die Umbauten des Krankenhauses der Elisabethinen
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135 Millionen für Ordensspitäler: Nicht alle freut’s

in POLITIK & WIRTSCHAFT von

Bis zu 60 Millionen Euro sollen die Umbauten des Krankenhauses der Elisabethinen im Annenviertel kosten. Auch die Barmherzigen Brüder konnten im Vorjahr das neue Schwerpunktspital einweihen. Wie erleben die Mitarbeiter:innen in Zeiten der Pflegekrise die Strukturreform?

Das Haus war relativ neu, es wurde erst 2006 neu eröffnet, einige Jahre später weggerissen, dann wieder neu gebaut. Da stellt sich die Frage, ob das alles notwendig war”, sagt eine diplomierte Pflegekraft der Barmherzigen Brüder beim Interview im frisch renovierten Gebäude. 

Im Zuge des regionalen Strukturplans und im Auftrag des Landes Steiermark wurden die beiden Ordensspitäler, Elisabethinen und Barmherzigen Brüder, fachlich ausdifferenziert. Das bedeutet, die Barmherzigen Brüder konzentrieren sich fortan vor allem auf die chirurgischen Fächer und die Elisabethinen auf die konservativen Abteilungen mit Fokus auf altersmedizinische Versorgung. Dafür wurden bei den Barmherzigen Brüdern 75 Millionen Euro in den Umbau gesteckt, der im September 2022 nach vierjähriger Sanierung abgeschlossen wurde. 

Folgen der Strukturreform

Die Elisabethinen starteten Mitte Jänner 2023 ihrerseits mit Um- und Neubaumaßnahmen. Ziel ist es laut Stefan Magerl, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Elisabethinen, bis 2025 am Standort Elisabethinergasse alle medizinischen Abteilungen zusammenzuführen. Bei dem Projekt werden mit 50 bis 60 Millionen Euro neue Räumlichkeiten für die, von den Barmherzigen Brüdern übernommenen, Abteilungen Neurologie und Psychiatrie geschaffen. Es entstehen eine Alterspsychiatrie und neue Räume für die Organisationsabteilung für disziplinäre Schmerzmedizin. Diese sind Teil des ersten Bauabschnitts und werden Anfang Sommer 2023 bezogen. 

Doch nicht alle sind mit den Investitionen zufrieden. Die darüber befragten Mitarbeiter:innen der beiden Ordensspitäler, die allesamt anonym bleiben wollen, sind der Meinung, dass es wichtig ist, ein gutes Umfeld zu schaffen. Dennoch beurteilen drei der vier befragten Pflegepersonen den Umbau als eher negativ. Eine Mitarbeiterin der Barmherzigen Brüder erklärt: Wir haben uns öfters gefragt, ob diese ganze Umstrukturierung viel bringen wird oder notwendig war!“ 

Eine andere Pflegekraft meint: Die Arbeitsbelastung mit dem ständigen Lärm und dem Umsiedeln war absolut nicht angenehm.” Eine diplomierte Krankenpflegerin der Elisabethinen wird noch deutlicher, sie erachtet den gerade angelaufenen Umbau als furchtbar, hält ihn für „rausgeschmissenes Geld“. Es gäbe bereits neuwertige Räume, die aber aufgrund der Kooperation nicht mehr genutzt werden. Elisabethinen-Sprecher Magerl bezeichnet den Betriebsübergang als Mindset-Change, der entsprechend begleitet werden muss. Doch für einige Mitarbeiter:innen ist es mehr als das. 

Personalmangel und Unterbezahlung

Insbesondere wird von dem Pflegepersonal hinterfragt, warum Teile des Geldes nicht in die Mitarbeiter:innen investiert wurden, wo doch ohnehin in beiden Spitälern Personalmangel herrsche. Der Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder, Oliver Szmej, erklärt im Gespräch, dass es keine Möglichkeit für eine Gehaltserhöhung gibt, da die beiden Krankenhäuser als Spitäler im steirischen Gehaltsschema gefangen sind. Außerdem würde es zu einem starken Konkurrenzkampf bezüglich der Rekrutierung von Personal zwischen den Spitälern kommen, wenn beispielsweise die Barmherzigen Brüder mehr bezahlen würden. 

Den Grund für den Personalmangel sieht Szmej weniger im  Lohn als in der starken Fluktuation in andere Branchen begründet, die immer häufiger passiert. Und in der Arbeitslast, welche durch die Pandemie nochmals verstärkt wurde. Dennoch ist er, genauso wie Stefan Magerl von den Elisabethinen, der Meinung, dass die Personalnot in den beiden Ordensspitälern ein kleineres Problem darstellt  als in vielen Abteilungen der Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Die Elisabethinen haben aktuell 20 bis 25 und die Barmherzigen Brüder 10 bis 15 ausgeschriebene Stellen. Magerl betont, dass das nicht unbedingt dramatisch ist. 

Eine diplomierte Krankenpflegerin der Elisabethinen kontert jedoch auf Nachfrage, dass der Personalmangel am Papier nicht auffalle, da laut Berechnungen zwar genug Personal vorhanden ist, aber die Krankenstände, Karenzen etc. nicht eingerechnet worden seien. 

Beim Problem der steigenden Arbeitslast sind sich jedoch alle Befragten einig, da die Anforderungen und damit die Verantwortung vor allem für diplomierte Mitarbeiter gewachsen sind. Eine Krankenpflegerin, die anfangs bei den Barmherzigen Brüdern und nun bei den Elisabethinen arbeitet, erzählt, dass der Stress bei ihr zu einem Überlastungssyndrom geführt habe und – besonders während der Pandemie – zahlreiche Personen aufgrund der Arbeitslast gekündigt hätten. Überlastung führe oft zu Verunsicherung. Da sei in diesem Beruf nicht gesund, schließlich gehe es um Menschenleben. 

 

Titelbild: Bauarbeiten im Krankenhaus der Elisabethinen – Foto: Theresa Kahr

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