Die Notschlafstelle VinziNest erstrahlt nach der Kernsanierung in neuem Glanz und bietet seinen Bewohner:innen weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Die Kartons werden gepackt: Ein Blick hinter Umbau, Finanzierung und neue Möglichkeiten.
Autorinnen: Elisabeth Umbauer, Alissa Tschann
Die Kernsanierung des VinziNest war dringend notwendig. „Das Gebäude ist uns unter den Füßen weggebröckelt”, meint Svjetlana Wisiak, Kommunikationsleiterin der VinziWerke im gemeinsamen Gespräch. Auch die Sicherheitsstandards konnten nicht mehr eingehalten werden. Nun neigt sich der Umbau dem Ende zu: Mit Ostern startet der Umzug für die Bewohner:innen vom Übergangsquartier in Liebenau zurück ins VinziNest in der Maria-Stromberger-Gasse. Barrierefreie Bäder, eine Belüftungsanlage zur besseren Luftzirkulation, eine Fußbodenheizung sowie Betten mit Steckdose und Nachttischlampe sind nur ein paar Veränderungen, die das neue VinziNest lebenswerter und sicherer machen. Auch das Zusammenleben soll gefördert werden. So gibt es jetzt mehr Aufenthaltsmöglichkeiten und eine eigene Gemeinschaftsterrasse für die Frauen.

Ohne freiwillige Helfer:innen wäre das alles undenkbar gewesen. Doch auch ihnen hat das Projekt einiges abverlangt. „Es ist unglaublich, was sie alles leisten, aber es war eine Herausforderung, den Teamgeist aufrechtzuerhalten“, erzählt Svjetlana Wisiak. Von Studierenden bis hin zu Pensionist:innen – die Lebenswelt der Ehrenamtlichen könnte nicht bunter sein. Einige von ihnen arbeiteten selbst auf der Baustelle mit oder leisteten wichtige Arbeit im Übergangsquartier in Liebenau. Auch jetzt, in den zwei Umzugswochen nach Ostern, geht ohne die Helfer:innen gar nichts.
Ein Gebäude, zwei Zufluchtsorte
Im VinziNest finden bis zu 80 Schutzsuchende einen sicheren Schlafplatz für die Nacht. Seit 2006 gibt es im selben Gebäude mit dem VinziSchutz auch einen Zufluchtsort nur für Frauen, mit weiteren 25 Betten. Dieses Angebot wird auch gut angenommen – die Auslastung lag in normalen Jahren bei über 70 %. Im Übergangsquartier in Liebenau letztes Jahr fiel sie mit 62,5 % etwas geringer aus, wobei die 10-15 Notbetten hier bereits mit eingerechnet sind.
In die Notschlafstelle dürfen alle Volljährigen in einer Notsituation kommen. Viele der Bewohner:innen sind sogenannte „Working Poor“. Diese von Armut betroffenen Menschen müssen ihre Heimat verlassen und im Ausland arbeiten. Dort leben sie aber weiterhin unter prekärsten Bedingungen. In den vergangenen Jahren kamen die Gäste aus rund zehn Ländern. Dass der Bedarf solcher Angebote wächst, bestätigt auch Svjetlana. Im VinziTel, einer ganztags geöffneten Notschlafstelle, sei die Nachfrage derzeit so hoch wie noch nie.
Die finanzielle Lage zwingt zu neuen Wegen
Das Umbauprojekt wurde ursprünglich mit 1,9 Millionen Euro berechnet, davon 1,5 Millionen aus öffentlicher Hand und 400.000 Euro aus Sponsoring und Spenden. Die Kosten haben sich jedoch laufend verändert und werden schlussendlich deutlich höher ausfallen. Beispielsweise wurde aus einer Dachsanierung ungeplant ein komplett neues Dach und die Anlieferung funktionierte schließlich doch nur mit einem teuren Kran. Die Endabrechnungen laufen noch, aber die tatsächlichen Kosten werden deutlich höher als geplant ausfallen.

Nicht nur der Umbau selbst, auch der Betrieb bringt finanzielle Herausforderungen mit sich. Die Spendenbereitschaft habe laut Svjetlana zwar leicht zugenommen, reiche aber nicht aus, um die Teuerung zu decken. Ähnliches gilt für die Förderungen, auch hier fehlt der Inflationsausgleich. Dazu kommen die Sozialkürzungen vom Februar, die auch die VinziWerke zu spüren bekommen. Aus öffentlichen Budget-Diskussionen halten sie sich dabei aber heraus: „Uns ist bewusst, dass gespart werden muss und dass auch wir sparen müssen.“ Eingespart wird dort, wo es für die bedürftigen Menschen nicht spürbar ist. Es werden etwa alte Möbel und die Büroeinrichtung im neuen VinziNest weiterverwendet. Künftig will die Vinzenzgemeinschaft stärker auf Fundraising und Unternehmensspenden setzen, um Menschen in Notsituationen weiterhin unterstützen zu können. Oberstes Ziel der Vinzenzgemeinschaft bleibt es trotz aller Herausforderungen weiterhin, die direkte Notversorgung für hilfsbedürftige Menschen in diesem Umfang aufrechtzuerhalten.
Titelbild: Eine ehemalige Bäckerei in Liebenau diente als provisorisches Übergangsquartier. In ein paar Wochen können die Bewohner:innen zurück ins Annenviertel. – Foto: VinziWerke
Mehr Infos zur Planungsphase findest du in diesem Annenpost-Artikel:
https://www.annenpost.at/2024/11/28/hoffnung-fuer-schutzsuchende-sanierung-im-vinzinest/
In den beiden Umzugswochen bleibt das VinziNest bis zum 19.04.2026 geschlossen. Ab 20.04.2026 ist die renovierte Notschlafstelle wieder einzugsbereit. Aktuelle Infos findest du hier: https://www.vinzi.at/vinzinest/
