Kindergarten Glockenspiel: Neue Hoffnung nach der Krise

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Die Weiterführung des Kindergartens Glockenspiel in der Keplerstraße ist vorerst gesichert. Ein Gespräch mit Leiterin Magdalena Dungl über die Herausforderungen professioneller Kinderbetreuung, motivierte Mitarbeiter:innen und das liebe Geld.

Autorin: Iris Stark

Wer den Kindergarten in der Keplerstraße betritt, ein Gebäude aus den 1960iger- Jahren, wird umgehend von lachenden Kindergesichtern willkommen geheißen, die neugierig um die Ecke blicken. Seit 2005 wird der Kindergarten Glockenspiel hier als privater Kinderbetreuungsverein geführt. Ursprünglich wurde er 1997 als Initiative des Arbeitsmarktservice zur Wiedereingliederung berufstätiger Frauen ins Leben gerufen. Magdalena Dungl, die uns an diesem Tag durch die Einrichtung führt, leitet das Glockenspiel seit 2017. Die letzten Monate, erzählt sie, seien wirklich schwierig gewesen.

Bangen um den Fortbestand

Mehr als zwei Jahren lang stand aufgrund finanzieller Schwierigkeiten sogar eine Schließung des Kindergartens, in dem heute 22 Kinder ganztägig betreut werden, im Raum.  Wenn sie an die Wochen und Monate der Unsicherheit zurückdenkt, ist sie froh, nichts unversucht gelassen zu haben, um den Betrieb doch noch zu retten. „Besonders belastend während dieser Zeit, waren die zusätzliche Zeit und Ressourcen, die der Kampf ums Überleben mit sich gebracht hat“, so Dungl. Zeit, die ihr gefehlt habe, um sich auf den eigentlichen  Betrieb zu konzentrieren.

Finanzielle Schieflage

Eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, trugen zur Misere bei: erhöhte Personalkosten in Zeiten von Corona, vermehrte Krankenstände und Pflegeurlaube, neue Auflagen sowie die Anhebung der Löhne für pädagogisches Personal am 1.1.2024 laut Gemeindedienstrecht, dem auch Dungls Betrieb unterliegt. Zudem ergab ein Sicherheitscheck des Landes Steiermark, dass die Nestschaukel saniert werden musste. Allein dadurch wurden Mehrkosten in Höhe von 6.704,43 € fällig. Außerdem musste sie in Sicherheitsglas für die Fenster in Höhe von 5.340 €, ballwurfsichere Leuchten, und Fluchtleuchten sowie die Sanierung von Böden und Wänden investieren. Eine zusätzliche Subvention von fünftausend Euro durch die Stadt Graz reichte zur Kostendeckung nicht aus.

Am Ende stand Dungl vor einem Minus in Höhe von zweiundzwanzigtausend Euro. Und der Frage, wie es mit dem Kindergarten weitergehen sollte. Aufgeben aber, so Dungl, sei nie eine Option gewesen.

Learning by doing

Nach einer Ausbildung als Elementarpädagogin in Graz begann Magdalena Dungl mit einem AHS-Lehramtsstudium in den Fächern Spanisch und Deutsch. Doch sie stellte bald fest, dass die Elementarpädagogik ihren Vorstellungen mehr entsprach als das Lehramt. Im Jahr 2017 leitete sie ihre erste fixe Gruppe im Kindergarten Glockenspiel. Später übernahm sie auch die pädagogische Leitung und die Geschäftsführung des Vereins. Das sechsköpfige Team besteht aktuell aus zwei Elementarpädagoginnen, zwei Kinderbetreuerinnen, einer Mitarbeiterin, die täglich frisch das Essen zubereitet, sowie eine Reinigungskraft. „In mehreren Funktionen zu arbeiten war herausfordernd“, erzählt Dungl. Trotzdem habe sie sich Führungskompetenzen und auch betriebswirtschaftliche Expertise in Eigeninitiative angeeignet. Ihr Antrieb sei ihr Ehrgeiz und der Wille, sich ständig weiterzuentwickeln. Es sei ein ständiger Prozess, in „Learning by doing“.

Pädagogische Schwerpunkte und die Besonderheit an der Arbeit mit Kindern

Die pädagogische Arbeit im Kindergarten habe sie klassisch ausgerichtet, sagt Dungl. Vorhandene Kompetenzen der Mitarbeiterinnen werden genutzt, so finden regelmäßig Yoga-Einheiten einer Kollegin statt, die über eine Kinderyoga-Ausbildung verfügt. Dungl selbst macht gerade einen Lehrgang zur Musikpädagogin. Regelmäßig bietet das Team auch Tanzstunden an.

Tafel an der Wand, ABC in Buchstaben an Wand, Matratzen mit Pölstern und Decken liegen in einem Kreis am Boden
Das „Schulzimmer“ in dem die Schulvorbereitung stattfindet und welcher in der Mittagszeit als Ruheraum genutzt wird. – Foto: Iris Stark

„Der Beruf ist abwechslungsreich und vielfältig“, sagt Dungl. Dass sie teilhaben darf, wie Kinder sich nach Bildungsangeboten vertiefen, aber auch wie sie die Welt sehen und was sie daraus machen, findet Dungl ganz besonders an ihrer Arbeit. Die zunehmende Digitalisierung stelle für Kinder jedoch ein großes Problem dar, erklärt sie. Der überhöhte Medienkonsum führe zu massiven Entwicklungsproblemen. Pseudo-autistische Entwicklungsverzögerungen, aber auch sprachliche, motorische und sozio-emotionale Defizite würden zunehmen. Das führe auch zu weiteren Belastungen für das Team.

Tägliche Herausforderung

Die Personalsituation in Kindergärten sei an sich schwierig, auch wenn sich die Krise, die in Graz noch 2022 herrschte, abgemildert habe, glaubt Dungl. Die Gehaltserhöhungen 2024 hätten dazu beigetragen. Die hohe „Drop-out-Quote“ liege aber auch in der Natur des Berufs. Schüler:innen, die den Beruf mit 14 erlernen, wüssten oft nicht, welche Belastungen er mit sich bringt. Sie findet, die Elementarpädagogik müsse endlich an das Bildungssystem angeschlossen werden, da die Wahrnehmung der pädagogischen Hochschule differenzierter sei. Auch die stufenweise Senkung der Kinderhöchstzahlen in Gruppen sei ein wichtiger Schritt. Selbst wenn die Verkleinerung der Gruppengröße vom Landtag verschoben wurde. Der aktuelle Fahrplan besagt, dass erst im Jahr 2028/2029 die Gruppen auf 21 und 2031/2032 auf 20 Plätze reduziert werden müssen.

Zuordnungsspiel mit bunten Holzstäbchen und Bildern in der Mitte eines orangenen Teppichs umgeben von Kinderhänden die in die Mitte zum Spiel greifen.
Kinder begreifen ihre Umwelt mit allen Sinnen. – Foto: Iris Stark

Wie es weiter geht

Für den Kindergarten Glockenspiel haben die letzten Wochen wichtige Klärungen gebracht. Anfang Februar ergab ein persönliches Gespräch zwischen Mitarbeitern,  Eltern und Stadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP), dass eine Abdeckung der Sanierungskosten aus öffentlichen Geldern der Stadt Graz nicht möglich sei. Doch sicherte die ÖVP die Bereitstellung von 10.000 Euro aus Club-Geldern und von weiteren 5000.- über die Aktion “von Mensch zu Mensch” zu. „Ich kämpfe um jeden einzelnen Betreuungsplatz in dieser Stadt“, so Stadtrat Kurt Hohensinner in einer schriftlichen Stellungnahme. Auch seitens der KPÖ und der Grünen habe es Bereitschaft gegeben, einen Teil der aufgelaufenen Kosten zu übernehmen.

Zukunftspläne

Trotz aller Schwierigkeiten ist Magdalena Dungl davon überzeugt, dass es Ganztageseinrichtungen wie ihre in Graz braucht, um die hohe Nachfrage berufstätiger Eltern zu decken. Obwohl ihr bewusst ist, dass ein eingruppiger Kindergarten nicht dem Kosten-Nutzen-Ideal entspricht. Wenn Dungl also über die Zeit nach der Konsolidierung nachdenkt, dann wünscht sie sich einen Ausbau des Angebots. Langfristig plant sie, den Kindergarten um eine Kindergarten- sowie eine Krippengruppe zu erweitern und auch den Standort zu wechseln. Die stark befahrene Keplerstraße sei nicht ideal, genauso wenig wie die in die Jahre gekommenen Räume und Sanitäranlagen im 1. Stock, der umständlich zu erreichende Garten, der zudem noch zu klein ist. „In der Praxis sind diese Hürden im Alltag schwer zu bewältigen”, erklärt Dungl. Noch eine gute Nachricht: Bei der Suche nach einem neuen Standort will die Stadt Graz ebenfalls behilflich sein.

 

Titelbild:  Magdalena Dungl (2.v.r.) und ihr Team-Foto: Iris Stark

 

Infobox

Kindergarten Glockenspiel

Keplerstraße 88, 8020 Graz

https://www.kinderdrehscheibe.net/einrichtung/kindergarten-glockenspiel/

Öffnungszeiten: 7:30-16:30

Artikel wurde beim Titelbild am 3. März 2026 korrigiert.

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