Phänomen K-Pop: Debüt am PPC-Mainfloor

Lesezeit: 3 Minuten

Das PPC nahm den aktuellen Album-Release der weltweit erfolgreichen Boyband BTS zum Anlass für eine K-Pop-Nacht – mit Musik, Tanz und Einblicke in die koreanische Kultur. Doch findet diese im Annenviertel Anklang?

Autorin: Nina Winkler

Beim Betreten des Raums stechen sofort auffällige Outfits und kreative Accessoires wie Schlüsselanhänger oder selbstgebastelte Armbänder aus der Menge heraus. Aus den Lautsprechern hallt schwungvolle Musik. Menschen feuern sich gegenseitig an, sobald jemand zu tanzen beginnt. Schnell wird klar: Hier trifft sich gerade die K-Pop-Community.

Das PPC brachte am 20. März mit der K//NIGHT erstmals K-Pop auf den Mainfloor. Dass das Event genau an diesem Datum stattfand, war kein Zufall: Nach einer vierjährigen, militärisch bedingten Pause veröffentlichte die südkoreanische Boyband BTS ihr neues Album „ARIRANG“, das in der Musikbranche für große Erwartungen sorgte.

Bereits seit zwei Jahren findet im Second Floor das K-Pop-Event „KAYKO“ statt. Allerdings wird dieses vom externen Veranstalter Revoke Events organisiert. „Wir haben Potenzial darin gesehen und uns entschieden, K-Pop auf den Mainfloor zu bringen“, sagt PPC-Geschäftsführerin Christina Breuß-Vaterl. Die K//NIGHT startete bereits um 19 Uhr und folgte dem Konzept einer Convention. Vor der eigentlichen Clubnacht standen Community-Angebote im Vordergrund, um jüngere Fans einzubinden. Verschiedene Kooperationen schufen einen Safe Space mit zusätzlichen Programmpunkten. Unter anderem einen Pop-up-Store mit Merchandise, Tattoostation mit K-Pop-Motiven und einen Tanzworkshop. Ab 22 Uhr folgte die Eröffnung der Party durch zwei DJs.

Tanzen verbindet

Zentraler Bestandteil des Abends war der Tanzworkshop des Studios TSC The One. Die Trainerinnen Sarah Osagiede und Hannah Kurrent entschieden sich bewusst für den Refrain von BTS’s Song „Mic Drop“ – ein Song, der in der Szene bekannt und gleichzeitig für Anfänger:innen geeignet ist. Im Mittelpunkt stand dabei der gemeinsame Spaß. Für die beiden Trainerinnen war es besonders bemerkenswert, wie schnell sich die gute Stimmung entwickelte. „Die Kommunikation hat sofort funktioniert, alle haben sich gegenseitig aufgehyped“, sagte Sarah. K-Pop eigne sich besonders gut für Workshops, da es zu fast jedem Lied eine Choreografie gebe und man sich deshalb gut orientieren könne, ergänzte Hannah. Dadurch entstehe ein direkter Zugang, egal für welches Erfahrungslevel.

Dies zeigt sich auch im Alltag des Studios am Eggenberger Gürtel. Seit 2024 bietet „TSC The One” eigene K-Pop-Kurse an – mit wachsender Nachfrage. Aktuell nehmen rund 60 Personen im Alter von sieben bis 26 Jahren teil. „Man denkt oft, man ist die einzige Person, die das hört – und dann merkt man, wie viele es eigentlich sind“, erzählt Hannah.

Auch das Gemeinschaftsgefühl spielt eine zentrale Rolle: Neue Teilnehmer:innen werden sofort aufgenommen und integriert. „Man ist von Leuten umgeben, die die gleichen Interessen haben“, so die beiden 20-Jährigen Trainerinnen. Sie entdeckten während des Corona-Lockdowns – wie viele andere Hörer:innen auch – ihre Liebe zu K-Pop. Wichtiger Bestandteil der sogenannten „Idol-Industrie“ sind die eigenen YouTube-Kanäle der Künstler:innen, die vor allem in Lockdown-Zeiten vielen Fans Unterhaltung boten. Laut einem Bericht der UNESCO stieg die Nutzung solcher Kanäle während der Pandemie deutlich an, wodurch sich der weltweite Hype verstärkte.

Trainerinnen Sarah und Hannah auf der Bühne des PPC. – Foto: Nina Winkler

Musik als Tür zur K-Kultur

Neben Musik und Tanz bot der Abend auch Einblicke in die koreanische Kultur. Die Graz Koreanische Schule und der Koreanische Verein Graz waren vor Ort und ermöglichten den Besucher:innen unter anderem, ihre Namen in „Hangul“, der koreanischen Sprache und Schrift, schreiben zu lassen.

„Viele kommen wegen K-Pop und wollen dann mehr über die Kultur lernen“, erklärt Bryan Cho, Leiter der Schule und des Vereins. Am Standort in der Babenbergerstraße werden neben Sprachkursen auch traditionelle Kunst wie „Minwha“ gelehrt. Die Gemälde, die oft Emotionen wie Liebe oder Einsamkeit darstellen, werden regelmäßig ausgestellt. Zusätzlich finden monatliche Kochworkshops statt, die besonders bei der Grazer Bevölkerung auf großes Interesse stoßen.

Mitglieder der Graz Koreanische Schule begrüßen am Empfang. – Foto: Nina Winkler

Zwischen Nische und Mainstream

Selbst für das PPC zeigt sich, dass K-Pop schon lange Graz erreicht hat. „Viele Menschen merken oft gar nicht, dass sie K-Pop hören“, schildert Breuß-Vaterl. Produktionen seien heute oft so international, dass sie sich nicht mehr eindeutig einem Genre zuordnen lassen. Sie nennt als Beispiele Lieder wie „Money“ von LISA oder „Seven“ von Jung Kook (feat. Latto).

Dies wird auch von den Besucher:innen der Veranstaltung bestätigt. K-Pop befindet sich aktuell in einer Übergangsphase und ist längst nicht mehr nur in der Szene zu hören, sondern läuft zunehmend auch im Radio und in Geschäften. Der Oscar-ausgezeichnete Film „KPop Demon Hunters“ spielt eine große Rolle in dieser Entwicklung und zieht derzeit neue Fans in die Community.

Dennoch bleibt die Szene für viele kaum sichtbar. Formate wie die K//NIGHT versuchen deshalb, die Community stärker in die Öffentlichkeit zu holen. Das Event wird allerdings nicht regelmäßig wiederholt, sondern ist nur für bestimmte Anlässe gedacht. Gleichzeitig bietet es Interessierten, die bisher noch nichts vom KAYKO-Club wussten, die Möglichkeit, diesen in Zukunft zu besuchen.

 

Titelbild: Große Beteiligung und Begeisterung am Tanzworkshop. – Foto: Nina Winkler

 

Infobox:

TSC The One

K-Pop-Kurse bei TSC The One finden freitags von 17 bis 18 Uhr statt.
Website: https://tsctheone.at/
Instagram: tsctheone

Graz Koreanische Schule

Website: https://grazschule-korean.com/
Instagram: koreanschoolgraz2011

 

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