieten Kultur, Musik und Stimmung an, egal ob auf Spanisch, Italienisch oder Englisch. Die Leute wollen Spaß haben“, so Rosales Bados. Nach Abschluss des Sanierungsverfahrens plant er beispielsweise die Rückkehr der Live-Musik-Abende im Mi Casa.

Außerhalb des Mi Casa ist der Betreiber an weiteren Projekten beteiligt. So etwa auch bei den Latino-Partys auf der Murinsel. „Mein Ziel ist es nicht nur, das Mi Casa zu unterstützen, sondern auch generell die Latinoszene in Graz.“ Rosales Bados möchte damit bei dem Erhalt und dem Ausbau eines sozialen Ökosystems im Bezirk Lend mitwirken. Das Mi Casa soll dabei weiterhin kultureller Knotenpunkt bleiben. Bei den regelmäßige Veranstaltungen im Mi Casa, seien es Techno- oder Latino-Partys, wechselt Rosales Bados dann auch oft seine Rolle als Gastgeber und springt spontan als DJ ein.

Die Sitzplätze im Mi Casa mit hölzernen Stühlen und Tischen, hinten eine gelbe Wand dekoriert mit Sombreros
Nach schlichter Einrichtung sucht man hier vergebens. – Foto: Elena Pausch

Wenn Mi Casa zur Tanzfläche wird

Rosales Bados ist es wichtig, vor allem die offene Einstellung seiner Kultur zu teilen. Ein großer Unterschied zur österreichischen Kultur sei, dass Österreicher:innen oft in den Urlaub fahren, um dort Spaß zu haben. Auf Mallorca wird dann bis in die Morgenstunden gefeiert, aber in Österreich erlauben sich das viele nicht. In Lateinamerika sei das anders, daheim herrsche die beste Stimmung. „Viele sagen immer, Graz ist langweilig. Ich glaube, die machen es langweilig. Und meine Idee ist es, das zu ändern.“

 

Infobox:

Öffnungszeiten Mi Casa:

Dienstag – Donnerstag: 17:00 Uhr – 00:00 Uhr

Freitag – Samstag: 17:00 Uhr – 02:00 Uhr

Die Latino-Partys finden jeden Mittwoch von 18 bis 22 Uhr auf der Murinsel statt. Eintritt ist frei.

 

Titelbild: Der aus Guatemala stammende Inhaber Mario Rosales Bados hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Stück seiner Heimat nach Graz zu bringen. – Foto: Elena Pausch

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